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Herr Oberlehrer die Rednerbühne betrat, und eine ge¬
haltvolle, gut ausgeführte Rede über den Zweck der Schule
hielt. Hierauf fleheten zwei Mädchen und Knaben auf
muflerhafte Weise für das Wohl des Regentenhauses, des
gesammten Vaterlandes, des Komitats, so wie aller An¬
wesenden den Höchsten an, und der ungarische Lehrer em¬
pfahl in einer kräftig magyarischen Rede die Lehranstalt
dem Schutze der gnädigen Herren, welche die thätigste
Mitwirkung versprachen; ja, der Herr Verwalter äußerte
sich sogar, er werde sich an die Kammer wenden, um
einer so zweckmäßig organistrteu Schule das Privilegium
zu erbeten. Zum Schluffe hielt ein Zögling auf eine
hier noch beispiellose Art eine ungarische Danksagungs¬
rede an die Zuhörer, und das magyarische Volkslied
„Gott erhalte" rc. erscholl im lieblichen Gesänge der
Schuljugend. Aber am meisten ward durch die edelmü-
thige Gesinnung des höchst humanen Herrn Stuhlrichters
Latinovits die Feierlichkeit verherrlicht, indem er sehr an¬
sehnliche Geschenke armen Schülern zu Theil werden ließ,
und die kräftigste Unterstützung sowol diesen als der ge¬
sammten Schule für die Zukunft versprach *).
Joseph Szemes, Kaplan.
*) W''r nahmen diesen detaillirten Bericht des ehrw.
Herrn Kaplan auch aus dem Grunde auf, um dem neu-
lichst bei den Ständen vorgebrachten Vorwurf, daß die
ungarischen Israeliten die ungarische Sprache gänzlich
vernachlässigten, auch durch dieses Beispiel zu begegnen.
D. Redakt.
Anzeiger.
In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ij Ngr. (1 gGr.)
Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren
Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen.
Die Verlagshandlung.
Anzeige.
Es wird in einer größeren deutschen Stadt ein
fähiges Subjekt jüdischen Glaubens gesucht, um als Haus¬
lehrer die Erziehung zweier Knaben von 11 a 7 Jah¬
ren und die Vorbildung derselben für's polytechnische
Wissen zu übernehmen. Näheres durch die Redaktion
dieses Blattes unter „A M Hauslehrer."
Bekanntmachung.
Der dahier verstorbene Salomon Oettinger
hat in seiner letzten Willensverfügung ein Kapital aus¬
gesetzt, aus dessen Zinsertrag arme Mädchen aus seiner
Familie und aus der seiner noch lebenden Ehefrau, Ma¬
thilde gebornen Detelbach, zum Behufe der Ver¬
ehelichung eine Aussteuer-Unterstützung im Betrage von
550 Fl. erhalten sollen.
Die Petentin hat jedoch beizubringen,
1) ein Geburtszeugniß, wonach dieselbe nicht unter 18
und nicht über 40 Jahr alt sein soll;
2) Imgniß über sittlich religiöses Betragen;
3) Ausweis über den Grad der Verwandtschaft mit
dem Testator oder dessen Ehefrau; endlich
4) Armuthszeugniß, als Beweis, daß ein solches Legat
gut angewendet sei.
Die Anspruchsberechtigte erhält alsdann eine schrift¬
liche Zusicherung, daß dieselbe nach erfolgter Verehelichung
die genannte Summe erhalten werde, wenn sie sich dar¬
über ausweist, daß sie auch im Brautstande sich religiös-
sittlich betragen habe, und wenn das aus dieser Stif¬
tung unterstützte Ehepaar die Verpflichtung übernimmt,
dem Aeltesten seiner Söhne den Namen Salomo bei¬
zulegen.
Ferner hat der Testator verordnet, daß zu ewigen
Zeiten zwei der mit ihm nächstverwandten Torakundigen
täglich einen Mischna-Abschnitt studiren sollen, wofür
Jedem alljährlich 10 Fl. gezahlt werde.
Dieses wird nun mit dem Anfügen zur öffentlichen
Kenntniß gebracht, daß die Anmeldungen binnen 3 Mo¬
naten bei dem Unterzeichneten Stiftungsvorstande unter
Beibringung der erforderlichen, amtlich legalisirten Zeug¬
nisse in portofreien Briefen zu geschehen haben, und
daß Diejenigen, welche auf die angeführten 10 Fl. An¬
spruch machen, sich auszuweisen haben
1) über den Grad ihrer Verwandtschaft zum Testator und
2) über ihre Fähigkeit zu der von ihnen geforderten
Funktion.
Gail in gen (im Großherzogthum Baden)
den 6. Januar 1844.
Der israelitische Stiftlmgsvorstaud
I. Löwenstein, Bezirksrabbiner.
I. Erlanger, S. R.-Vorsteher.
Druck von Z. B. Hkrschfeld<