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krankten Mitglieder erhalten Wochengelder
bis zu einer Höhe von 9 M.; in Beuthen er¬
strecken sich die Leistungen auch auf
Wöchnerinnen. Auch Rekonvaleszenten-
Unterstützungen sind nicht selten ; besonders
scheint dies in den kleineren Orten Württem¬
bergs und Badens der Fall zu sein, wie in
Merchingen, Lichtenau, Sennfeld, Eichstädt.
Es gibt ferner besondere Frauen-Kranken-
kassen, die an einer späteren Stelle zu¬
sammen mit den Männer-Krankenkassen
behandelt werden sollen, weil hier der
Versicherungsgedanke ausschlaggebend ist,
nebenbei allerdings auch der Unterstützungs¬
gedanke seinen Ausdruck findet. Nur ganz
wenige Frauen-Vereine sind in Deutschland
vorhanden, die sich von der Krankenpflege
fern halten. Das ist insbesondere dort der
Fall, wo es spezielle Kranken-Vereine gibt,
wie in Königsberg und anderen größeren
Orten. Ein Beispiel für die Art, in welcher
in kleineren Orten die Krankenpflege von
Vereinen ausgeübt wird, finden wir in den
Statuten des Frauen-Vereins in Nakel.
Dort wird die Erkrankung eines Mitgliedes
der Vorsteherin angezeigt, die dann entweder
selbst die Kranke besucht, oder durch eine
ihr geeignet erscheinende Person, welche
Vereinsmitglied sein muß, besuchen läßt;
auf deren Bericht wird dann das Erforder¬
liche betreffs Unterstützung, Nachtwachen
etc. veranlaßt. Die Mitglieder sind ver¬
pflichtet, auf Anordnung des Vorstandes an
arme Kranke das Mittagessen zu liefern oder
einen Ersatz dafür an die Kasse zu zahlen.
Besonders instruktiv sind die Bestimmungen
des Straßburger Vereins, der zu den I
größeren Vereinen zählt, für die Leistungen ;
in Krankheitsfällen. Sie lauten : Im Krank¬
heitsfalle ist den Mitgliedern, soweit der be¬
handelnde Arzt dies für erforderlich hält,
die notwendige Wärterin zu bestellen,
welche die Tag- und Nachtwachen aus¬
zuüben hat. Die Tageswache dauert von
8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, die
Nachtwache beginnt von 8 Uhr abends und
dauert bis 8 Uhr morgens. Die Tages¬
wärterin hat Anspruch auf Beköstigung in
der Familie der Patientin. Die Kosten für
die Wärterin dürfen pro Mitglied und Jahr
die Ausgabe von 150 M. nicht übersteigen.
Vorbildlich in der Wöchneri n n e n -
pflege ist der Frauen- Verein der
Berliner Logen, der 1887 begründet
wurde. Seit 1902 widmet er sich ausschlie߬
lich der Wochenpflege. Seit dem 1. 1. 1910
besitzt er ein eigenes Wöchnerinnenheim,
das durch Hauspflege in der eigenen Häus¬
lichkeit der Patientin wirkungsvoll ergänzt
wird. Für letzteren Zweck werden 22 fest
angestellte Pflegerinnen beschäftigt. Am
1. 1. 1913 wurde ein Mütter- und Säuglings¬
heim eröffnet; es w r erden täglich frische
Milch, Naturalien, sowie Säuglingswäsche
und Verbandsstoffe geliefert. 944 arme Wöch¬
nerinnen wurden i. J. 1912 während des
Wochenbettes in ihrer eigenen Häuslichkeit
durch die angestellten Pflegerinnen verpflegt,
ihr Haushalt wurde von ihnen besorgt und
für Mann und Kind in ausreichender Weise
Sorge getragen. Im Wöchnerinnenheim
fanden 47 werdende Mütter Aufnahme, da¬
runter 13 uneheliche Mütter, die unter stän¬
diger Aufsicht des Arztes standen. In dem
neuen Heim werden die werdenden Mütter
4—6 Wochen vor der Niederkunft aufge¬
nommen und je nach ihrer bisherigen Be¬
rufsarbeit bis dahin beschäftigt. Zur Zeit
der Entbindung werden sie in das Wöchne¬
rinnenheim übergeführt, um nach Been¬
digung des Wochenbettes mit ihrem Säug¬
ling in das Mütterheim zurückzukehren. Hier
soll den Müttern noch ca. 4 Wochen Ruhe
und Pflege zuteil werden, um sie wieder
arbeitsfähig zu machen.
Eine weitere wesentliche Aufgäbe für die