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schast dieselbe zugelassen 3 ), und er selbst zwei solche gemischte
Ehen aus jener Zeit kenne, in denm beide Theile sich fort¬
während sehr glücklich gefühlt. Man antwortete ihm, der
Grund tage in der Furcht vor der Apostasie des christlichen
Theils und der Kinder, ferner, daß zwar bis in das sechste
Jahrhundert die Ehe zwischen Christen und Judm erlaubt
und in der Geschichte nahmhaste Beispiele vorlägen, wie selbst
fürstliche Häupter mit einer Jüdin vermahlt geweftn, daß
aber späterhin das Verbot solcher Ehen von der katholischen
Kirche - als ein wirkliches Impediment sanctionirt worden sei,
von dem niemals dispmsirt worden.
Endlich gelangte man zu dem Artikel über die Erwerbung
von Grundeigenthum, dem SOsten. Die Debatte war
sehr lebhaft, die Angriffe waren sehr hart, die Vertheidigung
sehr unbedeutend. Man brachte für die Zulassung der Judm
zum Grundeigenthum nur dm Vortheil zur Sprache, daß
die Grundstücke durch die Concurrmz der jüdischm Capitalim
an Werth sehr gewinnm würden, nur oberflächlich wurde
der dadurch bewirktm Hinneigung der 'Judm zum Ackerbau
gedacht, ein Mitglied führte die landtäglichm Bescheide der
prmßischm Provinzen darüber an, aus dmm resultirte, daß
nur im Paderbornschen der Erwerb von Gmndeigmthum durch
Juden einige Gefahr bewirkt habe, die aber mehr durch die
dortige Verarmung der Bauem bewirkt wordm. Man glaubte
vielmehr, daß durch Erwerb von Gmndeigmthum die Judm
zu großen Einfluß im Lande erhieltm, daß sie die Höfe kau¬
fen und an christliche Pachter verpachten würden. Genug,
man änderte dm Art. 50. dahin um:
»Die Judm sollm nur Häuser und Gärten in dm
Städten mit Landdrostcilicher Genehmigung erwerbm
können«:
wonach der-Art. 51. von selbst wegfallen mußte. 4 ) Wir
wollen nur noch hervorhebm, daß ein Mitglied die Bemer¬
kung machte, er müsse zur Berücksichtigung vorstellm, daß
viele reiche Judm dm besten Gebrauch von «ihrem Gelde
machtm und häufig sehr wohlthätig wärm, wie ihm denn
ein Beispiel vorschwebe,> wo ein Mann jüdischen Glaubens-
der, nachdem er gmöthigt worden, seinm Gmndbesitz auf¬
zugeben und damit seinm Wohnort zu ändern, von Allm
sehr zurückgewünscht worden fei. ■ s
Nachdem nun noch verschiedene unwichtige Aenderungen
in Betreff der den Nothhandel behandelnden Artikel ange¬
nommen, auch der refervirte Art. 8. nunmehr mit 22 gegm 20
Stimmen genehmigt worden war, wurde das ganze
3) Wie noch jetzt in Frankreich, Holland rc., auch im Gro߬
herzogthum Weimar. d. R.
4) Man wird es müde, Anmerkungen zu dergleichen zu
machen! d. R.
Gesetz mit eminenter Majorität unter Dissens
von 5 Stimmen genehmigt.
(Fortsetzung folgt.)
Miszellen.
Nach dem vor Kurzem in Londy-n erschimmen Werke
über Egypten von E. W. La ne *) ist höchstens die Be¬
völkerung -von Egyptm gegmwärtig 2 Millionm Seelm (das
Viertel von dem, was das Land tragm könnte), worunter
5000 Juden. (1,750,000 ägyptische Araber, 150,000 Koptm,
10,000 Türkm, 5000 Syrer, 5000 Griechm, 2000 Arme¬
nier, und gemischter Rest 70,000.)
Im Orimr hält man für den Ort, wo Ca in den Bru¬
dermord verübt, das schöne Thal Esdraelon (auf dem
Wege von St. Jean d'Acre nach Jerusalem), und die
Stelle, wo die That geschah, ist durch drei Olivenbäume
bezeichnet. _
In dem im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Cholera
abgedruckten Schriftchen des ehemaligen Kardinals Palla-
vicini über die Pest von 1656 wird erzählt, daß zu dm
Vorkehrungsmitteln auch.die Absperrung des Gletto (des
Judenviertels) in Rom gehörte, weil man große Verheerung
unter der dicht zusammcngedrängten Menschmmasse befürch¬
tete, aber die Krankheit zeigte sich da gerade höchst milde,
und nur sehr wenige Judm starben an der Pest.
Korrespondenzen, Auszüge, Repliken.
(Bruchstücke einer Reise durch Palästina im I. 1834.
von dem Marschall, H-erzog von Ragusa.)**)
Am 10. September erreichten wir den Jordan, und ich be¬
schloß den Tag daselbst zuzubringen, und an'seinen Ufern Nacht¬
lager zu halten. Wir gingen über die Jacobsbrücke und schlugm
unsre Zelte am rechten Ufer auf.
Das Thal dieses Flusses ward häufig mit Menschenblur ge¬
tränkt, und diente seit der Zeit der Patriarchen häufig zum
Schlachtfelde. Oberhalb des Sees Hule, zwischen 'dem Bache Dan,
auch der kleine Jordan genannt,' und zwischen dem großen Jor¬
dan, überfiel Abraham die vier Könige und brachte ihnen eine
Niederlage bei. Oberhalb des Sees Hule, unfern von unserer
. *) An Account of the manncrs and customs of the modern
Egyptians, written in Egypt, during the years 1833, 1834 and
1835,*'partly from notes made during a ionner visit to that
country in 1825 — 28. (2 vol.)
**) Nach dem Echo aus der iii wenigen Woche» erscheinenden „Reise
deS Marschalls, Herzog von Ragusa rc. Stuttg. 4 Bände," aaSzrigiich.