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rpird Herr Hofmann, von dessen Wirken wir uns viel
Gutes versprechen dürfen,' demnächst auch als Landrab-
din e angesicUt werden. Nach den im vorigen Jahre er¬
schienenen' „Beitragen zur Statistik des Heczogthums Mei¬
ningen" (von Debertshausech zahlt das ganze Herzogthum
in 9 Gemeinden 1524 Juden,' wovon 537 auf Wall¬
dorf kommen. 8. 8.'
De mm in, 10. Febr. (Privatmitth.). Im Jahre
1818 ließ sich hier die erste jüdische Familie nieder, da vor
1812 hier nicht allein keine Juden wohnen, ^ sondern nach
dem alten schwedischen Gesetze, sich nicht einmal eine Nacht
aufhalten dursten. Nach und nach vermehrte sich jedoch die
Zahl der Familien und Schluß 1837 bestand die jüdische
Gemeinde aus 12 beitragenden Mitgliedern. Trotz dieser
kleinen Anzahl entschlossen sie sich doch eine neue Synagoge
zu bauen und schritten auch gleich zum Werke, indem sie
im Februar v. I. ein' Haus mit einem dazu' passenden
Platze' für 1200 Thlr. ankauften und schon zu Ostern den
Bau selbst begonnen. .Obgleich , es lange wahrte, ehe die
Erlaubniß der hohen Behörde zu diesim-Bau erlangt wer¬
den konnte, so schritt der Bau selbst hoch rüstig fort, und
Sie können sich die Freude der Gemeinde denken, "als ihr
Anfangs Decembec durch Allerhöchste Kabinets-Ordre der
Consens ertheilt wurde. Nun wurden auch die noch feh¬
lenden Arbeiten vollendet, und wir. sehen ein Gebäude daste¬
hen, in seinem .Innern sowol wie durch seinen einfachen
Styl ganz dem erhabenen Zwecke würdig, zu dem es.be¬
stimmt ist, und. dessen sich bie größte Gemeinde nicht zu
schämen hatte. Einen besonders erhabenen Anblick gewahrt
die weiß, reich mit Gold verzierte heilige Lade mit einem
einfachen Vorhang von rothem Sammet, überhaupt macht
die ganze innere Einrichtung bei der größten Einfachheit den
angenehmsten Eindruck. - Die Einweihung geschah am 1.
Februar/ und HerrSalomon Pleßner in Berlin war auf
Bitte der Gemeinde so gütig, diese unter Assistenz des Hrn.
Salinger aus Teterow als Vorsänger, zu vollziehen. Im
Vorhofe der neuen Syn^ogeKvMrde, nachdem das Chor
einen Gesang vorgetragen^ Her Schlüssel zur Synagoge von
dem ersten Vorsteher, 'dem' mitanwesenden Kreis - Landrath,
Herrn Baron von Maltzahn-Sommersdorf überreicht, wel¬
cher dieselbe öffnete, und während dieser Zeit vom dem
Chore das bekannte „öffnet mir rc." (^b ifinD) gesungen
Md hierauf in die Synagoge eingetreten. Nachdem nun
jeder seinen Platz eingenommen, auch der Vorsänger Herr
S. mit dem Chore sich auf die Tribüne (inbn) begeben
hatte wurde das „wie furchtbar, rc." (imb Nn) gesungen,
noch einige Psalmen abwechselnd rezitirt und vom Chor 4
(immer unter Anführung des Herrn S. und mit Instru¬
mentalbegleitung) gesungen, auch wahrend dieser Zeit die
Gesetzrollen von einer Deputation geholt. Nun bestieg Hr.
Pleßner die.Stufen zur heiligen Lade und hielt eine, der
seltenen' und hohen Feier angemessene treffliche Rede, die
aus alle Anwesende, ohne Unterschied der Religion, den tief¬
sten Eindruck machte. Nach der Predigt wuroe wieder von
dem Chore ein Psalm mit Instrumentalbegleitung vorgetra¬
gen, hierauf begannen die üblichen sieben Umgänge, bei wel¬
chen Herr P. ekgends hierzu von ihm gedichtete Gesänge
abwechselnd mit dem Chore rezitirte. Nachdem nun noch
Herr P. ein von ihm in hebräischer und deutscher Sprache
abgefaßtes Gebet für Sr. Majestät den König verrichtet,
und die Gesetzrollen in die heilige Lade gestellt wurden,
.wurde der 150 Psalm sowie.zum -Schluß das Gebet Adon
Olam von dem Chore init Instrumentalbegleitung vorge¬
tragen. Die Präcision und der gute Tenor, mit dem der
Vorsänger Hr. S. den Chor anführte, hob die Feierlichkeit,
die überhaupt mit her größten Ordüung durchgeführt wurde,
ganz besonders. Ueber die Predigt des Herrn Pleßner ent¬
halte ich mir alles Weitere, da dieselbe im Druck erscheint,
und sch mir' dann erlauben werde, Ihnen? ein Exemplar da¬
von zuzusenden.
Daß sowol der Bau der Synagoge sowie die Einwei¬
hung mit großen Kosten verknüpft war, können Sie sich
denken, und liefert dies den besten Beweis, daß auch eine
kleine Gemeinde (die nicht reich ist) bei festem Willen und
Ausdauer, sehr viel zu leisten vermag. Es haben aber auch
alle Mitglieder, ohne Ausnahme, nach ihren Kräften dazu
beigetragen. 6.
Th - ologi e.
Würdigung
der
Bemerkungen zu' den Mittheilungen
aus Naphtalis Briefwechsel
"in No. 1. der ifr. Annalen
von
SR. Hirsch in -Oldenburg.
(Schluß.)
Was sagt nun der Vertheidiger zur Entkräftung dieser
3 so schwer lastenden Rügen? Nichts! ad 1) meint er,
wenn auch nur ein einziger anerkannt tüchtiger Talmudist
mit mir behaupte, daß die an die babylonische Gemeinden
ergangene Ermahnung den zweiten Feiertag foctzufeiern, die
Kraft einer eigentlichen Synodaleinrichtung oder Thekanah
habe, so möge sich Hr. vr. C. hierin für überwunden er¬
klären." Sehr gütig! Diese Bedingung habe ich ja bereits
erfüllt, habe ja schon darauf hingewiesen, daß Maimonides
dieser Feier die Kraft einer Thekanah zuspreche/ Ist ihm
denn dieser wirklich ein Niemand, _ wirklich kein anerkannt
tüchtiger.Talmudist? 'Warum ignorirt der Vertheidiger dies
so gänzlich? Da aber Rambam an anderer Stelle diese
Feier, deren Thekanah ursprünglich aus Minhag entsprang,-