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322 männlichen und 85 weiblichen, also zu¬
sammen ein Minus von 407 Personen.
Daß die Mischehen sehr wenig frucht¬
bar sind, ist eine bekannte Tatsache, die
auch durch Tahelle XIV und XV für Wien
sich bestätigt. Schlimmer ist es noch, daß
die Nachkommen aus solchen Ehen für das
Judentum fast ganz verloren gehen. Aus
hundert Ehen, in denen der Mann kon¬
fessionslos, also früher Christ, und die Frau
Jüdin war, entsprossen 105 Kinder, von
denen 53 konfessionslos, 27 christlich und
bloß 25 israelitisch erzogen wurden. Noch
trauriger ist das Verhältnis bei 92 Ehen, in
denen die Frau konfessionslos, also früher
Christin und der Mann Jude war, da diese
Frauen nach der Eheschließung häufig zum
Christentum zurücktraten. Es waren 127
Kinder, von denen 75 christlich, 30 kon¬
fessionslos und bloß 22 israelitisch erzogen
wurden. —
Es erübrigt mir nur noch zu bemerken,
daß die Ausweise des zentralstatistischen
Amtes über die Lebendgeburten beiden Juden
nicht ganz mit dem Begriff der israelitischen
Kultusgemeinde übereinstimmen, aus dem
Grunde, weil das zentralstatistische Amt die
Tot- und Lebendgeborenen zusammen an¬
gibt, was Differenzen inbetreff der zur Lebens¬
fähigkeit Entwickelten ergibt. Ich habe
aber aus den Matrikelbüchern der Kultus¬
gemeinde ersehen, daß deren Angaben ge¬
nauer sind, und habe darum diese zumeist
verwendet. Man muß überhaupt zugestehen,
daß die israelitische Kultusgemeinde in Wien
viel Wert darauf legt, daß die Statistik der
Juden genau und systematisch bearbeitet
werde. —
Tabelle XIV. Fruchtbarkeit von Mischehen
und in welcherReligion Kinder erzogen
wurde n.
Mischehen : xWann konfessionslos, Frau Jüdin.
X s
<~
JD
5
erzogen
^ Gemisch
christlich
100
105
53 25 27
Tabelle XV. Fruchtbarkeit von Mischehen
und in welcher Religion Kinder erzogen
wurden.
Mischehen: Mann Jude, Frau konfessionslos.
c
J3
erzogen
Anz,
Flu
5
Konfessi- ! israelitisch j christlich
onslos ; |
92
127
30 22 75
Zum Schluß will ich noch dem Vorstand
der Volkszählungs-Abteilung des zentral¬
statistischen Amtes, Herrn Regierungsrat
Dr. Hecke, dem Vorstand des statistischen
Amtes der Stadt Wien, Herrn iMagistrats-
Rat Dr. Jaraöck, und dem Sekretär der
israelitischen Kultusgemeinde in Wien Herrn
kais. Rat Dr. Lieben und den Beamten
des israelitischen Matrikel-Amtes für das
freundliche Entgegenkommen und die Bei¬
hilfe, die mir bei meiner Arbeit geleistet
wurden, meinen besten Dank sagen.
Berichtigung.
Auf pagina 175 des vorigen Jahrgangs über das i die jungen Juden einen leichteren Kampf ums
Heiratsalter der Juden in Amsterdam ist zu lesen : \ Dasein führen. Die Ursache für das späte Heiraten
Die jüdischen Männer heirateten früher als die j der jüdischen Mädchen ist uns nicht deutlich,
nichtjüdischen, während bei den Frauen gerade das j j $ & Z n.
Gegenteil der Fall ist. Dies würde uns sagen, daß 1
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