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„Die & Welt**
Nr. 34
schattigen: 1. Organisation des Zionismus in Russland:
Berichte der Bezirksbevollmächtigten und ihrer Gehilfen;
Rechensch aftsablegung der zionistischen Gemeinschaften;
Protokolle des Zentral-Komitees, Bildung eines Landes-
Komitees und eines Bureaus, durch dessen Vermittlung
die Gemeinschaften sich über ihre gegenseitige Tätigkeit
unterrichten können, und Organisation von Bezirks-Kon¬
gressen. 2. Bildung eines nationalen Fonds: Ausarbeitung
eines Modus für die Sammlung freiwilliger Spenden. 3. Die
Jüdische Kolonialbank: Verbreitung der Aktien derselben.
4. Kultur: die kulturelle Tätigkeit der Zionisten, Hebung
des intellektuellen Niveaus der Juden, populäre Vor¬
lesungen, Bibliotheken und Lesehallen, Verbreitung von
Büchern in hebräischer Sprache über die Geschichte der
Juden, Referate der Vertreter der Gemeinschaften über
deren Tätigkeit auf diesen Gebieten. 5. Die finanzielle Lage
der Organisation; Verwendung der Geldmittel, Land¬
kauf in Palästina und Unterstützung des Komitees. 6. Ko¬
lonisation Palästinas: Erörterung der Frage hinsichtlich
des Verhaltens der Zionisten zu dem in Odessa bestehen¬
den Unterstützungsverein für jüdische Handwerker und
für die Ackerbauer in Syrien und Palästina. 7. Agitation:
Methoden der Verbreitung der zionistischen Idee, Mass¬
nahmen zum Kampfe gegen den Fanatismus und die Gegner
der Bewegung. —- Zum Kongresse werden etwa 400 Teil¬
nehmer erwartet.
Jaroslau, Am 28. u. 29. v. M. fand im hiesigen Vereine „Bnei
Zion" der zweite galizische Abituriententag der zionistisch
gesinnten Jugend bei einer zahlreichen Beteiligung der
Kollegen statt Nach jedem gut bearbeiteten Referate
(„Kulturzionisrnus'Koll.T a r t a k o w er aus Brody, „ Organi¬
sation" Koli. Aschken asy aus Lemberg, r Agitation - Koll.
Glück er aus Tarnopol) lolgte eine rege Diskussion, die
folgende Beschlüsse zur Folge hatte:
1. Bildung hebräischer Jugendkurse.
2. Bildung gymnastischer Jugend vereine.
3. Bildung einer Organisation aller Hochschüler
Galiziens.
Der dritte Punkt konnte nicht zu Ende geführt werden,
daher ging man zur Wahl einer fünfgliedrigen Kommission
über, welche den Plan der entworfenen Organisation dem
zweiten Lemberger jüdischen Studententage (anfangs Oktober)
unterbreiten soll. R. M.
Voranzeigen.
Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Ar¬
beiter, Zentrale.) Sonntag den 24. d. M. Exkursion
in die Telephon-Zentrale. Zusammenkunft der Teilnehmer
IX., Türkenstrasse 9 (Kongress-Bureau), um 1 j 2 i0 Uhr vor¬
mittags. —- Sonntag den 24. d. M. im Kongress-Bureau
IX., Türkenstrasse 9, Vorlesung und Rezitation zionistischer
Dichtungen vom Vereinsmitgliede Kollegen Koilmann.
Beginn 2 Uhr nachmittags. Gäste herzlich willkommen.
Prag. Der Verein absolvierter jüdischer Handels¬
akademiker „Fraternitas" veranstaltet am 31. August eine
grosse öffentliche Versammlung in Raudnitz a. d.E.
und richtet an alle Gessinnungsgenossen Böhmens die
dringende Aufforderung, sie in diesem ihrem Bemühen
tatkräftigst zu unterstützen.
Kremsier. Der jüd.-akad. Ferialverein „Ossid* ver¬
anstaltet am Sonntag den 24. August 1902 im Saale des
„Hotel Bradna" in Kojetein einen Kommers mit nach¬
folgendem Tanzkränzchen, wozu Gäste willkommen sind.
Bern. Als Ferien-Kommission der „Kadimah" (Bern),
sind die Herren Drd. phil., J. M. S a 1 k i n d, X N. J a k o b-
sohn, cand. ehem., XX und David, Drd. ehem. gewählt.
Alle Zuschriften, welche die Verbindung betreffen, wie An¬
fragen über Berner Studienverhältnisse u. dgl., sind an
folgende Adresse zu richten: Valangen pres de Neuchatel,
„Hotel Guileaum Teil", Monsieur J. M. Salkind. Drd.
phil., für die J. N. St. V. „Kadimah".
Berichte.
Oesterreich-Ungarn.
Suczawa. (Verein „Z i o n"). Am 10. d. M. ist hier
unser Mitglied Herr David Cibener nach langem Leiden
im 36. Lebensjahre verschieden. Mit ihm ist ein treuer An-
hänger unserer Partei verloren gegangen. Friede seiner Asche!
Eger. Auf Einladung des Vereines „Ahawath Zion"
hielt Herr Dr. Kahn (Wien) Mittwoch den 13. d. M. im
Hotel „Kronprinz Rudolf" einen Vortrag über das Thema
„Gibt es eine Lösung der Judenfrage ?*, während Frau
Dr. Kahn über die „Stellung der jüdischen Frau" referierte.
Sowohl der Kultus vorstand als auch der jüdische Frauen¬
verein forderten durch Zirkulare zum regen Besuch auf und
tatsächlich fanden sich sich über 200 Juden aller Stände
ein, um zum erstenmale über jüdische Angelegenheiten
reden zu hören oder selber nachzudenken. Der Obmann
Herr S. Pergamenter, eröffnete den Abend mit einer
Begriissung der Gäste, des Herrn Kultus Vorsteher Beck
und der Vertreter sämtlicher Egerer jüdischen Vereine,
sowie der erschienenen Gesinnungsgenossen der Bruder¬
vereine aus Wien 3 Prag, Pilsen, Karlsbad und Budapest.
Hierauf ergriff Dr. Kahn das Wort und führte in meister¬
hafter Weise aus, dass es eine akute Judenfrage gibt, dass
die versuchten Lösungen verfehlt oder verächtlich seien
und dass die einzige gesunde Judenpolitik auf dem Zionismus
basiere. Die Beredsamkeit, sowie die feine Satire des
Redners machten grossen Eindruck, die grosse Gewandtheit
im jüdischen Gesetze und das fliessende Hebräisch fanden
allgemeine Bewunderung. Zahlreiche Anwesende, darunter
alte und hochangesehene, meldeten sofort ihren Beitritt
zum Zionsverein. Frau Dr. Kahn fesselte die Zuhörer
durch ihre warmen Worte und ihr Appell an die jüdischen
Frauen, mitzubauen am herrlichen Werke, ging allen zu
Herzen. Im Nu waren an 60 Kronen Nationalfondsmarken
verkauft. Von den Gegnern, die sonst so ofe am Biertisch
den Zionismus mit Witzen und souveräner Geringschätzung
abgefertigt hatten, meldete sich leider niemand zum Worte.
Die Sozialdemokraten, die in ihrem Organe ,VolkswiUe*
eine akademische Diskussion über den Zionismus beantragt
hatten, schickten nach mehrmaliger Aufforderung einen
Redner ins Treffen, der den Referenten über die Sonntags¬
ruhe im Judenstaate interpellierte. Tableau!
Marienbad. Donnerstag den 14. August, halb neun
Uhr abends, veranstalteten die zur Zeit in Marien¬
bad weilenden Zionisten im grossen Saale des „Hotel
Walhalla" (Löwenthal) einen mit Vorträgen verbundenen
Zionisten-Abend, der durch Plakate angekündigt war. Das
Arangement wurde seitens des Vorbereitungskomitees, das
aus den Herren Eaygrodzki (Lodz), Rudolf Perl
(Frag), Massarek (Filsen), Brainin (Berlin) bestand,
unserem Gesinnungsgenossen, dem Redakteur der „Ungar.
Wochenschrift* Herrn Julius Gabel übertragen, der
seiner Aufgabe sehr gut gerecht wurde. Der Saal, der
6—700 Personen fasst, war schon um sechs Uhr bis aufs
letzte Plätzchen gefüllt, so dass zirka 500 Gäste Raum¬
mangels wegen umkehren mussten. Den Glanzpunkt des
Abends bildete der Vortrag des Herrn Dr. L. K a h n (Wien).
Die übrigen Vortragender, unter denen in erster Reihe der
Schriftsteller R. Brainin und der Tragöde des Herzogl.
Meiningen'schen Hoftheaters Herr Maurice Morrison
genannt zu werden verdienen, gaben sich redliche Mühe,
den Abend zu verschönern.
Banjaluka. Am Samstag den 9. d M. hielten die Zionisten
Banjalukas in der Restauration der Militärbahn eine Ver¬
sammlung behufs zionistischer Propaganda ab. Zahlreiche
Sefardim fanden sich ein und Herr Kalef, Redakteur des
„Haschofar" aus Philippopel, führte in zwei begeisterten
Reden die Bedeutung, Wesen, Zweck und Entstehen des
Zionismus aus. Die Jüdische Kolonialbank und der National¬
fond wurden besprochen und das Publikum verfolgte mit
regem Interesse diese Ausführungen. Dank den Vor¬
arbeiten unserer Gesinnungsgenossen Herrn Bankbeamten
Rosenzweig und Herrn Abraham S a 1 o m, hat sich jetzt,
von Herrn Kalef angeregt und von Herrn Rosenzweig
unterstützt, ein provisorisches Komitee gebildet, welches
den Verkauf von Aktien der Bank und von Nationalfonds-
marken, sowie eventuell Gründung eines Zion Vereines in
Aussicht genommen hat. In dieses Komitee wurden gewählt:
Herr Adolf M i 111 e r, Vorstand der h. o. österr.-ungar.-
israel. Kultusgemeinde, Herr Rafael Doljokan, Herr
Abraham Salom und Bankbeamter Rosenzweig. Zum
Schlüsse wurden Natiohalfondsmarken verkauft, und war
ein ziemlicher Vorrat daWm in wenigen Minuten vergriffen.
Krakau. Am 16. August (Schabath Nachmu) wurde
unter zahlreicher Beteiligung das Bethaus „Schaarei
Zion" feierlich eingeweiht. (Wie bekannt, haben die
Krakauer orthodoxen Zionisten beschlossen, behufs regerer
Agitation unter den orthodoxen Juden eine neue Agita¬
tion ins Leben zu rufen und zu diesem Zwecke ein
Bethaus unter den Namen „Schaarei Zion" gegründet.)
Vor der Thora-Verlesung ergriff unser Gesinnungsgenosse