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Theol o g t e.
W ü rdi g u n g
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Bemerk»ngeu zu den Mitteilungen
aus Naphtalis Briefwechsel
in No. 1. der isr. Annalen,
von
S. R. Hirsch in Oldenburg.
(Fortsetzung.)
b) Die „Fiction" bei der Schuldentilgung am
-Sabbatjahr, das sogenannte bi2Vi22, ^ bezieht sich so
wenig unstreitig auf ein mosaisches Gebot, daß viel¬
mehr ('st 'ib *pm) ‘ vom Talmud selbst über bi2Oi22 die
Frage aufgeworfen wird: ^73 82^8 ‘»m,. giebt es denn
irgend den Fall, daß nach der Thauroh das 7te Jahr die
Schulden erlasse und Hkllel den Nichterlaß anocdne? Worauf
Abai: die Anordnung beziehet sich nur auf das
noch jetzt stattfindende Erlaßjahr, das selbst nur
rabbinische Anordnung ist, ein Ausspruch, der nach
das. und nach Ü2732. ('v db bdrn 'bin), über¬
einstimmend mit der natürlichsten Auffassung der Stelle,
von Niemanden bestritten wird. Siehe das. HV2
ii3H773. Endlich in Betreff
c) des p73N - Besi'tzverbotes am Peßach, giebts auch" da¬
bei durchaus keine vom Talmud angeordnete Fiction. Der
Vertheidkger denkt hier wahrscheinlich an den Verkauf des
p73N an Nichtjuden vor Peßach. Aber das ist weder' eine
Anordnung, noch, wenn Fiktion, gebilligt. Vielmehr
heißt es ausdrücklich kn der Nnöbin (ü^nöö'i nb),
aus die dieser Verkauf sich stützt: N3N732 ib isittrPiö nabai
riTiTsa, d. h. j edoch unter der Bedingung, daß
man es ihm ln wirklicher, nicht fingirter Schen¬
kung gebe!!
So steht es um- die unstreitigen Sätze des
Vertheidiger^!
„Uebrigens," fährt derselbe fort, „ist p737Nri
auch nach dem zulässig, welche p73inn für mosaisch halten,"
und zeigt damit, daß er gar nicht recht verstanden, worum
es sich im Lhariag handelt. Nicht aus p73inn imw,
sondern aus' nt-pisn ^212^ sollte bewiesen wer¬
den. Uebrigens ist die Ansicht, daß pmnri mosaisch seien,
im Talmud verworfen.
III. Thariag S. 24 behauptet: der Talmud verbiete
Werkverrkchtung durch Nichtjuden nur bei biblisch verbotenen,
nicht aber . bei rabbanitisch verbotenen Verrichtungen am
Sabbat und lehrt demgemäß, daß selbst strenge Befolget
des Talmuds die meisten Kaufmannsgeschäfte am Sabbat
durch Nichtjuden thun lassen dürften. Dagegen bemerkten
die Mittheilungen einfach: dies sei falsch, nur Ausnahms¬
weise, behufs einer , Mizwoh oder sonst dringenden Zwecks
halber sei es erlaubt, und wiesen auf Orach Chajim 307,5.
Was sagt nun der Vertheidiger? Wörtlich dies:
Nach Orach Chajim 276, 2 darf man, wo
es die Vollziehung eines frommen Werks
gilt, selbst mosaisch verbotene Arbeiten
Nichtjuden auftragen und der 873^ selbst
findet daß diese Stelle der von H. Hirsch
angeführten, welche außerdem" ganz
vf)tie Autorität ist, widerspricht.
Also nach O. Ch. 276, 2. dürfe man zum Behufs einer
Mizwoh ohne Weiteres selbst mosaisch verbotene Arbeiten
Nichtjuden auftragen, und der 8?3^ finde selbst daß dies
der von mir angeführten Stelle widerspricht, und die von
mir angeführte Stelle wäre ganz ohne Autorität?
Hier ist O. Ch. 276, 2. Wörtlich lautet es
dort also:
„Es giebt eine Ansicht, daß es erlaubt sei einem Nichtjuden
zum Behuse des Schabboßmahles Licht anzuzünden zu sa¬
gen) weil diese meint, man dürfe selbst eine mosaisch ver¬
botene Arbeit Behufs einer Mizwoh einem Nichtjuden auf¬
tragen (‘nü^ST inbw ah s'b f-i), in welcher
Folge Viele sichs erlauben Nichtjuden Behuf des Mahles
Licht anzuzünden aufzutragen, besonders bei Hochzekts- oder
Beschneidungsmahlen und keiner wehrt es ihnen*), man
sollte sich dies aber nur erlauben wenn es drin¬
gend Noth ist; denn die meisten Gesetzautori-
täten verwerfen diese Ansicht. Siehe §.
Haben meine Leser einen Begriff von dieser Dreistig¬
keit? Die Stelle sagt ja-klar und ganz unzwei¬
deutig das diametrale Gegentheil von dem, wo¬
für der Vertheidiger sie ausgiebt! die von mir an¬
geführte Ansicht, die ganz ohne Autorität sein soll, wird ja
dort ausdrücklich als die der meisten Gp-
setzantoritaten, und als die in der Regel
zn befolgende aufzeführt. Und ir^ Wahrheit ist die
Entgegengesetzte nur die des Einzigen b*5,
der damit ganz verwaist dästeht.- Ich bitte darüber
*) 21 ^ bm ‘pis tnp73ä ‘r^örthb
•vö '■’ö v:pb pvi it b* trpbin d^poisn'