2
tud)e bedeckt. Zur Erklärung dieser Thatsache diene Folgendes: Leichen
verstorbener Israeliten werden von der Beerdigungsgesellschaft aus der
Leichentammer des Krankenhauses abgeholt, nach dem Friedhose geschafft
und dort in der Leichenhalle gewaschen. Leichen verstorbener Nicht- j
Israeliten verbleiben in der Leichenkammer, bis die Angehörigen über !
die Art der Beerdigung verfügen, und die Leichen werden alsdann in !
der Leichenkammer gereinigt. In diesem Falle hat nun, nach Angabe 1
des Inspektors, keine vorgängige Mittheilung an die Hausverwaltung '
stattgefunden, so daß der Inspektor nicht einmal über die Zeit der j
Beerdigung unterrichtet war. Es bedarf keines weiteren erklärenden i
Wortes, daß die betreffende Leiche von dem Hauspersonal, wie es sich !
gehört, gewaschen und eingesargt wurde.
* Berlin, 21. August. In einer auf gestern Abend vom anti¬
semitischen Noltsverein einbernfenen öffentlichen Versammlung
sprach der Neichstagsabgeordnete Pickenbach iit der üblichen verhetzenden
Weise. Die Versammlung nahm einen lebhaften Verlauf. Viele Sozial¬
demokraten waren anwesend. Zum Schluß ging fozialdemokratischerseits
eine ironische Resolution ein. die der Vorsitzende zur Verlesung und'
Abstimmung brachte. Sie lautete: ..Die heute bei Hensel tagende
öffentliche Volksversammlung erklärt, mit allen Kräften dahin wirken zu
wollen, daß die Schündlichkeiten des Antisemitismus in immer weiteren
Kreisen bekannt werden. Sie erblickt darin eine Schmach des gesummten
Vaterlandes, daß es überhaupt Deutsche giebt, die dieser aller Kultur
spottenden Agitation Gehör schenken." Natürlich wurde dieselbe gegen
die Stimmeil der Sozialdemokraten abgelehnt.
O Leipzig, 22. August. Die hiesige Gemeinde veröffentlicht soeben j
ihren Verwnltungsbericht über das Jahr 1889. Wir ent- ;
nehmen demselben, daß die Gemeinde 1175 steuerpflichtige Mitglieder
mit) ein Ehrenmitglied zählt (Prediger Dr. Iellinek in Wien). Zwei
Ehrelimitglieder, die Rabbiner Tr. A. Goldschmidt und Dr. Ludwig
Philippson. sind verstorben. Alls Anregung des Rabbiners Dr. Porges
ist ein Jugendgottesdienst eingerichtet worden, welcher alle vierzehn
Tage am Sabbath Nachmittag stattfindet und zahlreich besucht wird.
Religionsunterricht wurde an 878 Kinder, nämlich 197 Knaben und
181 Mädchen unentgeltlich ertheilt. In wahrhaft großartiger Weise
ist das Wohlthätigkeitswesen der Gemeinde entwickelt. Allein unter
Verwaltung des Gemeindevorstandes stehen 22 Vereine und Stiftullgen
für alle Zweige der Armenpflege mit einem Kapital von ungefähr
270,000 Mark, die Ausgaben der Armenkasse betrugen 10,344 Mark.
Außerdem finden wir 8 Vereine, unter denen der „Frauenverein" allein
wieder sieben Stiftungen verwaltet. Neben ihm sind besonders die N a ch o d -
Stiftung mit einem Kapital von 121,000 Mark, die Mendels¬
sohn-Stiftung und die Deutsch-Israelitische Darlehns¬
kasse für Frauen und Jungfrauen wegen oes Umfangs ihre Thätigkeit
und ihren edlen Zwecken besonders hervorzuheben. Der Etat der Ge¬
meinde bezifferte sich auf 48,073 Mark. Den Vorstand bilden die
Herren Alexander Werthaller, Saul Finkelstein, Dr. Max Bielefeld,
Bernhard Breslauer und David Salomon Magnus.
□ Würzburg, 10. August. An einem Schlaganfall verschied gestern ;
plötzlich der Schuldirigent Ludwig Stern, ein um die Sache der !
bayerischen Lehrerschaft äußerst verdienter Gelehrter. Neben seinem !
Wirken als Vorsitzender des Lehrervereins der drei fränkischen Kreise :
hat Stern sich als pädagogischer Schriftsteller und als Mitarbeiter !
orthodox jüdischer Zeitschriften einen Namen gemacht. Von der Be- !
schcidenheik dieses Gelehrten legt eine letztwillige Verfügung desselben :
klares Zeugniß ab, durch welche er bittet, jeden öffentlichen Nachruf
über ihn zu unterlassen.
Oesterreich - Ungarn. j
* Wien, 10. August. Die Antisemiten in unserem Ge- j
meinderathe zeigen jetzt ihre wahre Gesinnung und Gesittung, j
Letzthin machten sie in der Sitzung wiederum einen solchen Skandal, !
daß der Bürgermeister ihnen erregt erklärte, in. solcher Weise könne die !
städtische Verwaltung unmöglich weitergeführt werden. Diese Aeußerung
des Bürgermeisters ist um so beachtenswerther, als gegenwärtig Be-
rathungen über das neue Gemeindestatut stattfinden und das Verhalten
der Antisemiten auf die Bestimmungen des Statuts nicht ohne Einfluß
bleiben dürste. Die antisemitischen Gemeinderäthe verließen nach Er¬
klärung des Bürgermeisters demonstrativ und in corpore den Sitzungs¬
saal und machten hierdurch die Abhaltung einer vertraulichen Sitzung,
welche auf die öffentliche folgen sollte, unmöglich. Die Antisemiten
hatten in der Sitzung unter Anderem den Dr. Coen, welcher sich erboten
hatte, einen unentgeltlichen Kurs zur Heilung armer stotternder Kinder
zu eröffnen, zum Danke für dieses menschenfreundliche Anerbieten gröb¬
lich beschimpft, blos weil Coen ein Jude ist. — In der Sitzung der
Zuständigkeits-Kommission wurden die Gesuche mehrerer Israeliten,
welche um die Verleihung der Gemeindezuständigkeit eingeschritten sind,
abweislich erledigt. Die Gesuche gelangen nun an die Zweite Sektion
des Gemeinderathes, welche darüber zu entscheiden hat, ob die Bewerber
die Zuständigkeit erhalten. Bemerkenswerth ist die Thatsache, daß sich
unter den Petenten ein Geschäftsmann befindet, der im neunten Bezirke
ein Hans im Werthe von 200,000 fl. besitzt. Die Haltung der Anti¬
semiteil stimmt ganz mit den gesetzwidrigen Forderungen überein, welche
in zahlreichen antisemitischen Versammlungen bezüglich der Einbürgerung
jüdischer Steuerträger erhoben wurden. Die Forderungen gewisser Hetz¬
apostel können und dürfen aber nicht für die Wiener Gemeindeverwaltung
maßgebend sein. Hoffentlich wird sich dessen die zweite Sektion des
Gemeinderathes erinnern.
* Wien, 25. August, lieber ein antisemitisches Fiasko be¬
richtet die „N. Fr. Pr.": Vor etwa einem Vierteljahre wurde die Wiener
Gemeinde-Zeitung, ein klerikales Journal, das schon seit 28 Jahren
erschien, in ein antisemitisches Blatt umgewandelt, das unter dem Titel
Wiener Tagespost das Organ der christlich-sozialen Antisemiten bilden
und deren Tendenzen im Gegensätze zu jenen der deutsch-nationalen
Antisemiten vertreten sollte. Herausgeber dieses Blattes war der süd
slavische Publizist Herr Spiridion Gopcsevics. Offenbar konnte sich
dieses Blatt aus eigenen Mitteln nicht erhallen, denn am 7. d. gab
Herr Gopcsevics durch einen Aufruf der „christlichen Bevölkerung" be¬
kannt, daß sich ein Konsortium gebildet habe, welches die Tagespost zu
einem „großen christlichen Blatte" umgestalten wolle und zu diesem
Zwecke 38000 Gulden als die Hälfte des erforderlichen Kapitals unter
der Bedingung gezeichnet habe, daß die andere Hälfte durch Zeichnungen
im Publikum aufgebracht werde. Herr Gopcsevics hatte deshalb die
christlich-sozialen Antisemiten sehr eindringlich aufgefordert, Antheils
scheine für das „große christliche Blatt" zu zeichnen, und sich bemüht,
das Publikum vou der Nothwendigkeit eines solchen Organs zu über¬
zeugen. Seine Bemühungen sind aber von eitlem wahrhaft kläglichen
Mißerfolge begleitet gewesen, und heute muß er in seinem Blatte ein
gestehen, daß die antisemitischen Parteigenossen, an deren Opferwilligkeil
er appellirte, ihn vollständig im Stiche gelassen haben. In der Form
einer Zuschrift des betreffenden Konsortiums theilt er mit, das sich im
Ganzen nur „vier Christen gefunden haben, welche sich bereit erklärten,
zusammen 220 Gulden zu zeichnen". Das sei mehr als beschämend, es
sei empörend. Voll Wuth wird in der Zuschrift gegen die „großmäuligen
Führer, die Antisemiten aller Schattirungen" losgezogen und zugleich
dem deutsch-nationalen Antisemiten-Organe der Untergang prophezeit.
Zum Schlüsse der Zuschrift läßt sich Herr Gopcsevics von dem Kon¬
sortium schreiben: „Sie haben Ihre Perlen vor die Säue geworfen und
nur Undank geerntet. Von der Dummheit konnten Sie freilich auch
nichts Anderes erwarten." Man muß gestehen, der Mann, der dies
geschrieben hat, kennt seine Gesinnungsgenossen genau. Herr Spiridion
Gopcsevis selbst erklärt, er halte es für ganz zwecklos, seine Kräfte einer
so undankbaren Sache zu weihen, und ziehe sich von der „Wiener
Tagespost" zurück, die als antisemitisches Organ zu erscheinen aufhörd
Italien.
£2 Nom, 20. August. Der Dichter David Levi, der Verfasser
des Dramas „Der Prophet" sowie anderer Stücke religiösen Charaktere
hat soeben ein Trauerspiel „GiordanoBruno" vollendet.— In Ferrara
hat sich ein Komitee jüngerer Glaubensgenossen zur Abwehr des Anti¬
semitismus zusammengethan. Den bisherigen Sitzungen, welche sich leb¬
haften Besuches erfreuten, hat eine Anzahl katholischer Notablen bei¬
gewohnt. — Der Vicerabbiner von Ferrara, Finzi, ist gestorben.
Derselbe hat sich besonders als Lehrer ausgezeichnet. — Der König hat
den Chefredakteur der „Gazetta di Venezia", Herrn Gustav May'
rargues, zum Ritter der italienischen Krone ernannt. Die Verdienste
dieses Glaubensgenossen als des Sekretärs des Organisationskomitee^
für den internationalen litterarischen Kongreß, der kürzlich in Venedig
stattfand, haben damit ihre Anerkennung gefunden. — In Spezzia
(Genua) ist Herr As coli gestorben. Derselbe hat eine halbe Million
Lires für Wohlthütigkeitszwecke hinterlassen.
frag
Korre
Bersch
haben
manch
englis
haben
der G
war
größtt
Man
Bestin
das £
weder
int) a
Seit )
ügun
Bersch
iese \
Boden
: il dei
8cit C
nrovis
hnfor
hn R
Folgen
'aewuv
-ussiscl
f nb d
ctand
r.rgrö
Börsei
. 1)011
■ Betze.
Borsch
uugstl
welche:
rehörd
Minis
kreise i
lach
Vision
wordei
Berech
Sie P
Be wl
nächste
wendu
wuter
■-et)enb
den,
Dlbatc
Mahal
l- r gel
Beschr,
'-llmäli
wolle,
ganz i
Huden
l!Ud ii
gehen i
Uldrän
Beich
Milde
Mast l
Millio
Aber i
Verb re i
zu ma