sind Emporkömmlinge; sehr viel e haben auch denAdel der Gesinnung
und- des Charakters, und das Bewußtsein erduldeter Noth hat ihnen.^
nicht, nur.die. Freude, vermehrt, sondern auch, dos Zartgefühl erhöht
.Wird das'-Heranwachsende,'reifende Geschlecht, die Stellung
behaupten/festen-und erweitern, die dir Indem inunseremVaterlände .
und, anderwärts in' diesem. .Jahrhundert sich durch ernste Arbeite
errungen haben? In unserer Litteratur, in unseren Gebeten ist das
8'elms O^aus, das Verdienst der Väter, von großem Belang. Golt>
sprach zu Isaak: ,;Jch werde mit dir sein und dich segnen, weil
Abraham auf meine Stimme gehört und mein Gebot erfüllt hat."
Also Gott verheißt dem Isaak Segen, nicht um des eigneil Beidienstes
willen, sondern um des Vaters willen, weil Abraham ein Mann
nach dem Herzen Gottes gewesen ist. Das Verdienst des Abraham
wird dem Isaak gelohnt. Das ist ein Gleichnis; für viele Verhältnisse
der Gegenwart. Die Söhne besitzen, was die Väter erworben haben,'
und nicht ohne Sorge fragen wir: werden die Sprossen, auf allen
Gebieten, in der Wissenschaft, im öffentlichen Leben, in Handel und
Wandel, wie Isaak auch nur die Stellung erhalten, die^sie von den
Ahnen übernommen haben. Es ist ja. schone ein .Niedergang, wenn .
das Erbe.der Väter, nicht gemehrt wird.
Wie viele Juden haben,, man möchte sagen, straks aus dem
Ghetto den Weg gefunden zur politischen Tribüne, lind glanzvolle
jüdische Namen werden auf immer mit der politischen Geschichte des
letzten halben Jahrhunderts verbunden sein; es hat vorläufig nicht'
den Anschein, als wenn aus dem jüngeren Nachwuchs an Talent und
Charakter gleich ausgezeichnete Männer einrücken werden. Ebenso
gab es eine große Schaar gelehrter Israeliten, die gleichsam unmittel¬
bar alls dem Cheder aufs Katheder kamen, die die Lehrstühle der
Wissenschaft mit Glanz und Würde einnahmen. Aus der Fülle
dieser jüdischen Talelite entstand dann die Angst jener Einfältigen, es
könnten so viele hervorragende Israeliten in allen Fächern der
Gelehrsamkeit sich zeigen, daß . .für andere Landesgenossen kein Platz
mehr, sein würde. Wir .tonnten-. und können uns die Mißgunst der
Beschränkten gefallen lassen, da wir des Beifalls der -Einsichtigen'
gewiß sind. Denn der Fall kann nicht eintreten, daß ein Land oder
eine Gemeinschaft Ueberfluß an gescheidten Menschen hat, deren giebt
es nie zu viel.
Wird der Nachwuchs den Posten behaupten? Es zeigt sich
zuweilen auch in der Jugend, welche sich den Studien zuwendet, ein
allzu starker. Hang, von dem Baum der Erkenutniß Früchte zu
schütteln^ welche den Gaumen erquicken, welche Nahrung spenden.
Die Väter, darbten, und waren Idealisten, die Kinder leben behaglich
und. sind furchtbar, prosaisch geworden lind lugen nach einem Amte
oder, auch nur nach einem Aemtchen mit ihrem ganzen Auge und
ihrer, ganzen Seele. - .
Und nun gar auf dem Gebiet des Erwerbs. Aus den Trödlern,
aus den.Krämern aus denHausirern silld Kaufherren gewordeil, die
Achtung und Vertrauen genießen. Denken wir nicht zu hoch, aber
denken wir auch llicht zu gering von den Gütern der Erde. Die
Ehre der jüdischen Gemeinschaft wird dadurch berührt, wird dadurch
geschädigt, wenn wir uns im geschäftlichen Verkehr aus der Stellung
herausdrängen lassen, . welche wir durch zähe Ausdauer, dulch
Nüchternheit, durch Sparsamkeit,, durch tueue und eifrige Arbeit
errungen haben. - Die Söhne stehen auf bem Boden, den die Väter
hergerichtet haben, aber man.-kann trotz alles Erbens- verderben,
wenn sich das Erwerben ilicht hin zugesellt. Gott spricht zu Isaak:
Ich werde es dir Wohlergehen lassen, weil Abraham, dein.Vater, ein
braver Mann gewesen ist. . So geht es in Israel heute Vielen.gut,
weil die Väter brave Leute gewesen sind.- . Aber trotz der frohen
Verkündigung konnte es für .Isaak gerade- kein erhebendes Gefühl
.. ' " ' • ‘^
sein, 'als. Gott ihm meldete; daß er das Glück jutr seinem Vater
verdanke; und so.ist es nicht behaglich, einfach nur der Sohnffeines.
.Vaters zu feinend sich gemächlich auf dem ^Platze zu lagerm den
die Vorfahren erobert haben. ?
^Es ist^ für das werdende Geschlecht keine ^geringe Ailfgdbe; 'dem
'/.gewordenen an Tüchtigkell zu gleichen. Aus der Enge der Armuth
und der. Unwissenheit haben sie sich zu der Freiheit des Wohlstandes,
uub des Wissens herausgearbeitet; sie gleichen dem Genesenden, der dk
Gesundheit um so heißer liebt, weil er unter- der Krankheit gelitten
hat, oder, um aus der Schrift das Gleichniß zu. schöpfen, sie gleichen
dem Abraham, der aus eigener Kraft emporgestiegen ist. Nie hat cs
ein Vater als eine Erniedrigung empfunden, wenn der Sohn tüchtiger
wurde als der Erzeuger; möge das Heranwachsende Geschlecht es-.als
seine hohe Aufgabe betrachten, die Eltern zu besiegen durch erhöhten
Eifer, daß es nicht wie Isaak nur Segen erfahre um -des Vaters
willen., sondern daß ihm aus der eigenen Kraft ein Baum- des
Lebens sprieße.
- ■ ■' . 1 ■
Die Wochen
Berlin, 2-1.' November.
ie Qualifikation der jüdischen Soldaten ist in der ab¬
gelaufenen Woche anläßlich der Vereidigung der Rekruten
in Berlin Gegenstand lebhafter Diskussion gewesen, die sich
dabei freilich nur auf die Reportermeldung über eine Kmserrede,
welche gar nicht in authentischem Wortlaut vorliegt, stützte. Wir
dürfen die Aeußerungen der politischen Blätter aller Richtungen als
bekannt voraussetzen. Unserer Meinung nach war die Rede eine
Mahnung an die Soldaten, ihrer Religion treu zu'bleiben, da nur
ein. wahrhaft gläubiger Mensch ein guter Soldat sein könne. Sie
richtete sich an die christlichen Soldaten, da die jüdischen, etwa neunzig
an der Zahl, inzwischen bereits in der Synagoge vereidigt und., zur
Treue für .Kaiser und Reich ermahnt worden waren.. . Daß die
Antisemiten aller Schattirungen auch diesen Anlaß nicht vorübergehen
ließen, ohne die Juden anzugreifen, ist selbstverständlich. Dagegen
bemerkt des „Berliner Tageblatt" mit Recht:.
„Gegen eine solche Darstellung spricht alle Erfahrung. Die Juden
wurden erstürm Jahre 1812 in Preußen militärpflichtig. Gleichwohl
traten in den Jahren 1813—1813 bereits 300 Juden, wie amtlich festgestellt
ist, als Freiwillige in das Heer ein, und Fürst Hardenberg schrieb 1815,
daß die jüdischen Einwohner überhaupt in Aufopferung jeder Art sich
den Christen anschlosscn. Eine Denkschrift des preußischen Kriegs¬
ministeriums, die 1847 dem vereinigten Landtage vorgelegt wurde,
kommt zu dem Resultat, „daß die jüdischen Soldaten im Kriege gleich
den übrigen Preußen sich bewährt" und im Frieden den übrigen Truppen
nicht nacügestanden haben. Und daß die-Soldaten jüdischer Konfession
in den neueren Kriegen, besonders aber im französischen Kriege 1870/71,
ihre Schuldigkeit genau so gethan haben, wie ein braaer Christ sie nur
thun kann, das hat Kaiser Wilhelm I. dadurch anerkannt, daß er zahlreiche
jüdische Angehörige des Heeres dekorirt hat. Insbesondere hat ein großer
Prozentsatz der jüdischen Soldaten (im Ganzen 327 Mann) das eiserne
Kreuz erhalten Und- wer .die Verhältnisse in der Armee kennt, der
weiß, daß viele Juden sich vor ihren Kameraden direkt heroorthun,
keinesfalls aber an Eifer und Geschicklichkeit sich von- denselben über¬
treffen lassen. ^
*
. Der häusliche Krieg zwischen Konservativen und Anti-
s.em'iten nimmt immer weitere Dimensionen au. Die Kon¬
servativen gehen gegen die Antisemiten sehr scharf vor. Selbst
„einen, leibhaften Indens würden diese , eher wählen, sagte jungst