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Juden am jüdischen Gemeinwohl , die Schuld , daß die
Examina sich fast immer nur einer sehr kleinen Zuhörer -
zaht zu erfreuen hat .
Betrachten wir nun die intellektuellen Leistungen der
Schule , so weit sich solche nach einem mehrjährigen Be¬
such der Examina beurtheilen taffen , so müssen wir als
eine der förderlichsten und am meisten den Verstand bil¬
denden Lektionen die Sprech - und Denkübungen
voran stellen . Mit Ausnahme des letzten Examens je¬
doch hat sich bei diesem Unterrichtsgegenstande eine ein¬
seitige Methode geltend gemacht , indem Ire sich auf eine
bloße Uebung des Anschauungsvermögens vermittelst der
Erklärung geometrischer Figuren beschrankte . Auf dem
letzten Examen aber , wo man diesen Gegenstand in den
Händen eines andern Lehrers sah , erkannte man in die¬
sem das mit reichem Erfolg gekrönte Bestreben , den Ver¬
stand der Kinder dadurch zu bilden , daß sie in die ge¬
wöhnlichsten Verhältnisse des Lebens eingeführt und durch
eigene Thätigkeit zu einer Klarheit und Einsicht in die¬
selben gebracht werden ; so sahen wir unter Anderem be¬
sonders mit Glück die Kinder von Gegenständen der Na¬
tur genetisch zu denen der Kunst sortschreiten und wie¬
derum die Dinge , wie sie die Industrie Lum täglichen
Gebrauch umgeschaffen hat auf die Natur zurückführen . —
Und es ist nur zu bedauren , daß dieser Unterrichtsgegen¬
stand wiederum aus den Händen dieses Lehrers genom¬
men wurde . —
In der Geographie haben wir ebenfalls zwei Un -
tcrrichtsarten in der Schule zu bemerken Gelegenheit ge¬
habt , von denen sich die eine eben so sehr durch ihre
Zweckmäßigkeit , als die andere durch das vollkommene
Verfehlen ihres Zweckes auszeichnet . Denn während die
erste , wie für eine Elementarschule jedenfalls nothwendig
und ersprießlich ist , sich auf eine Kenntnißnahme der all¬
gemeinen geographischen Verhältnisse beschränkt — ergeht
sich die zweite in einem vollkommen erdrückenden Schwall
von Details , die außerdem keinesweges auf Anschauung
begründet sind , sondern nur auswendig gelernt waren ,
wie dies besonders auf dem letzten Examen in der Geo¬
graphie von Deutschland in der ersten Klasse sich zeigte .
Wie wenig überhaupt das bloße Auswendiglernen bei
Gegenständen , wo es auf etwas mehr als auf ein bloßes
Schärfen des Gedächtnisses ankommt , mit Erfolg an¬
wendbar ist , wird nicht nur jeder vernünftige Pädagog ,
sondern jeder Gebildete gern zu gestehen . Und doch fan¬
den wir diese Methode des Auswendiglernens sogar bei
einem Gegenstände adoptirt , der sie vollkommen von sich
stoßen muß - — bei der Geometrie , die leider wiederum
von verschiedenen Lehrern gehandhabt wird . Wie sehr
das Wesen derselben von der einen Seite verkannt wird ,
hatten wir besonders auf dem letzten Examen in der
zweiten Klasse zu bemerken Gelegenheit ; wo mit einem
Mangel aller Begriffsentwicklung eine rein mechanische
Gedächtnißfertigkeit zum Vorschein kam . Die andere
Unterrichtsweise fußt jedoch auf dem vernünftigen Grund¬
satz , daß eine klare bewußte Anschauung der Begriffe hier
die Hauptsache sei . —
Dieselbe Bemerkung müssen wir leider auch auf die
Behandlung der Physik ausdehnen . Es ist keinesweges
dem Zweck einer Elementarschule entsprechend , die Kinder
mit compticirten Maschienen und verwirrenden Hypothe¬
sen bekannt zu machen , zumal wenn damit eine Ver¬
nachlässigung der Elemente verknüpft ist . So aber ist
wiederum die Methode des einen Lehrers , der vor zwei
Jahren mit diesem Gegenstände auftrat , beschaffen , in -
deß die andern sich dem Zweck angemessen damit begnügt ,
die einfachen klaren Verhältnisse der uns umgebenden
und ins Leben jeden Augenblick eingreifenden Kräfte und
Eigenschaften der Dinge den Kindern beizubringen . —
Ueberhaupt können wir hier nicht unterlassen zu erwäh¬
nen , daß das öftere Uebergehen der bereits erwähnten
Unterrichtsgegenstande aus den Händen des einen Lehrers
in die des andern bei dem vollkommenen Gegensatz der
Methoden von der verderblichsten Wirkung ist , und ein
gegenseitiges Aufheben des bereits Geleisteten zur nothwen -
wendigen Folge hat .
In der Naturkunde hat sich der Lehrer , wie es
scheint , die löbliche Aufgabe gestellt , die Kinder so weit
mit der Natur bekannt zu machen , als es ihren jugend¬
lichen Kräften angemessen ist , und zugleich den Gegen¬
stand als geistbildendes Mittel zu benutzen . — Was die
Arithmetik anbetrifft , so wird von einem Lehrer in
allen Klassen das praktische Rechnen gelehrt , wozu in
der ersten Klasse noch der höchst erfolgreiche Unterricht
eines andern Lehrers in ben Grundbegriffen der Arith¬
metik kommt . Diese Einrichtung ist wol als sehr
zweckmäßig zu bezeichnen , indem das bloß praktische
Rechnen gewöhnlich weiter nichts , als eine geistlos¬
mechanische Fertigkeit erfordert .
Die Leistungen in bet Geschichte , welche soweit
unsere - Erfahrung reicht , von einem Lehrer vorgetragen
wird , suchen vernünftigerweise nicht durch ihre Exten -