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den ganzen Werth der jüdischen Wissenschaftlichkeit
erkennen sollten; — die meisten in Ungarn lebenden
ignoranten Rabbiner in doch so bedauernswerthem
Ansehen stehen, daß selbe fast allerseits mit Verspot¬
tungen, Schmähungen, Kränkungen und Verach¬
tungsbeweisen mannichfacher Art zu kämpfen haben.
Daß viele derselben durch gemeines, niedriges Be¬
nehmen, hierzu noch besonders Anlaß geben ist leider!
auch wahr. Von der Lebensweise der obskuranten,
jeder Würde baaren Rabbiner Ungarns könnte eine
bändereiche Otuonlgue-Leanüiileuse geschrieben - wer¬
den. — Und solche Menschen schreiben — doch was
sage ich — unterschreiben eine ihnen wirklich unver¬
ständliche Schrift gegen die Rabbinen Deutsch¬
lands. — Als im vorigen Jahre die ungarische
Rabbinerversammlung stattfand, war sie allen jü¬
dischen Zirkeln Gegenstand beständiger Unterhal¬
tung. Ungarn kennt seine Rabbiner für — *6
1 N^ — und als die bäkser Ver¬
sammlung zu Ende war, zirkulirte in Pesth ein sa-
tyrisches Bild die anwesenden ungarisch-polnischen
Rabbiner zu Bäks schrecklich karikirend. Der dahin
gezogene würdige Präses Schwab wurde dargestellt,
wie er mit einer Hand ein Ohr und mit der andern
sich die Nase zuhielt. Diesem Bilde lagen äußerst
sarkastisch abgefaßte 12 Beschlüsse bei, weichenden
Geist der Berathung kund gaben. Ich will hier nur
einige dieser Punkte veröffentlichen. Die ungarischen
Rabbiner haben den deutschen Lesern bereits genug
Aerger gemacht, mögen selbe diesen auch einmal
Stoff zum Lachen geben.
Der dritte Punkt lautet:
Zeigen die Rabbiner Ungarns, daß sie weit ent¬
fernt stabil zu sein, äuch die Zeittendenzen zu berück¬
sichtigen verstehen.und das Herkömmliche zu modifi-
ziren wissen. Sie erklären hiermit feierlichst, daß
der bisherige Gebrauch der rnnden rvto aufgehoben
sei — und dieselben von nun an viereckig zu machen
sind. —
Fünfter Punkt:
Das Schulklopfen ist nach neuesten jüdisch-reli¬
gionsphilosophischen Grundsätzen auf eine mehr dem
monotheistischen Prinzipe entsprechenden Form zu re-
duziren, daher nicht mehr drei — sondern bloß ein
Klopf gegeben werden soll.
Siebenter Punkt:
Die ungarische Rabbinerversammlung gestattet die
Ehe zwischen Juden und Christen; nur müssen diese
Christen Ungarn sein — und der Theil, der eine
solche Ehe eingehen will, darf nicht deutsch lesen
können. Zu wünschen wäre es, wenn jedesmal das
Weib einer solchen gemischten Ehe von einem be¬
wahrten. Unterländer Rabbiner ein Sterilitätszeugniß
hätte. — -
Papa, 15. Mai. (Privatmitth.) Ergänzend
meinen Bericht über die hier eingelaufenen rabbini»
scheu Gutachten'—berichte ich hiermit, daß bis heute
von folgenden Herren Rabbinen Briefe in Angelegen¬
heit der Kultusfragen angekommen sind:
Herren DDr. und Rabbinen: Manheimer, Phi-
lippson, Geiger, Maier, Stein, Fassel, Hamburger,
Naida,' Holdheim, Frankel, Schwab, Kahn, Ab.
Kohn, Heß, Zipfer, Herxheimer, Sam. Hirsch,
Aub, Herzfeld, Pillitz, Rapaport, S. R. Hirsch,
Skreinka. —
Die hiesigen Vorkämpfer im religiösen Fortschritte
gedenken nun,, diese nur in einigen Punkten von
einander abweichenden Briefe auf eine würdige Weise
in die Hände ihrer Gegner gelangen zu lassen —
um diese von der religiösen Zulässigkeit und Dring¬
lichkeit der Synagogenresormen zu überzeugen, und
sie dafür zu gewinnen. — *
Anzeiger.
Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/»Ngr. (igGr.)
Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren
Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen.
Die Verlagshanblung.
'Aufforderung.
Die hiesige israelitische Gemeinde beabsichtigt, zum
September d. I. einen Elementar- und Religionslehrer
zu engagiren, der zugleich die Funktion eines Kantors
auszuüben im Stande ist, und nicht verheirathet sein
darf. Die Stelle bringt bei freier Wohnung, Brod
und Licht ein jährliches Fixum von 250 Thalern ein.
Hierauf Reflektirende wollen sich an den Unterzeich¬
neten Vorstand wenden und denselben ihre Zeugnisse
einsenden.
Ruhrort, im Mai 1845.
Der Vorstand der jüdischen Gemeinde.