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Deutschland gen Braunschweig und Frankfurt und
werden empfangen — mit Gelächter / werden ausge -
zischt und ausgespottet , wie ihre Vordermänner ; sie
kehren darauf heim und . legen sich ruhig schlafen im
Gefühle der erfüllten Pflicht , denn sie haben blind
gehorcht , sich aber haben sie gemacht zum Spotte ,
Hohn und Verachtung , in Ungarn nicht minder wie
in Deutschland . Doch Gegenstand des Hasses sind
sie in Ungarn wenigstens nicht geworden , da es Äll -
männiglich bekannt ist , daß keiner von den ganzen
Herrn weiß , was sie unterschrieben , daß sie es nicht
gelesen , weil sie nicht lesen können ; wie sollte
auch Reb . Salmen Bonyhärd ( Herr S . Moses ) in
Preßburg , der Stuhl Und Sessel für zwei heterogene
Dinge hält , wissen , was das Tendenz , Geist der
Sektirerei u . s . w . sei ? Ja , hätte der gute Herr ge¬
wußt , daß von einem Geiste die Rede sei , er hätte
das Papier nicht berührt , aus Furcht , es könnte
ein sw srn beschworen werden . Oder sollte etwa
der Rabbi M . Pereles aus Bonyhärd , der den Ge¬
brauch der Friktionszündhölzchen am nvr > verbietet , da
man nicht könne wissen was darin ' sei , liefere Ein¬
sicht in die Protokolle genommen haben . Der Rab¬
biner zu Neutra , der gegen das Benennen mit
deutschen Namen eifert und den Handschlag für ein
öibu ) erklärt , hätte den Ausspruch der braun -
schweiger Rabbinerversammlung über den Schwur
ebenso wenig anerkennen dürfen , als der zu St .
Nikolau , welcher in der Synagoge geschworen , er
würde abdanken , wenn man Neuerungen einführte ,
und späterhin als dieses doch geschah und er sein
Amt behielt , erklärte , er habe nur beim Holze des
irnpn yna , nicht geschworen . . Oder
hätte der Rabb . zu Waag - Neustadt behaupten dür¬
fen , was in Beziehung des Verhältnisses zum Staate
gesagt worden , habe er längst schon gelehrt , da er
doch weiß , wie einträglich für ihn das verbotene
Geschäft des Pfandleihens und die etwas mehr als
landesüblichen Zinsen sind * ) . Der Fleischbeschauer
* ) Dieser erleuchtete Herr , der sogar einen ganz un¬
schädlichen Lesezirkel anfeindet , weil er nicht das Haupt
desselben ist , hat auch hier seinen Wuchergeist nicht ver -
läuguet ; einige wenig von Juden bewohnten Orte in der
Nähe , wie Neudorf u . dgl . erfreuen sich der jeweiligen
rituellen Aufsicht der neustädter Dajanim und diese Sub¬
stituten des Hrn . A . mußten nun als Rabbiner dieser
Orte herhalten und unterschreiben .
in Wien E . Horowitz nennt sich Rabbiner der Re¬
gierung zum Trotz , und Rabb . Schmuel Freund in
Prag behauptet , daß nicht das kleinste Talmudgesetz
verletzt werden dürfte , und behält sein Amt , das er
theils durch Erschleichung , theils durch einen hochge¬
stellten Beamten , also nicht ganz diesem gemäß er¬
langt hat . Endlich begehen alle die Herren , unter
Oesterreichs Szepter ein Staatsverbrechen mir . der
Ausfertigung jenes Pamphlets , da sowol nach kais .
österr . als nach königl . ungar . Gesetze keine Bulle
oder Manifest eines Geistlichen , welcher Konfession
immer , erlassen werden darf , ohne daß der König
früher sein Placetum dazu gegeben , ja es einem
österr . Unterthan nicht erlaubt ist , ohne Zensur im
Auslande drucken zu lassen , und wenn ich nicht irre ,
hat das diesmalige lobenswerthe Verfahren dieser
Herren , nicht um polizeilche Hülfe zu rufen , darin
ihren Grund , daß sie fürchteten , die ersten von der
Polizei beim Schopf genommen zu werden , doch
können sie den Pferdefuß nicht verbergen , und wenn
sie schon nicht so aufschreien können wie das kra -
kauer Bethdin , so geben sie doch ihren Anhängern
einen geheimen Wink , indem sie ihnen zur Pflicht
machen , der Rabbinerversammlung auf jede gesetzlich
mögliche Weise entgegenzuarbeiten . Doch mögen
immer Leute wie der Pastor zu Pösing * ) belfern ,
sie thun ' es ja bei Errichtung der Schulen nicht min¬
der und erheben ja bei den unschädlichsten Verbesse¬
rungen des Gottesdienstes . ein Zetergeschrei ; diese
Holzwürmchen sehen in jeder Bewegung einen Sturm ,
der sie aus ihrem Loche herauswirft , und die Tho¬
ren glauben in ihrer Winzigkeit sich mit dem Hin¬
kratzen ihres Namens dem widersetzen zu können .
Schattmannsdorf , 15 . Mai . ( Privatmitth . )
Als geborner Ungar , gereist in den vorzüglichsten
Gegenden Ungarns und in Korrespondenz mit den
würdigsten Israeliten meines Vaterlandes stehend ,
muß ich , gegenüber den von ungarischen Rabbinen
auch mit Unterzeichneten Brief gegen die deutsche
Rabbinerversammlung zum Tröste ( ? ) dieser dar -
thun ; — wie obwol die ungarischen Juden im All¬
gemeinen an Bildung noch zu weit zurück sind , als
daß sie die höheren religiösen Bedürfnisse fühlen und
* ) Der ehrwürdige Herr ist so idyllisch , daß er
manchmal selbst seine Ziegen weidet .