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Die i> Welt"
Nr. 3'4
XII. bis XV. Bez.: Cafö Rudolfsheim; Mariahilf er str. 182.
Restaurant Hertinger, Schwendergasse.
XX. Bez.: Restaurant Hannabräu, Klostenieuburgerstrasse.
Auch hei sämtlichen Wienser Vereinen und Vertrauens¬
männern.
Zentrale der Karten-Ausgabe : Administration
der „WELT", Türkenstrasse 9, bei Sekretär POLL AK (von 8—12
Uor vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags.)
Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt.
Wien, 17. August 1902.
P. T.
Der Arbeits-Ausschuss verschickt an die Kollegen,
die sich zur Teilnahme an dem Internationalen Studenten-
Kongresse gemeldet haben, folgendes Zirkular :
Jeder Kollege muss unbedingt die Hochschüler-
Legitimation zum Kongresse mitbringen und uns schon
jetzt mitteilen, auf welcher Hochschule (Angabe der Stadt)
er inskribiert ist.
Die Legitimation zur Teilnahme an dem Kongresse
werden wir allen bereits gemeldeten Kollegen rechtzeitig
zukommen lassen.
Alle Kollegen wollen uns die ungarische Grenze, von
wo aus sie nach Budapest die königlich ungarischen Staats¬
bahnen benützen und von Budapest wiederum die Grenze,
zu welcher Sie sich begeben wollen, umgehend angeben,
damit wir Ihnen rechtzeitig die Freikarten schicken können.
Gleichzeitig ersuchen wir nochmals die genaue Adresse,
wohin Legitimation und Freikarte zu schicken sind.
Der letzte Termin zur Anmeldung ist vom Präsidial-
Bureau der „Corda Fratres" für den 25. August fest¬
gesetzt, somit müssen sämtliche Beträge schon am 24. in
Wien sein.
Wir fordern nochmals die Kollegen auf, für eine
zahlreiche Beteiligung zu agitieren und sich nur bei
Kollegen jur. Hass, III, Dianagasse 5 (früher III., Kolonitz-
gasse 7) zu melden, selbstverständlich gleichzeitig den Be¬
trag von 3 Kr. zu senden.
Kollegen, die in diesem Jahre maturiert haben,
können am Kongresse nicht teilnehmen.
Jeder Kollege soll eine Photographie zur Legitimation
bereit halten.* Das Komitee, welches die Kollegen in Buda¬
pest empfangen wird, werden wir in der nächsten Zeit
bekanntgeben.
Mit Zionsgruss
Der Arbeits-Ausschuss.
Gemeldet haben sich weiters folgende Kollegen :
Aus Galizien: techn. A. Badian, „Bar Kochba",
(Tarnopol), jur. E. B r o d e r, jur. H. D a m m, jur. A.Hessel,
jur. A. Hausmann, techn. F. Korn grün, jur. B.
Alexineer, techn. 0. Rosenblatt, jur. J. Rauch,
stud. pharm. L. Safrin, jur. W. Siodmak, med. S. R.
Ratzenstein, techn. A. Wink ler, techn. S. Liesen¬
feld, techn. H. Wachmann, jur. J. Parylle, jur.
S. Sil biger, jur. S. Schaff er.
Aus Mähren: Dr. E. M. Zwei g.
Aus Rumänien: techn. L. Häuf, phil. H. Alp er in.
Löbl. Redaktion!
In einem Berichte über eine Kultuswählerversammlung in
Xo. 32 Ihres vv. Blattes wird unter anderem gesagt, dass es vor¬
nehmlich dem bereits gewählten Zionisten zu danken ist, wenn
die Errichtung eines prunkvollen Tempels, der 1 000 000 fl. kosten
würde, verhindert wurde. — Gestatten Sie mir darauf hinzu¬
weisen, dass ich in obigem Sinne schon darum nicht intervenieren
konnte, weil diese Frage gar nicht spruchreif und über die Bildung
eines Finanzkomitees, das für die Herbeischaffung der Mittel ge¬
bildet wurde, nicht hinausgekommen ist. Ueber den übrigen Teil
Ihres Berichtes wird sich an gelegeneren Stellen eine Aeussemng
ermöglichen lassen.
Mit Zionsgruss hochachtend
J. G-ewitsch.
Anregungen für den Nationalfonds.
Zirkular des Herrn Ingenieur Usslschkln.
Ekaterinoslaw. (Sammlungen für den Nationalfonds.) In
Ekaterinoslaw wird folgendes System bei den Sammlungen
für den Nationalfonds mit grossem Erfolge angewendet:
Die Stadt wurde in 60 Bezirke eingeteilt. Jede Woche be¬
suchen an bestimmten Tagen bestimmte Sammler beziehungs¬
weise Sammlerinnen paarweise ihren Bezirk und gehen
von Haus zu Haus. Die sechswöchentliche Erfahrung lehrt
folgendes: 1. Jedes Paar verkauft wöchentlich durch¬
schnittlich um Vj 2 Rubel Marken. 2. Nur 15 Perzent der
jüdischen Bevölkerung weigern sich, Marken zu kaufen.
3. Das Minimum der in einer Wohnung verkauften Marken
ist 1 Kop., das Maximum 1 Rubel. 4. Ein Sammlerinnen¬
paar verkauft mehr Marken als ein Sammlerpaar. Die
Paare sind mit Fragebogen versehen, die von den Besuchten
beantwortet werden und so ein wertvolles Material zur
Beurteilung des Verhaltens der Bevölkerung dem Zionis¬
mus gegenüber bieten. Die Paare verschleissen zugleich
zionistische Broschüren und Flugblätter, so dass das
System nicht nur grossen materiellen, sondern auch
agitatorischen Wert hat. Bis jetzt wurden um 900 Rubel
Marken verkauft. Nach demselben System wird auch in
Jutowka gearbeitet, wo 14—15jährige Jünglinge sammeln.
Das Resultat ist noch unbekannt.
Jüdischer Nationalfonds.
Das goldene Buch.
Doctor Theodor Herzl (neuerliche Spende vom
17. August 1902) zum Andenken an seinen Vater Jakob
Herzl 1000 Kronen. „Buch Zion Kadimah*
in Fr um o sie a 250 Francs. Liga Dr. Theodor Herzl
in Buenos Ayres 253 Francs.
WelN@b*oi)lk-
Die erste Ingenieurin — eine Jüdin. An der Pariser „Ecole
des Pontes et Chaussees" (Polytechnik) hat beim heurigen Schul¬
seh luss die erste Dame das Diplom eines Ingenieurs erhalten,
und zwar eine russische Jüdin, Frl. R. O. Kanyewski. Sie
ist in Zinkow, Poltawaer Gouvernement, geboren und gegenwärtig
22 Jahre alt; sie hat in ihrer Heimat die Vorbildung er¬
halten. Im Jahre 1897 kam sie nach Paris und hörte an der
Sorbonne mathematische Vorlesungen, worauf sie die sehr
schwere Aufnahmsprüfung in die Ingenieurschule glänzend be¬
stand. Frl. Kanyewski möchte sieh dem Eisenbahnbau zuwenden.
El Dorado. „Alle Not hat nun ein Ende." Das ist der
Begriff des Wortes Amerika für die Juden, die ihre Brüder,
die ihnen in Europa das Herz brechen, gnädigst hinüber-
schaffen; dieser Begriff lebt in den Köpfen der jüdischen
Auswanderer, denen sicheres Brot ein Märchen ist. Wie
gross aber die Judennot auch da drüben ist, schreibt in
einem Berichte der Korrespondent des „Berliner Lokal-
Anzeiger 0 : „In dem New-Yorker Stadtviertel, das der
Amerikaner als Ghetto bezeichnet, lebt auf engem Räume
in verwahrlosten Mietkasernen ein eingewandertes Proletariat
polnisch-russischer Nationalität und jüdischen Glaubens (!),
Kinder harten Schicksais und Bedauernswerte, die der
Knute entlaufen, um die schneidende Peitsche des indu¬
striellen Sklaventreibers zu fühlen. Mangel an Schulbildung
hat die meisten zu lebenslänglicher Fronarbeit in den
„Schwitzbuden tf verurteilt. Engbrüstige Gestalten mit
bleichen Gesichtern kauern dort für zwei Drittel der
24 Stunden des Tages auf dem Schneidertische und erhalten
am Freitag-Abend einen Wochenlohn, für den der Normal¬
mensch sich etwa einmal satt essen kann. Jeder dieser
Juden bleibt unter den Glaubensgenossen im Ghetto. Kein
Gebot und Gesetz treibt ihn in dieses und hält ihn dort