52
einen gleichen Antheil an jenen Verbesserungen erhoffen, welche j neuen Austreibungsversuche zu Dorhor, Focschan und anderwärts
jetzt in der Türkei in administrativer und politischer Beziehung in diesem Jahre.
eingeführt werden sollen. Als die Intervention der Consuln diesen Exceffen Einhalt
In den Fürstenthümern dagegen hat die Lage der gebot, wurden den rumänischen Kammern die unbilligsten Gesetz-
Israeliten nicht aufgehört, sich zu verschlimmern, seitdem diese entwürfe vorgeschlagen, um die Juden aus den Dörfern zu ver-
Provinzen ihre Selbstständigkeit erlangt haben. Serbien ver- treiben und ihnen zugleich in den Städten die Existenz unmöglich
treibt sie aus ihren Wohnstätten, untersagt ihnen auf seinem zu machen. Um jedoch hierbei den Protesten der Vertreter Europas
ganzen Gebiet, mit Ausnahme von Belgrad, das Domicil und zu entgehen, enthielt man sich von nun an, die Israeliten in den
scheint ihnen ironischer Weise die politischen Rechte zu laffen, Gesetzen, die nur auf sie abzielen sollten, ausdrücklich zu nennen,
während es ihnen die bürgerlichen Rechte verweigert. Wer kennt Man machte Gesetze gegen die Fremden, und die Juden, als
nicht die schrecklichen Verfolgungen, denen sie in Rumänien Fremde behandelt, trotz ihrer hundertjährigen Niederlaffung im
unterworfen worden sind? Dieselben sind Jedermann in der Lande, trotz der früheren Gesetze der Moldau und der Walachei
Erinnerung gegenwärtig und haben zu wiederholten Malen ganz I und der internationalen Verträge, die sie als Einheimische aner-
Europa tief bewegt. kannten, und endlich trotz ihrer Liebe zum Geburtslande, verloren
Die Pariser Convention von 1858 hatte den Israeliten I in diesen letzten Jahren durch eine Reihenfolge von Gesetzen,
im Art. 46 l) die bürgerlichen Rechte zugesichert, indem sie die- mörderischer als die Gewaltrhaten der Emeuten, nacheinander das
selben allen Moldau-Walachen nicht-christlicher Religion ertheilte, Recht, sich in den ländlichen Gemeinden niederzulaffen, oder
und überließ die Gewährung der politischen Rechte der edelmü- ländliche Grundstücke selbst pachtweise zu erwerben, Grundeigen-
thigen Initiative der Nation. I thümer in den Städten zu werden, an den öffentlichen Berstei-
Diese von der Convention unter den christlichen und nicht-! gerungen theilzunehmen, Tabake zu fabriziren und zu verkaufen,
christlichen Moldau-Walachen geschaffene Ungleichheit wurde sehr Schanklocale auf dem Lande zu halten. Und wenn ihnen so die
bald durch die Gesetze des Landes erweitert. «Freiheit, zu gehen und zu kommen, die Freiheit, Handel zu
Um den Israeliten die Wohlthat der Bestimmungen, welche treiben und das Eigenthumsrecht entrissen ist, sind sie da nicht
ihnen die bürgerlichen Rechte gewährten, zu nehmen, leugnete vollständig außerhalb des Gesetzes gestellt?
man, daß die Israeliten, wie unzweifelhaft auch ihr Jndigenat! Nichtsdestoweniger werden ihnen alle öffentlichen Lasten auf¬
sein mochte, Moldau-Walachen seien. Um sie sodann zu ver-1 erlegt, selbst den Militärdienst nicht ausgenommen, den sie jedoch
hindern, daß sie es werden, reservirte die Constitution von 1866!durch eine raffinirte Ungerechtigkeit nicht als Rumänen zu
nur den christlichen Fremden allein das Recht, sich naturalisiren I leisten haben, um in dieser Eigenschaft nicht Rechte zurückfordern
zu laffen. ! zu können, welche den nichtchristlichen Moldau-Walachen bewilligt
Durch solche Mittel des Schutzes der Convention von 18581 worden sind; sie leisten ihn als in Rumänien geborene
beraubt, waren die Israeliten zugleich der Willkür der Gesetz- oder wohnende Ausländer, und die Erlangung jedes
geber des Landes und den Ausschreitungen der Bevölkerung preis- Grades ist ihnen verschloffen.
gegeben. Alle Welt erinnert sich der Reihe von Attentaten gegen Die Rumänen gehen noch weiter: Sie wollen ihre Aus-
die Personen, der Emeute und Austreibungen, die von 1863 I schließungen den Israeliten aller Länder auferlegen. In den
bis 1872 gedauert und die Indignation aller civilisirten Völker I Handelsverträgen, die sie den verschiedenen Nationen vorlegen,
hervorgerufen haben: Der Zerstörung der Synagoge von Bukarest! schlagen sie vor, daß die Israeliten desjenigen Landes, das mit
im Jahre 1866, der Maffenaustreibungen im Jahre 1867. der «ihnen contrahirt, den Gesetzen, welche die rumänischen Glaubens-
Ertränkung von Galatz, der wiederholten Austreibungen aus den I genossen derselben regieren, unterworfen sein sollen. Schon im
Districten von Bacau und Vaslui im Jahre 1868, begleitet von Jahre 1868 sprach Lord Stanley, gegenwärtig Earl of Derby,
den Protesten aller Consuln, der Maffenaustreibungen aus den Minister des Aeußern von Großbritannien, auf der Tribüne des
Districten von Bacau, Galatz und Vaslui im Jahre 1869, der Hauses der Gemeinen: „Ich glaube, daß dies hier eine Ange-
Emeute von Tecutsch und Bottuschan im Jahre 1870, der Emeute „legenheit ist, welche die Christen noch lebhafter berührt, als
von Ismail, Cahul und Vilsow im Jahre 1872 nebst der Frei- „selbst die Juden; denn wenn das Leiden auf die Juden fällt,
sprechung der Tumultuanten seitens der Geschworenen, und der „so ist es die Schande, welche auf die Christen fällt. Ich kenne
- „kein anderes Beispiel in unserer Zeit von einer Reihe von
t) Hier der Wortlaut dieses Artikels : „Acten der Unterdrückung, begangen, ich will nicht sagen, einfach
Art. 46. — Alle Moldau-Walachen st'id vor dem Gesetze gleich „ohne jede Provocation , sondern ich will sagen, begangen ohne
Md All- '» m-ullich-u A-ml-ru gl^chi-i-hlgi. Di- M-Id-U°- -md . mrnüufligm, ja s-lbst ohne j-d-ll «rständlichm Grund."
Walachen aller christlichen Bekennrmne sollen rn gleicher Weile die * ® * 1 1 7
politischen Rechte genießen. Der Genuß dieser Rechte soll durch legis-! lebhafter Beifall).
lative Bestimmungen auf die anderen Culte ausgedehnt werden können. > Diese so schmerzlichen Zustände, können sie in Europa ge-