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gedeckt, Füßchen mit Wein und Meth herbeigeschafft und
SchüWn mit Speisen., aufgetragen. Die Offiziere gerieten in
'ausgelassene Laune. Die Becher machten schnell die Runde'
und der Oberst bekam seinen lustigen Humor.
„Berko," rief er zu den sich tummelnden Josielowicz, „ich
bim mit Dir zufrieden. ' Du'hast Dich ausgezeichnet."
- „Ich , gebe mir Mühe, Herr Oberst, und soll ich die Rechnung
beim Stabe einreichen?"
. „Die Rechnung! Du wagst mir mit einer Rechnung zu
kommen?" '
,;Jch weiß nicht, Herr Oberst. Mir ist es egal, wer zahlt,
wenn — —"
„So schweige! Warte! Du wirst,mir nun zwei Faß
Wein nach der Kaserne schicken . . . Marsch! Geschieht Dir
Unrecht?"
' „Herr Oberst!"
„Du wirst vier schicken!"
Die Offiziere nahmen die Entscheidung von Gringers mit
einem herzlichen Lachen auf.
„Ausgezeichnet! Famos!" wurde in der Runde gerufen
„Mit. einem solchen kann man nicht anders zu Werke
gehen," bemerkte Rittmeister von Stieglitz. „Unser Oberst ist
sogar noch zu rücksichtsvoll."
„Meine Herren! Wenn nicht dieses Zirkular des Erz¬
herzogs Ferdinand wäre, wüßte ich mit ihm gleich fertig zu
werden."
„In der Tat," fing Kapitän Braun überzeugt an. „Der
verdient es! Man kann sich ob dieser Nachsicht nur wundern.
Ich begreife es sehr gut, daß sie bezweckt, die Bevölkerung für
die Armee zu gewinnen ... aber .....
„Warte, Kapitän!" unterbrach der Oberst überzeugt, „das
wird schon vorübergehen! Noch ein paar Wochen . . Napoleon
wird einen Denkzettel, bekommen und vor allem dieses einzige
Fürstentum, das uns auch die Zähne zu zeigen beginnt."
„Möge dies wie am ehesten geschehen!" fügte der Rittmeister
von Stieglitz hinzu. Unser Geld würde sich vielleicht bessern
— und heute hält es wahrlich schwer, sich mit den Assignaten Rat
zu schassen! Die hiesigen Juden wollen sie nicht annehmen!"
. „Nicht? Nicht möglich!" .
„So ist es, Herr Oberst — höchstens um den fünften Teil
des Nominalwertes."
„Entschuldigen Sie, Rittmeister, ich glaube nicht."
„Aber, Herr Oberst, heute . . ."
„Ich werde Sie überzeugen ! Erlauben Sie . . . He, Josie¬
lowicz!"
Berko erschien vor dem Obersten.
„Höre nur!" ergriff von Gringer das Wort. „Vielleicht
möchtest Du uns eine Assignate wechseln. Du wirst mir
200 Dukaten geben!"
„Zweihundert Dukaten-?"
„Nun, verstelle Dich nicht! Ich will wechseln. Nun, vor¬
wärts,' beeile Dich, daß Du es nicht bedauerst."
Berko stieg der Gedanke auf, von Gringer wolle für die
Bewirtung bezahlen. Er eilte also hastig nach dem Alkoven
und legte bald darauf die verlangte Summe auf den Tisch.
Der Oberst musterte phlegmatisch das Gold, zählte es,
steckte, es in die Tasche und übergab Josielowicz eine gleiche
Anzahl Papierassignaten.
Berkos Hände begannen zu zittern.
• „Herr Oberst. Heute stehen Dukaten — viermal so hoch."
„Aber nicht für mich!"
„Ich kann nicht . . . ich bin arm, ich Hab' nicht!"
„Hast Du- zweihundert Dukaten bekommen?"
„In Assignaten!" .. . ... .
. „Die Sache rst erledigt. Weg aus meinen Augen, denn
sich lasse Dich, anßpeitschen." . ,
Josielowicz stand unbeweglich.
„Herr Oberst," . sagte er, düster, „ich werde Gerechtigkeit
findep . . . ich werde eine Klage nach Wien schicken..." • . •
Von Gringer runzelte die Stirn: V
„Höre, Du naseweiser Mensch ! Mir willst Du drohen ?
Willst Du, daß ich Dir . diese. Hütte in Flammen ausgehen
lasse? Du spielst die Unschuld?- Und sage, was macht Dein
Sohn? Was? Noch ein Wort und Du wirst baumeln!" -
„Recht so, ganz richtig!" pflichteten die Offiziere bei.
Berko zog sich zum Fenster zurück und verfiel dort in eine
Erstarrung. Erst jetzt verstand er diese Drohungen, diese
halben Worte, die er seit einiger Zeit vernahm. ,Das war die
Strafe für seinen Sohn. , (Fortsetzung folgt.-)
SprechlMl.
Berlin, 19. November 1905.
Hochgeehrter Herr Redakteur!
meinem lebhaften Bedauern hat sich iy meinem Repräsentanten-
bericht, auf dessen Genauigkeit ich stets eifrig bedacht bin, ein
Fehler eingeschlichen, den unsere aufmerksamen Leser wohl schon selbst
aus den gottesdienstlichen Mitteilungen der hiesigen jüdischen
Gemeinde haben seststellen können. Es ist nämlich nicht Herr
Rabbiner Dr. Kael.t er-Potsdam zur Gastpredigt ausgefordert
worden, sondern vielmehr Herr Rabbiner Dr. Hannes aus
Konstanz Der Irrtum ist dadurch entstanden, daß Ihr Referent
für die Repräsentantenberichte nicht den Namen des eingeladenen
Rabbiners verstand, dagegen ganz deutlich den Namen der Stadt
Potsdam anstatt Konstanz zu hören glaubte und nun aus seiner
Kenntnis heraus den Flamen des Herrn Dr. Kaelter, der ja der ein¬
zige Vertreter des Rabbinats in Potsdam ist, der aber sich gar
nicht gemeldet hat, hinzufügte.
Ich benutze diese Gelegenheit, um auch von dieser Stelle aus an
den verehrlichen Herrn Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung,
der sich stets in dankenswerter Weise den Wünschen der Presse will¬
fährig zeigte, die dringende Bitte zu richten, auch bei den geschäft¬
lichen Mitteilungen der überaus schlechten Akustik des Sitzungssaales
eingedenk zu sein und mit deutlicher Stimme den Wortlaut der
geschäftlichen Eingänge bekannt zu gebeu. Danu werden derartige
Jrrtümer, die recht wohl zu sehr unangenehmen Konflikten für die
Betroffenen führen können, in Zukunft keine Veranlassung zu
einer Berichtigung geben.
In vorzüglicher Hochachtung
P. S.
<V>
Sehr geehrter Herr Redakteur!
^ht dem interessanten Aufsätze „Memoiren aus Alt-Berlin", heißt
es, daß Hans Devrient die „Jugenderinnernngen" seiner Mutter
herausgegeben habe. Hans Devrient, Gymnasiallehrer in Weimar
schreibt mir aber, daß er der Sohn von Otto Devrient sei und
dieser war der Sohn von Therese Devrient; also ist der Herausgeber
der „Iugenderinnerungen" der Enkel von Therese D. Bei dieser
Gelegenheit möchte ich noch das Folgende erwähnen: Im Hause
Eduard Devrients lebte auch noch die- Schwester von Therese
Devrient, Lore; sie.war in der letzten Zeit leidend und ist in Karls¬
ruhe gestorben. Dort wußte mau, daß Therese.D. Jüdin gewesen.
Es wäre von Interesse zu erfahren, ob Lore Schlesinger in Karls¬
ruhe als Jüdin gestorben ist.
Hochachtungsvoll
Worms. - - S. Rothschild.
Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.
Verantwortlich für die Redaktion: Max Banchwih in Berlin.