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hend aus dem Rabbine, Lehrer, Vorsänger und den ordent¬
lichen und außerordentlichen Gemeinde-Vorstehern, in schwar¬
zer Kleidung mit Flor um den linken Vorderarm, dem Lei¬
chenzuge vor der zweiten Abtheilung des Militärs folgen
sollte. Die Beisetzung wurde am Sabbat, den 15. Abends
7 Uhr vorgenommen. Als der Conduct zum Hauptportale
der Stadtkirche gelangte, woselbst der Sarg von dem Trau¬
erwagen genommen und bis an die Fürstl. Familiengruft
getragen wurde, gingen die Israeliten in die nahgelegene
Synagoge, wo sie einen angemessenen Trauer-Gottesdienst
abhielten. Am Mittwoch, Morgens 9 Uhr, wurde der letzte
Trauer-Gottesdienst abgehalten. Der Rabbine hielt, nach¬
dem ein von demselben in deutscher Sprache verfaßtes Kla¬
gelied von den Chorsängern nach Breckels Melodie des Be-
erdigungsliedes abgesungen worden, eine Rede über das Le¬
ben und Wicken des Höchstseligen, mit besonderer Bezug¬
nahme auf die von Ihm unserm Schul- und Kirchenwesen
mit väterlicher Fürsorge bezeigte Aufmerksamkeit, und
sprach mit fester Ueberzeugung die Hoffnung aus, daß, da
mit dem Schluffe des künftigen Jahres die staatliche Gül¬
tigkeit des Schutz-Briefes erlösche, auch unsere bürgerlichen
Verhältnisse auf gesetzlichem Wege geordnet werden dürften,*)
indem der nunmehr regierende Fürst Friedrich Wilhelm
Consta ntin von den Gefühlen des Guten und Rechten
durchdrungen sei, und, der Schule dieses Jahrhunderts an-
gehörend, den zeitgemäßen Staatsgrundsatzen huldige. Nach¬
dem die Schuljugend einen Choral aus dem würt. israel.
Gesangbuche gesungen und die Gemeinde die Psalmen 45,
12 und 121 uv ctttut hatte, begaben sich der Rabbine und
die zwei Vorsteher Seligmann Höchst etter und M.
Bing, in Folge höheren Auftrages, in das Regierungs-
Locale, wo sich sammtliche Rache, Beamten, Osficiers,
Geistlichen u. s. w. versammelten, um Sr. Hochfürsil. Durch¬
laucht zu condoliren. Die Aufwartung wurde im Schloß-
saale angenommen, wo sich die Condoliren den nach der ih¬
nen angewiesenen Rangordnung im Kreise berumstellten.
Als der Fürst in der Reihe an die israel. Abgeordneten kam,
sagte er zu denselben mit Wohlwollen: „Ich werde sorgen,
„daß die öffentlichen Verhaltniffe der israel. Glaubens.-Ge-
„nossen gesetzlich geregelt würden. Wir werden in der Cul-
„tur hinter den übrigen Staaten Deutschlands nicht zurück
„bleiben, aber die Organisation laßt sich nicht übereilen/"
Die edle Fürstin, Höchstdeffen Gemahlin, sagte: „/dicht
„wahr, als Ich bei Ihnen gewesen *), haben wir noch nicht
„gedacht, daß uns dieses Unglück so bald treffen werde.
„Aber Sie werden gewiß auch Meinen Gatten lieben und
„ehren." Die Beilage zum hiesigen Bererdnungs - und
Intelligenz-Blatte vom 22. d. M. enthielt drei Elegien:
die erste ist, wie man sagt, vom regierenden Fürsten, die
andere von einem Pfarrer, und die dritte unter der Auf¬
schrift: „das Trauvrgefühl," vom Rabbine.
*) Ausführlich lat er sich über „Israels Vergangenheit und
Gegenwart" in der vei der gekleodienftlichen Feier iv* 2mädrigen
Regier» ngS-I ubilä u n<v des 'o er ft. Fürsten om 4 Reo. 1S15 ge¬
haltenen und irn Bruck: erschienenen Festrede c Tübingen) aus¬
gesprochen.
ac ) Aiu 10 u. 11. d. M. geruhten Ihre Hochs. Durchs. den
israel. Sc!',ulprüfungen Huld reichst beizuwohnen/
Belletristik.
Abendrots).
Eine Reihe romantisch-historischer Skizzen von Friedrich
Waldemar (Di-. Fricke in Göttingm).
I.
Dtntipatev.
(Fortsetzung.)
Ohne bedeutenden Verlust gelangte das ganze Heer in
die Gegend Aegyptens, welche von den Griechen, wegen der
besondern Form, Delta benannt war.
Aber hier wurde ihrem raschen Vordringen ein uner¬
wartetes Ziel gesetzt. Der König Ptolemäus, welcher noch
vor Kurzem mit den innigsten Freundschaftsversichecungen
von Casar geschieoen war, jetzt aber, wortbrüchig nach Art
der Alexandriner, seinen ehemaligen Beschützer in Alexandria
nicht minder hart bedrängte, als der nunmehr Hingerichtete
Achilles, erfuhr Mithradates Annäherung, und sandte ihm
ein Heer entgegen, welches die Ankömmlinge schon durch
seine Wucht erdrücken konnte. Hinter dem Nile sollten sie
die Feinde erwarten, und was dem Wassergrabe entging,
mit dem Schwerste empfangen. Allein die Kampflust der
Aegypter war zu sehr durch Cäsars eiserne Vertheidigung
seines Stadttheiles aufgereizt, um nicht die endlich dargebo-
tene Gelegenheit zum Kampfe begierig zu ergreifen. Die
Anführer wurden unter sich uneinig und während ^ln Hau¬
sen dem königlichen Befehle gemäß zurückdlieb, ging der
größte Theil über den Fluß, und griff den syrischen Feld¬
herrn ungestüm an. Dieser hatte sich zwar, auf die erhal¬
tene Nachricht von der Feinde Annäherung, nach Art der
Römer verschanzt, allein er mußte doch fürchten von der
Uebermacht umzingelt, und mit seinem Heere vernichtet zu
werden. Darum ging er mit Antipatec zu Rathe, ob es,
nachdem der erste Angriff glücklich abgewehrt sei, nicht vor¬
zuziehen wäre, auch hier, wie bei Pelusium mit dem
Schwerdte in der Faust sich einen Weg zu bahnen. Anti-
pater hatte genau die Starke des Feindes erkundschaftet,
wußte, daß jenseit des Flusses ein nicht viel geringerer Hee¬
reshaufen schlagfertig stand, und riech aus diesen Gründen
zur Vertheidigung. Mithradates konnte ihn kaum begreifen.
Du suchst nur Deinen Willen, sprach er, und Zorn
flammte aus dem dunkeln Auge des Asiaten, nimmer folgst
Du meiner Hand. Hatte ich doch gesagt, wir wollen im