Slitc IS
„Die 3$: Welt
beleuchtetes Gesicht, aus dem Intelligenz und Güte sprachen.
Kr war ganz modern, sehr sauber, ja gewühlt gekleidet. Vor
ihm sassen auf einer hölzernen Bank etwa zehn kleinere
Knaben, denn der Betraum für die Frauen diente zugleich
als Selnilzhnnier. und blickten mit grossen, neugierigen
Augen auf den Fremdling. Zwei Männer leisteten dem
Rabbiner Gesellschaft. Es waren flüchtige Israeliten aus
Volo und Larissa. Der Rabbiner hatte etwas auf dem
Herzen. Die Brandartikel, welche die gtiechisehc Presse in
diesen aufgeregten Zeiten gegen die Juden richtet, bekümmerten
den erfahrenen Mann. Sie hetzen den Pöbel auf und können
unter Umständen zu einer ernsten Gefahr werden. Es be¬
darf wohl kaum der Erwähnung, dass all jene gegen sie
geschleuderten Anschuldigungen völlig aus der Luft ge¬
griffen sind. Die Israeliten standen ebenso wie die Christen
im feindlichen Feuer, und die Last der Steuern ruht auf
ihnen vielleicht noch schwerer, als auf den übrigen
griechischen Staatsangehörigen, da die Gemeinde sehr arm
ist. Die Gemeinde ist sehr jungen Ursprunges. Zu Anfang
des Jahrhunderts gab es nur zwei bis drei israelitische
Familien in Athen. Erst im Laufe der letzten Jahrzehnte
entstand die jetzige Gemeinde mit eigener Synagoge, worin
der Gottesdienst in hebräischer Sprache abgehalten wird,
während das Spanische die Umgangssprache ist.
Zur Militärstatistik der Juden. Wenn wir das militär-
statistische Jahrbuch aufmerksam ansehen, gelangen wir
zu der Feststellung, dass der Pereentsatz der Juden im
Heere für Oesterreich ein wesentlich höherer ist. als
gemeinhin behauptet wird. Die Juden stellen percentuell
mehr Soldaten, als viele andere V'olksstämme in Oesterreich.
Wenn die Juden bei 45 per Mille der Bevölkerung
nur 38 per Mille des Soldatenstandes stellen, wie verhalt
es sich mit den anderen Nationen ? Das ist in demselben
Buch zu lesen.
l'err entsalz 1* e r ceti tsa t ss
N a t i« n e ii d e r des
B e völ k o r ii ii g Sud a l e »Standes
Deutsche......300-5 pro mille 28s pro mille
Polen.......1 58 i . ., ,
Czechen......233 2 .. ., IM- ,,
Ruthenen......1322 „ , 84 „ '„
Slovenen......50*1 ., „ s!» „ ,
Diese vergleichende Statistik beweist doch mehr als
ellenlange Betrachtungen. Bei keiner einzigen Nationalität
decken sich beide Percentsätze ! Allein durch Vergleichung
der Daten des Jahrbuches vom Jahre 18!»;! mit den Resultaten
der Volkszählung kann man noch zu anderen, für die
• luden sehr vortheilhaften Schlüssen gelangen.
v , . Bevölkerung»- Soldaten-
.\ a 11 <i n • .... •,,.
zitier 7, ii 1 v. r
Deutsche...... 8,401.580 308.085
Polen....... 3.719.232 99.511
Czechen ...... 5, 472.871 154.08O
Ruthenen...... 3,105.221 90.011
Slovenen...... 1.170.672 31.422
Juden....... 1.113.305 40.314
Und das bedeutet :
Es etil fallen auf 100 Polen '-'•67 Soldaten
,, .. „ „ Czechen 2-81 ,,
., .. „ ., Slovenen 2-07 „
aber ,, ., Juden 353 .,
und nur ., ,, Deutsche 3-<>t ,,
Die Stätte der Gräber Davids und der jüdischen Könige. Herr
(lermont-Ganneau verlas in der Sitzung der „Aeademie des
inscriptions et helles lettres* vom 13. August eine Studie über
die wahrscheinliche Stätte der Gräber Davids und der jüdi¬
schen Könige. Bekanntlich hat. dieses interessanteste Problem
der jüdischen Geschichte und der hebräischen Archäologie
noch immer nicht diesehnliehst erwartete I .ösung gefunden. Die
ehemals von Herrn de Saucly gepredigte Lösung, der/.ulölge
die königliche Nekropole in der Kolmr-el-Moluh im Norden
von Jerusalem zu erblicken ist, kann nicht mehr aufrecht
erhalten werden, führte der Vortragende zuerst aus. Dieses
seltsame Grabmal, das im römisch-griechischen Stile erbaut
ist. ist wahrscheinlich das der Königin Helene von Abadiene
und hat nichts mit dem der jüdischen Könige zu schaffen.
Herr Clerinont-Ganneau sprach dabei sein Bedauern darüber
aus, dass die französische Regierung durch die Annahme der
Schenkung dieses Grabmales durch einen reichen Privatmann
eine Doctrin weihe, die eine wahre historische Ketzerei bilde:
die Akademie müsse daher, auf ihre Autorität in diesen
Fragen sich stützend, einschreiten, um eine Aenderung der
Inschrift dieses Monumentes, das man die , Gräber der jüdischen
Könige' benannt habe, herbeizuführen. Der Vorsitzende brachte
darauf eine Menge historischer Beweise und vorzüglich
genaue Studien eines unterirdischen Aquäducts von 5oo Metern
Länge, der, wie eine hebräische Inschrift in phönicischen
Charakteren am Ausgange desselben beweist, in den Felsen
unter dem Hügel Ophel zur Zeit des Königs Zachias ge¬
graben wurde, für die These zur Geltung, dass die Grab-
mäler der jüdischen Könige in oder an diesem Aqäduct zu
suchen seien. Diese Wasserleitung nämlich, die einen wahren
Tunnel bildet, besehreibt in ihrem südlichen Theile einen
ungeheuren, rechtwinkeligen Umweg, für den sieh bisher
keine Erklärung hat finden lassen; Her Clermont-Ganneau
sucht zu beweisen, dass dieser Umweg nothwendig war, um
nicht auf die jüdischen Königsgräber zu stossen, die sich in
der Tiefe des Hügels befanden. Dieser Inductionsbeweis ge¬
stattet, genau das Terrain zu bestimmen, das man in Angriff
nehmen müsste. um den geheimnisvollen Einang zu der
Nekropole freizulegen, in der die Körper Davids, Salonions
und ihrer Nachfolger beigesetzt sind. Dieser Eingang, der
bisher allen Nachf'oi schlingen sich entzogen hat, müsste den
französischen Gelehrten zufolge nicht, wie man bisher an¬
genommen, in einer monumentalen Pforte, sondern in einer
einfachen Brunnenöffnung bestehen, durch die man nach
dem Vorbilde alter phöniciseher und ägyptischer Grabmäler
in die Nekropole hinabstieg. Das beweise klar eine Stelle
des Flavius .losephus. deren Sinn man bisher nicht ver¬
standen habe. Auf diese schon vor längerer Zeit von Herrn
Clermont-Ganneau enwickelten Ideen hin hat bereits ein
englischer Archäologe, Dr. Bliss. natürlich ohne den Namen
des französischen Gelehrten nur zu erwähnen, Nachgrabungen
in diesem Sinne angestellt, ohne indessen irgend ein Er¬
gebnis zu erzielen. Herr Clermont-Ganneau meint, dass das
erklärlich sei. weil Bliss trotz seiner Clermonts -- ge¬
nauen Angaben die Nachgrabungen von ausserhalb des
Winkels angestellt, während man im Gegentheil innerhalb
desselben hätte nachgraben müssen. Man müsse deshalb die
Operation in dieser Richtung wieder aufnehmen. Das
Studium der in dieser Hinsicht von den Gelehrten der
Akademie unterbreiteten Vorschläge wurde einer aus den
Herren Maspero. Prager, Oppert, Dieulafoy, Marquis de
Vogue und dem Antragsteller zusammengesetzten Commission
überwiesen.
Die Juden in den höheren preussischen Unterrichtsanstalten.
Das „Ergänzungsheft für die gesammte Unterrichtsver¬
waltung in Preussen" bringt folgende Daten über die Be¬
teiligung der Juden in den höheren Unterrichtsanstalten.
Es besuchten : Sommer 1890
evangel. kathol. jüdische dissident.
»iymnasien 51275 22049 6583 117
IVogymnagien
Realgymnasien
Realprogy mnasien
Oberrealschulen
Realschulen
2522
Gymnasien
Progy mnasien
Realgymnasien
Real progy mnasien
Uberrealschulen
Realschulen
51111
8512
1(1532
10310!»
evangel.
W!M 3
2111t
18021
1903
838(1
101(12
"100752 ~
2540 36! 2
3004 2047 Mi
837 268 21
2117 656 12
2430 1830 95
'33073" 11745 373
Winter I8',I0'7
kathol. jüdische dissident.
21562 6424 112
2515 346 I
3006 2002 87
812 264 22
2100 624 41
2373 1799 !M
32374 11459 354
Mit dem Zeugnis der Reife wurden entlassen aus den
evangel. kathol. jüdische dissident.
Gymnasien 2918 1220 343 0
Realüvmnasien 05') 84 31 9
Realschulen 124 34 6
3701"" ' ' 1438~"380 15 ~~
Es sind also mehr als ~'','%, der Schüler in den
höheren Lehranstalten Juden. Unter den Abiturienten sind
die Juden mit 7 "/„ der Gesammtzahl vertreten.
Eine antike Landkarte Palästinas. Wohl die interessanteste
und wertvollste Landkarte aus dem hohen Alterthum ist in letzter
Zeit zu Madaba in Palästina entdeckt worden. Einein Berichte
des Herrn lnspectors Gatt zu Gaza entnehmen wir nach¬
folgenden Thatbestaud : Gelegentlich des Baues einer Kirche
fanden die Griechen einen Mosaikltoden. der ursprünglich
wohl 2so (juadnitmeter umfasste. wovon beute nur noch
18 übrig sind. Dieser Mosaikboden bildet eine geographische
Karle von Palästina, vom Berge Libanon bis nach Aegypten,
vom Mitleimeere Iiis Mesopotamien. Die Zeichnung ist sehr
genau, die Farben natürlich. Hochinteressant sind die ein¬
zelnen Partien. Man sieht noch ein Stück des Jordanllusses,
in dem Fische schwimmen. Nordöstlich von Jericho führt
eine Brücke über den Fluss. In der Jordans-Au verfolgt ein
Löwe eine Gazelle. Auf dem todten Meere erblickt man
Segelschiffe. Auf einer weiten Strecke Landes neben dem