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rp'H am Ende von ftVWah und daselbst nach¬
zulesen.
Wen glaubte der Vertheidiger mit solcher Unwissenheit,
oder solcher Dreistigkeit zu tauschen? Das Publikum?
Mich? Sieht er. denn nicht, daß er mit solchem Verfahren
die Sache seines Clienten nur noch mehr compromittirt?
denn wahrlich, des Clienten Sache muß verzweifelt, schlecht
stehen, dessen Vertheidiger sich nicht scheut zu sülchen
Mitteln seine Zuflucht zu nehmen. Ich in Herrn Dr.
Creizenachs Stelle würde mir einen solchen Vertheidiger, al¬
les Ernstes verbitten.
Und als Gipfel der Jämmerlichkeit, bedenke man nun
noch, daß, alles dieses Falsche auch einmal zugegeben, damit
ja noch um kein Titelchen die im Thariag gegebene Be¬
hauptung aus ihrer. Nichtigkeit gehoben Ware. Denn im¬
mer wäre ja nur, wie in den „Mittheilungen." gesagt, das
Aufträgen an einen Nichtjuden nur behufs Ausübung einer
Mizwöh erlaubt. Thariag erlaubt es aber ja ganz aus-
nahmlos, selbst für Kaufmannsgeschafte u. dgl.!!
- IV. Thariag S. 25 zählt Geschäftsgänge zu machen
und sich von einem Geschäfte zu unterhalten mit unter die
Verrichtungen, „die auf keine Weise Arbeiten zu nennen
sinh, die. aber die Talmu disten am Sabbat verboten
hätten, damit an diesem Tage im ganzen Beneh¬
men des Israeliten nichts Werktägiges sei." Die
Mittheilungen.machten hierbei S. 16 nur die Bemerkung,
daß nicht die Talmudisten erst Geschäftsangelegenheiten
am Schabboß verboten hatten, sondern ein solches Verbot
schon aus VsT 1 und '■»artf ersichtlich wäre. , Der Verthei-
dkger erwiedert: „Wenn Jesaias un.d Nehemias Geschafts¬
angelegenheiten am Sabbat verboten hatten, so hätten sie
dies nicht als Propheten, sondern vermöge ihrer, geistlichen.
Autorität gethan," „sie haben aber Geschäftsangelegenheiten
nicht als Arbeiten im talmudischen Sinne, son¬
dern als etwas verboten, das in der Thal mit der Feier
des Sabbats sehr schlecht harmonirt."
Aber: Von Jesaias und Nehemias ist gar kein neues
Verbot, der Geschäftsangelegenheiten am Schabboß ausgegan¬
gen, sondern aus ihnen ist ein solches Verbot als längst
schon, vor. ihnen vorhanden, ersichtlich. Und ferner sind ja
Geschäftsangelegenheiten selbst im talmudischen Sinne nicht
als Arbeiten, sondern eben nur als etwas „Werktägiges"
verboten, das mit der Feier des Sabbats schlecht harmonirt.
Das sagt ja Thariag an der in Frage stehenden Stelle
selbst, was auch ganz richtig. Der Vertheidiger hat also
den Thariag hier entweder gar nicht gelesen^— oder schon
vergessen. |
V. Was der Vertheidiger unter dieser Nummer sagt,
will ich glauben.
VI. S. 31 erzählt uns Thariag: Früher wurde
bei ihnen der Molad .nicht- voraus berechnet,
sondern unmittelbar von Leuten, die dazu aus¬
geschickt worden, am Himmel beobachtet. Meine
Mittheilungen bemerkten hiebei: Beides sei unwahr. Es sei
aus der G'morö entschieden klar, daß neben der Beobach¬
tung , zur Controllirung derselben, auch eine Berechnung
ftattgefunden, und man könne auch zweitens den Molad
gar nicht mit bloßen Augen am Himmel beobachten. Recht¬
fertigt nun der Vertheidiger jenen doppelt unwahren Satz
des Thariags, auf dem dort die ganze Theorie von der
frühern astronomischen Unkenntniß unserer Vordem gebaut
wird? Keineswegs. Ec versucht es nicht einmal.- Sondern
1) empfiehlt er mir eine Erörterung des Hm. Rappopoct,
aus welcher mit entschiedener Klarheit hervorgehe, daß wäh¬
rend der zweiten Tempelperiode oft die Resultate der Kalen-^
Verrechnung, wenn ja gerechnet wurde, denen der unmittel¬
baren Beobachtung hintaygesetzt wurde." — Ich bebaute
sehr die Erörterung des Herrn Rappoport, die gewiß recht
lehrreich sein mag, nicht zu kennen. Aber, um des Him¬
mels Willen,-trüge denn das Alles, was daraus entschieden
klar hervorgehen soll, auch nur ein Jota zur Rechtfertigung
des Satzes im Thariag bei? 2) meint der Vertheidiger, ich
hatte, voraussetzen sollen, Herr Dr. Creizenach habe nicht ge¬
glaubt, man könne mit dem bloßen Auge den Molad eben
so genau als durch die Berechnung bestimmen." Nein,
Lieber. Nicht nur nicht genau, gar nichts läßt sich mit
dem bloßen Auge über den Molad bestimmen. Und wenn
Herr Dr. C. nicht geglaubt hat, man könne den Molad
mit bloßem Auge beobachten, warum sagt er denn im
Thariag/ man habe es gethan? Hatte sich Herr Dr. C.
auch nur vergegenwärtigt, daß der Molad durchaus nicht
Sache der Beobachtung, sondern rein nur Sache astrono¬
mischer Rechnung sek, so hätte ihm dies einzige Wort
„Molad" schon sagen können, daß, wo auch nur die Idee
von Molad war, Berechnung gewesen sein müsse. '
VII. S. 33 war im Thariag in Bezug auf die Feier
der zweiten Feiertage behauptet worden: I) Es gehe mit ei¬
ner Gewißheit, die sicherlich Niemand bestreiten werde, aus
dem Talmud hervor,, daß für diese Feier nie ein Synodal-
beschlüß ergangen. 2) Daß die Verfasser' des Talmuds
selbst sich nicht alle in den Gebrauch gefügt, unter Andern
ein gewisser Nathan bar Assi. 3) Der Talmud erlaube
ausdrücklich in Orten, wo keine Juden wohnen, am zweiten
Feiertage zu arbeiten.