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Manipulationen beim Schnapsbrennen und beim Tabakbau die
Finanzwachleute auf ihn Hetzen, ja ihn sogar ganz zugrunde
richten.
Gott möge ihn vor so etwas bewahren. Dieser Gutlohn
hat ihn ja auch nicht materiell geschädigt. Warum sollte er
ihm so gehässig sein? Nein, er würde ihm aus eine Art weh
tun, daß er es nachhaltig und schmerzlich suhlen soll, ohne
jedoch irgendwelchen Schaden zu erleiden.
Der Zorn macht erfinderisch. Littauer glaubte endlich
etwas erdacht zu haben, was am besten dazu geeignet war,
David Gutlohn zu kränken. Was ihm weh tun sollte, ohne
ihn zu verwunden. Hat er ihn wegen seines Glaubensabfalls
beleidigt, so wird er ihm gegenüber von der Waffe des Ab¬
trünnigen Gebrauch machen.
Und er begab sich in die bischöfliche Residenz und meldete
seinem wohlwollenden Domherrn, daß er die Absicht habe, zum
größeren Ruhme Gottes in seiner Gemeinde ein schönes Stein-
krenz auszustellen. Er bitte um diesbezügliche Genehmigung,
ferner um einige Zeiten an den Ortsrichter, worin diesem mit¬
geteilt werde, daß er, Littauer, berechtigt sei, den Platz fürs
Kreuz selbst zu bezeichnen.
Der Domherr war natürlich hocherfreut darüber, daß die
christliche Religion in diesem braven Manne so rasch Wurzel
gefaßt hatte, und bewilligte alles. Ter Richter nahm den Brief
des Domherrn hochachtungsvoll entgegen und wußte bei der
Repräsentanz den Willen Littauers durchzusetzen. Dort hatte
man bald dessen Absicht begriffen, und das machte ihnen
großen Spaß: dieser Littauer ist doch ein verteufelter Kerl.
Tann kamen Tagelöhner und gruben vor dem Hause Gut¬
lohns das Erdreich auf. Maurer bauten einen breiten Sockel,
und darauf wurde ein herrliches Steinkreuz errichtet.
Die Juden stoben erschrocken auseinander. Nur von weitem
beobachteten sie das emsige Treiben der Handwerker. Sie ahn¬
ten, daß das kein gutes Ende nehmen werde. (Forts folgt.)
Lelekrüchte.
Zu einem neu erschienenen Werke: Schriften des Vereins für die
Geschichte Berlins (Heft 48 und 49. Vom Berliner Hofe zur Zeit
Friedrich Wilhelms I. Berichte des Braunschweiger Gesandten in
Berlin 1728—1733. -Herausgegeben und erläutert von Tr. Richard
Wolfs, Assistent am königlichen Geheimen Staatsarchiv, Berlin 1914.
Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins. In Vertrieb bei
Ernst Siegfried Mittler u. Sohn, königliche Hofbuchhandlung, Koch-
straß-e 08/71) finden sich auch ein paar Notizen über Juden. Man
weiß, daß die Stellung der Juden unter Friedrich Wilhelm 1. eine
sehr bedrückte gewesen ist, und daß es auch an willkürlichen Hand¬
lungen des jähzornigen Monarchen, der in seiner Erregung auch
die Höchstgestellten nicht schonte, gegen einzelne Inden nicht gefehlt
hat. Doch von den gesetzlichen Bestimmungen und den neuen Lasten,
die während des in dem neuen Buche behandelten Zeitraumes den
Juden auserlegt wurden, weiß der braunschweigische Gesandte
nichts zu berichten. Dagegen meldet er von zwei kleinen Szenen,
die, da sie des allgemeinen Interesses nicht entbehren, hier mit-
geteilt werden sollen: Am 9. Juni 1731 teilt er seinem Hofe fol¬
gendes mit: „Ter zu Lnstig-Macherh angenommene Geheimbte Rath
Faßmann hat sich entfernet, weiln er kein Bouffon de la Cour
sehn will, und sagt man: er sey nach Engelland übergangen. Er
hat letzt zu Potsdam mit einem Inden, Rahmens Marcus, welcher
sich zu solchen Consiliis bey Hofe Mannigsmahl mitgebrauchen
lüsset, eine Temelee gehabt und von selben unversehens eine derbe
Maulschelle annehmen müssen, wie der Jude vermuthlich dazu von
höherer Hand angereizet sein wird, worauf jener diesen zu Boden
gcworffen mit Füßen getreten und ihm dergestalt die Haare gerissen
und die Gurgel zugehalten, daß er bald crepiret wäre, wann er nicht
von den umstehenden Lfficieren errettet worden. Faßtnann habe
darauf zum Könige gesagt: er hätte sich einmahl ausbedungen, sich
von Niemanden, er möchte auch so vornehm sehn, wie er wolle,
vexieren lassen zu wollen, vielweniger müßte sich so ein infamer
Jude dergleichen unterstehen, und ist also drausgeschieden und nicht
wieder kommen."
Der in dem eben abgedruckten Berichte erwähnte Faßmann war
ein bekannter Schriftsteller und Gelehrter, der sich nicht immer gut¬
willig zu den am Hofe beliebten Gelehrtennarreteien brauchen ließ.
Wer der gleichfalls angeführte Marcus ist, läßt sich — da nähere
Angaben fehlen — nicht genau feststellen.
Eine zweite Notiz findet sich in der Beschreibung einer fürstlichen
Hochzeit vom 27. November 1731. Es handelt sich hier darum, daß
Hosbeamte, Kaufleute nsw., die sich eingefunden hatten, „bei
A u s w artung er n e r I n d c nband c" tanzten, und daß sie
„unter aufgetönten Rc^lda der Hebräerzunft" dem König ein
Vivat darbringen. Gemeint ist hier offenbar eine jüdische Musik-
bande, von der aber nichts weiter gemeldet wird. L. G.
Mcheremlsuk.
Bewrcchirng der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in
teiucnt Falle statt.
Unsere Feinde, tute sie einander lieben. Kritische Aenßerungen be¬
rühmter Franzosen, Engländer, Russen, Belgier, Japaner über ihre
Verbündeten. Herausgegeben von Dr. Werner Klette. Mit 75
Karikaturen. Erschienen zu Weihnachten des Kriegsjahres 1914 im
Telphinverlag, München.
Festschrift zum 50 jährigen Bestehen der Israelitischen Lehrer¬
bildungsanstalt zu Würzburg. 1864 bis 1914.
Jubiläuursausgabe des Rechenschaftsberichts der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg für das fünfzigste Jahr ihres Be¬
stehens 1913/14 von Nathan Bamberger, Distriktsrabbiner
und Vorstand der Anstalt. Würzburg, November 1914.
Judenfeindschaft oder Gotteslästerung? Ein gerichtliches Gutachten
von v. Rudolf Kittel, Professor in Leipzig. Mit einem Schlu߬
wort: Die Juden und der gegenwärtige Krieg. Leipzig. Verlag von
Otto Wigand, 1914.
Il Campo Verano. Dalla Nuova Antologia. Von Ermauno
Loevinsou. Roma, Nuova Antologia. Piazza di Spagna (S. Se-
bastiano 3.) 1914.
1914. Der Deutsche Krieg im Deutschen Gedicht I. „Ausbruch und
Aufgang." Ausgewählt von Julius Bab. Verlag Morawe u. Scheffelt,
Berlin.
1914. Der Deutsche Krieg im Deutschen Gedicht II. „Zwischen
den Schlachten." Ausgewählt von Julius Bäb. Verlag von Morawe
u. Scheffelt, Berlin.
The Session of the German Reichstag on August the fourth
1914.
Sind wir Juden oder Israeliten? Von Rabbiner Tr. Armin
Abeles. Separatabdruck aus: „Freie jüdische Lehrerstimme", dritter
Jahrgang Nr. 3. Wien 1914. Im Selbstverläge des Verfassers.
Vaterländische Reden in großer Zeit, gehalten von Dr. C. Selig-
numn, Rabbiner in Frankfurt n. M. Der Reinertrag ist für die
Kriegsfürsorge in Frankfurt a. M. bestimmt. Preis 50 Pfennig.
Truck von Voigt u. Gleiber, Frankfurt a. Nt. 1914.
A. D. Colonna, Israele Piccolo Romanzo Moderno. Libreria
Editrice Milanese, Milano 1915.
In schwerer Zeit. Zwei Pved.ig.ten über den Krieg von Dr.
M. Rosemnanu, Rabbiner und Prediger der israelitischen Kultus-
gemeinde in Wien. Wien 1914. Alfred Holder, kaiserlich und
königlicher Hof- und Universitätsbuchhändler, I., Rotenturmstr. 25.
Das Reinerträgnis fließt den Zwecken der Kriegsfürsorge zu.
Kriegsbüchlein für das deutsche Haus. I. Heß, Verlag, Stutt¬
gart. Herausgegeben von Dr. Georg Baum, Berlin.
Feldpostbriefe 1870/71 von George Fontane, Preis 1 Mark.
Berlin. F. Fontane u. Co.
Die Profelhten der Stadt Zürich. Ein Beitrag zur Geschichte
und Psychologie des Ueberläusers. Jnaugural-Dissertation zur
Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät I der Uni¬
versität Zürich, vorgelegt von Salomon Steinberg (aus Niederhall¬
will, Kt. Aargau). Von der philosophischen Fakultät I angenommen
auf Antrag des Herrn Professor Tr. Gerold Meyer von Knonau.
1914, Truck von A. Schaufelberger, Zürich 2.
Jakob Saloweicziks Jugend. Roman aus dem russisch-jüdischen
Volksleben von I. Rabbinowicz. Dresden und Leipzig, E. Piersons
Verlag.