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mann ernannt worden, wegen ausgezeichnet wohlchatigen !
Bmehmms nach dem letzten furchtbaren Orkane. j
Prag, 8. Nov. (Privatmitth.) Bei der vom Ver¬
eine zu Ermunteru-ng des Gewerbegeistos vxi
Böhmen am 27. Septbr. d. I. im Promotionssaale des
Eacolinums veranstalteten öffentlichen Preisvertheilung, in Be¬
zug auf die letzte Ausstellung böhmischer Gewerbsproducte,
wurde der israelitische Kattundruckfabrikant Leopold Epstein
der erhaltenen silbernen Medaille und Gebrüder Lewy,
Siegellack- und Federkielfabrikanten, der bronzenen Me¬
daille, welche dieselben bei der vorjährigen Preisvertheilung
erhalten habm, abermals für würdig erklärt.
KolirLsche Lonrrole.
Folgendes uns so eben zugekommene Schreiben veröffent¬
lichen wir mit dem Wunsche, daß, so bald als möglich, An¬
meldungen zu der darin angebotmen Stelle bei uns eintreffm
mögen. Die Redaction.
Riga, den i/l2. Nov. 1837.
Hochzuverehrmder Herr!
Das tiefgefühlte Bedürfniß einer zeitgemäßen Stellung,
die warme Ueberzeugung von der Nothwmdigkeir einer Läu¬
terung und Befestigung des religiösen Gefühls, das daher
erzeugte lebmdige Verlangen nach würdigm, gehaltvollen und
auf das Gemürh wirkmden Formen, die sich in dem Jnnem
der Deutschm unseres Glaubms mit solcher Wunderkraft
offmbart habm/ und mdlich das kräftige, begeisterte Strebm
nach der Realisirung dieser, die edlere Nawr des Menschm
so sehr angehmden Forderungen, das sich auf so erhebende
Weise bei ihnen kund giebt, konnten uns, in derm verwandter
Brust auch alle diese Gefühle, nur minder klar und zu einer
früheren Zeit auch leider hoffnungsloser, rege gewordm warm,
bei ihrem Hervortreten unmöglich gleichgiltig lassen; sie warm
vielmchr ein belebender Hauch, dessen nur unsere Ahnung
bedurfte, um zur Ueberzmgung zu erwachen, ein erwärmendes
Licht, an dem sich unsere dunkle Sehnsucht zum bestimmtm
Wunsche entfaltete, ein Ruf des Heiles, der, wie die Verkün¬
digung einer geistigm Auferstehung von Hunderttausendm,
derm gedrückte Geister sich befreiet, derm zerrissene Herzen
sich erstarkt fühltm, zu uns herüberklang und uns zur Thä-
tigkeit auftütrelte. Ja, hohe Zeit ist cs, daß auch wir uns
dem starrm gedankmlosen Zustande eines unklaren Bewußtseins,
des regungslosen Harrms entreißen, und uns mdlich dem
bösm Traum einer geistigen Dumpfheit, der unsere edelstm
Kräfte befangm halt, entwindm, um sie für unsere hohem
Interessen zu verwenden.
Für diesen Impuls, der für uns, bei der wohlwollenden
Gesinnung unseres Kaisers, von der größtm, heilsamstm
Bedmiung zu sein verspricht, gebührt nun dm Dmtschen
jüdifchm Glaubms unsere höchste Aneckennung; wem aber
kömttm nur, wenigstens zunächst, mehr als Ihnen, Hoch¬
geschätzter Herr, für die Zugänglichkeit des innem Lebms
der israelitischm Dmtschen für uns, für unsere Befähigung
zur Theilnahme an feinm Gestaltungm und Erscheinungm
ein Gefühl des Dankes zuwmdm? Wem kann das Berdimst
eines- so wohlthätigen Einflusses mehr zugeeignet werdm, als
dem Organ, welches die innerm und äußeren Zustände aller
Jsraelitm in allm Ländem auch dm mtfemtestm Glaubens-
brüdem offenbart, und so, um nur Eine würdige Seite her-
vorzuhebm, dm Folgm des schönen Beispiels ein weites Feld
öfftret? — Ihre »Allgemeine Zeitung des Judmthum's« ein
Liebesband, das alle unsere leidmdm und kämpfmdm Glau-
bmsgmossen umschlingt, konnte auch bei uns keine Theil-
nahmlosigkeit finden. Außer dem Gmuß, welchen sie uns durch
die stete Bewegung gewahrt, in der sie unser Gemüth erhalt,
indem sie es bald zum tiefstm Mitgefühl mit dem Unglück
und der Umerdrückung, bald zur fteudigstm Theilnahme an
dem Siege des Rechts und der Wahrheit anregt, ist sie uns
auch von der höchsten Bedeutung und von unverkennbarem
Nutzen geworden. Sie war die nächste Veranlassung zur
Befteiung von einer geistigm Indolenz, die Jahrhunderte
lang schwer aufuns lastete und von dm verderblichsten Folgm
für religiöses und sittliches Gefühl war, die, als die Quelle
des uuwürdigstm Jndiffermtismus und der Ehrlosigkeit, die
in ihrm Amßerungm so giftig und zerstörmö auf das Le¬
bensglück gar Vieler, einwirktm, jedes edle Gefühl nur
erstickte, wmigstms nicht beföcdem konnte; so zerriß manches
Band der Liebe, so wurde manchem Herzen eine nie heilmde
Wunde geschlagen.-—
Durch Ihre Zeitschrift nun sind auch wir zu der Hoffnung
ermuthigt, daß Sie, bei Ihrer warmm und thätigm Theil¬
nahme an Allem, was das Judenchum angeht, auch uns, einer
klemm, aber mit aller Kraft des Willms und aus Ueber¬
zeugung und mit allen zu Gebote stehendm Mitteln nach dem
Bessem strrbmden Gemeinde, Ihre Aufmerksamkeit nicht ver-
sagm werden und erlaubm, daß auch wir uns denm anreihen,
die in Ihnen einen redlichm und krästigm Mitarbeiter an
dem großm Werke der Beförderung geistigm Fortschreitens
unter dm Jsraelitm verehrm. Jhnm unsere Lage vorzustellm,
unsere Wünsche, Hoffnungen und Bestrebungm mitzutheilen;
ist daher der eigmtliche Zweck dieses Briefes.
Was unsem bürgerlichm Zustand in Rußland überhaupt
betrifft, so ist dieser im Ganzen so schlimm nicht, als man,
so viel wir wissm, im Auslande glaubt; ja, durch einige
in der neuestm Zeit ergangene Befehle unsers Kaisers in