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sehen Wohlfahrtspflege in Deutsch - ;
land während der letzten 25 Jahre . Diese \
Arbeit ist von Herrn Geheimen Justizrat ;
Timendorfer angeregt und von der G r o ß 1 o g e \
für Deutschland materiell unterstützt worden . I
Herr Geheimrat Timendorfer , welcher den i
Auftrag erhalten hatte , in dem von dem Stilke ' schen |
Verlage anläßlich des Regierungsjubiläums unseres I
Kaisers herausgegebenen Werk das genannte Thema j
zu behandeln , hat uns das von ihm gesammelte Ma - '
terial zur Verfügung gestellt . Dasselbe ist vom j
Büro für Statistik der Juden durch umfangreiche Er - i
hebungen bedeutend erweitert worden , sodass es in j
der Lage ist , über die gesamte Wohlfahrtspflege , ;
welche von den jüdischen Gemeinden und den in ;
ihnen bestehenden Vereinen und Stiftungen ausgeübt ;
wird , ein abschließendes Bild zu geben . Die Arbeit I
welche wegen des außerordentlich umfangreichen zur j
Verarbeitung gelangten Materials viel Mühe und Zeit
erfordert hat , wird sicherlich das Interesse \ veite r !
Kreise finden .
Unmittelbar nach Fertigstellung dieser Unter - ;
suchung wird an die Bearbeitung der S t at i s t i k der i
Berliner juden gegangen werden . Diese Arbeit ,
welche auch schon seit längerer Zeit in Aussicht ge¬
nommen ist , hat sich leider dadurch verzögert , daß die .
Beschaffung des amtlichen statistischen Materials noch \
nicht möglich war . Wie bereits in einem früheren ;
Bericht erwähnt , soll nicht nur das veröffentlichte
Material verarbeitet werden , sondern es sind auf
Veranlassung des Büros für Statistik der Juden be¬
sondere Auszählungen vorgenommen worden , durch
welche man volle Klarheit über die verschiedensten
Verhältnisse in mehrfachen Kombinationen erhalten ;
wird . Die Auszählungen für die Vororte Berlins , !
welche im Kgl . Preussischen Landesamt erfolgt sind , j
sind fertiggestellt . Dagegen fehlen dieselben noch j
für die Stadt Berlin , da das Berliner Statistische Amt j
noch mit anderen dringenden Arbeiten beschäftigt war
und erst vor ganz kurzer Zeit die gewünschten Aus - ;
Zählungen beginnen konnte .
Die Verarbeitung des Materials wird das Büro ;
voraussichtlich während des ganzen nächsten Jahres ;
in Anspruch nehmen . Mit Ende desselben wird ;
jedoch die Arbeit über die Juden in Berlin fertig - ,
gestellt werden können .
Für wettere alsdann vorzunehmende Untersuch¬
ungen liegen bereits mehrfache Anregungen vor , so -
daß auch in Zukunft für eine erfolgreiche Tätig¬
keit des Büros Gewähr gegeben ist . Wären die
Mittel größer , so könnten , wie gesagt , gleichzeitig
mehrere Arbeiten nebeneinander herlaufen .
Schließlich hat das Büro auch wie früher in zahl¬
reichen Fällen Auskünfte erteilt und Materialien für
wissenschaftliche Arbeiten , Vorträge und dgl . geliefert .
Hervorzuheben ist noch , daß die vom Büro heraus¬
gegebene Schrift „ Die beruflichen und sozialen Ver¬
hältnisse der Juden in Deutschland " vielen Vereinen
und Logen die Grundlage für Referate , Vortrage und
Diskussionen gegeben hat . Die in der letzten Zeit
immer häufiger werdende Behandlung wirtschaftlicher
Fragen dürfte vorwiegend den Anregungen zu ver¬
danken sein , die durch die Veröffentlichungen des
Büros erweckt worden sind . —
Nachdem alsdann der Kassenbericht erstattet war
wurden die Wahlen vorgenommen . Es wurden ge¬
wählt : in das Kuratorium die Herren Geh .
Sanitätsrat Dr . Maretzki , Prof . Dr . Martin Philippson ,
Geh . Justizrat Dr . Eugen Fuchs , Bankier Benno Stern ,
Frau Prof . Dr . Mayerhoff er , in den Vorstand die
Herren Rechtsanwalt Dr . Bruno Blau , Richard Cassel ,
Dr . Hans G . Heymann , Frauenarzt Dr . Josef Hirsch ,
Syndikus Rechtsanwalt Dr . Ludwig Holländer , General¬
sekretär Dr . Bernhard Kahn , Prof . Dr . Kalischer , Dr .
Alfred Nossig , Prof . Dr . Rosin , Bankier Benno Stern ,
zu Kassenprüfern die Herren L . Domnauer
und S . Kirschstein .
Hierauf folgten Vorträge des wissenschaftlichen
Mitglieds des Bureaus für Statistik der Juden Dr . oec .
publ . J . Segall über „ die Juden und das
deutsche Wirtschaftsleben " und des
Rechtsanwalts Dr . jur . , phil . et oec . publ . Rudolf
Wassermann aus München über „ die Krimi¬
nalität der deutschen Juden . 4
An die mit großem Beifall aufgenommenen Vor¬
träge schloß sich eine interessante Aussprache , an der
sich die Herren Dr . Josef Hirsch , Justizrat Dr . Lövin -
son , Direktor Dr . Rotholz , Prediger Levy , Justizrat
Feilchenfeld , Dr . Nossig , Prof . Dr . Kalischer und
Rechtsanwalt Dr . Blau beteiligten .