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„DI* 4r Weife*
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die offizielle Erlaubnis zur Abhaltung der Konferenz, weil
er die zionistische Sache als das einzig radikale Mittel
zur Lösung der Judenfrage betrachtete. Ehre seinem An¬
denken ! G—t.
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Die Berberstämme in Maquinez griffen die gleichnamige
Stadt an und machten Beute an Vieh. Sie konnten nur dadurch
abgehalten werden, grössere Beute zu machen, dass der Gouver¬
neur sie für den Moment beruhigte. Das Judenviertel ist ge¬
schlossen und mit Barrikaden versehen.
*
In Berkeley Springs bei Baltimore, wo er den Sommer
zubringen wollte, starb in hohem Alter der emeritierte
Rabbiner Dr, Benjamin S z o 1 d aus Baltimore. Geboren
in Nemeske>t in Ungarn, war Dr. Szold nach den
Ereignissen von 1848 nach der neuen Welt ausgewandert,
wo er durch seine grosse Gelehrsamkeit und sein echt
jüdisch-humanes Wirken ein ungeheures Ansehen sich zu
erwerben verstanden hat. Als die zionistische Bewegung
ihren Siegeslauf antrat, war Dr. Szold schon zu alt, um
sich aktiv an derselben zu beteiligen, aber mit ganzer Seele
war er der unsere und in seinen Kindern stellte er kräftige
Pionniere und Streiter dem Zionismus. Insbesondere seine
Tochter Miss Henrietta Szold, Sekretärin der „Jewish
Publication Association 0 , ist eine unserer eifrigsten Vor¬
kämpferinnen in Amerika.
*
Am 31. August d. J. starb in Wien im Alter von nur
23 Jahren Ingenieur Gustav Bettelheim. Der Verstorbene
war ein hochbegabter Musiker und hervorragender Cellist.
Er hat im vergangenen Winter des öfteren bei den Konzert-
Abenden der Toynbee-Halle mitgewirkt und er hat die
Besucher derselben durch sein künstlerisches Spiel stets
zu stürmischem Beifall hingerissen. Die Toynbee-Halle wird
ihm ein ehrenvolles Gedenken bewahren. Eosa F.
^pibüne.
Herr I. L. Koretz in Ropcyce (Galizien) ersucht
uns mitzuteilen, dass er sich der Aufgabe unterzogen habe, allen
Reflektanten Palästina-Ethrogim zu möglichst billigem
Preise und ohne "jeden geschäftlichen Nutzen zu besorgen. Er
werde eine Anzahl von Ethrogim direkt aus den palästinensischen
Kolonien erhalten. Die Preise könne er nicht im voraus be¬
stimmen, versichert jedoch, dass er im Interesse der Sache be¬
strebt sein wird, alle Besteller zu befriedigen. Bedingungen der
Bestellung: 1. Für jeden Feststraus3 (Ethrog, Palme und
Myrten) ist eine Angabe von einer Krone einzusenden, der
Restbetrag wird durch Nachnahme eingehoben. 2. Die Besteller
mögen die gewünschte Qualität (Muwcharim, I 4J II. oder III.
Güte) angeben, ferner ob sie Ethrogim mit oder ohne Krone
(Pitum) wünschen. Letztere sind billiger und bieten überdies
die vollständige Gewähr ihrer palästinensischen Provenienz, da
anderwärts keine Ethrogim ohne Krone wachsen. 3. Die Be¬
steller mögen angeben, ob sie ein in Palästina versiegeltes
Kistchen wünschen. In diesem Falle könne er für den Inhalt des
KiStehens selbstverständlich keine Garantie übernehmen. 4. Bei
Anfragen ist Rückporto beizuschliessen. 5. Sollten zu wenig
Bestellungen einlaufen, als dass sich die Reisespesen nach Triest
lohnten, so werden die Besteller ihren Angabebetrag zurück¬
erhalten.
Anregungen für den Nationalfonds.
Friedrichstadt, den 10. August 1902.
Sehr geehrter Herr Redakteur!
Bitte gefälligst in Ihrem Blatte folgende Anregung
für den Jüdischen Nationalfonds zu veröffentlichen: In
einigen baltischen Städten werden einigemale im Jahre
Sonnabende bestimmt, wo alle "ryp 1 ?!?,, * n allen Synagogen
zugunsten des Jüdischen Nationalfonds verkauft werden.
Es wäre sehr wünschenswert, das auch andere Städte diesem
guten Beispiele folgen sollen, was dem Nationalfonds einen
bedeutenden Nutzen bringen wird.
Mit Zionsgruss
Mordechai Schatz.
I
Wilna. Da es in London. New-York und vielen anderen
Städten jüdische Theater gibt, deren Besucher meistens
Juden sind, wäre es vielleicht möglich, dahin zu wirken,
dass jedes Billet mit einpr Nationalfonds-Marke versehen
werde, infolgedessen dem Nationalfonds bedeutende Summen
zuüiessen würden und wodurch die Propagierung unserer
Sache grösseren Boden finden wird. Mit Zionsgruss Chonon
Liebermann-Rogoff.
*
Sehr geehrte Redaktion!
Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit auf eine neue
Einnahmsquelle für den Nationalfonds hinzulenken. Ich
meine das Sammeln von Postwertzeichen in den verschiedenen
Ländern. Wenn auch die einzelnen Marken selbst keinen
nennenswerten Wert haben, so summiert sich dieser doch
in einer grösseren Anzahl. Und diesbezüglich kann man bei
der so grossen und weiten Verbreitung unserer Idee au*
das grösste Quantum rechnen.
Ebenso wäre die Sammlung von unbenützten Erlag¬
scheinen der Postsparkasse eine Einnahme des National¬
fonds. Nur müsste die Sache konzentriert werden und ich
würde als Sammelstelle die Administration Ihres Blattes
vorschlagen.
Mit Zionsgruss
Wien. Ingenieur Herz.
Jüdischer Nafionalfonds.
Das goldene Buch.
Zum Andenken an den verewigten Rabbiner Benjamin
Ben Boruch Dr. Szold von den Vereinen „Chewras Zion",
„Esras Chovevei Zion", „B'noth Zion" in Baltimore
10 Pfund Sterling.
Zum Jubiläum der 25jährigen Arbeit des Herrn
Lehrers Salomon Mejerowitz in Berdyczew im Namen
der Berdyczewer Zionisten 95 Rubel.
„Paarl Zionist Association" (Präsident
Dr. W. Hirschowitz, Kassier D. G o 1 d i n g, Sekretär
J. A. Cohen) in Paarl, Südafrika, 10 Pfund Sterl.
Michel Ben Schmuel Benjamin Urias-
s o h n und Frau Be.la in Grodno 10 Pfund SterL
„Societate-a Sionista Ester a* in Botosani
10 Pfund Sterlin g.
„Smolenskaner Zionisten-Verein" in
Smolensk 10 P f un d S t,er 1 in g.
„ZionistischerHandwerkerverein" (Präs.
J. Braunstein) in Berlad 250 Francs.
Wel^iSbFonik-
Juden als Holzflösser auf dem Czeremoszflusse. In der „Forst-
u. Jagdzeitung" vom 1. v. M. finden wir eine interessante Schil¬
derung „Die Trift auf dem Czeremoszflusse" vom k. k. Forstrate
L. Kochanowski, in welcher auch über die Eigenschaften der
Flösser berichtet wird. Es heisst da: „Zu dieser Schilderung
der Triftverhältnisse im Gebiete des Czeremoszflusses fügen wir
noch diejenige der Eigenschaften der Flösser hinzu, weil sich hier
langsam Verhältnisse vorbereiten, an welche man bis jetzt gar
nicht gedacht und die man nicht geahnt hatte. Dem bäuerlichen
Flösser erwächst nämlich eine nicht zu verachtende Konkurrenz
seitens der Juden. Für die anfänglichen, beschränkten Verhält¬
nisse sind die einheimischen Kräfte mit ihrer bisherigen Uebung
ausreichend gewesen. Mit dem Momente aber, als man begonnen
hatte, die Waldungen intensiver zu nützen, ergab sich Mangel
an eingeübten Flössern und Triftknechten. Mit welchen Ver¬
hältnissen man hier zu kämpfen hatte, beweist der Umstand, dass
im Jahre 1863 nach Inbetriebsetzung der Szybenyklause der da¬
malige Besitzer der Domäne Jasienow, Strasser, eigenhändig mit¬
helfen musste, um das Floss auf das Hauptwasser zu bringen,
weil die vorhandenen Flösser dazu keinen Mut fanden. Man war
dazu gezwungen, fremde Flösser, und zwar aus Ungarn, zu brin¬
gen. Es lässt sich jedoch nicht ableugnen, dass der Huzule viele
angeborene Fähigkeiten besitzt. So geschah es, dass bald das
Beziehen fremder Flösser überflüssig wurde, die einheimische Be¬
völkerung bewältigte vollständig die gestellte Aufgabe und man
war mit ihrer Leistung vollkommen zufrieden. Seit etwa 5—6
Jahren haben sich jedoch in das bis jetzt lediglich von den
Huzulen beherrschte Arbeitsgebiet gefährliche Konkurrenten, die