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Maffaere .
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Bon Salo Deutsch .
Frühlingsabend . Mitten im Dorf stehen die Bauern
zuhause » . Jeder der Männer hält was in der Faust , das
ein Zeichen seines Berufes sein kann : eine Heugabel , eine
Sense , einen Dreschflegel . Aber die Miene , mit der jeder -
lnann blickt , der Griff , mit dem er ' s packt , macht das Ge -
rnth zum Todeswerkzeug .
„ Wisst ' s , Männer , da lasst sich amal nix mehr thun .
— Die Dirn is hin . Der Jud hat Ostern auf d ' Wochen .
— Aber die Leich soll er herausgeben , daß die List a christ -
lichs Begräbnis kriegt ! "
Das ist der Krämer , der so spricht ; ganz ruhig uud
als wollte er beruhigen . Aber er kennt seine Leute .
„ Die Leich ' — die Leich ' soll er herausgeben ! " schreit
gleich d ' raus alles wild durcheinander . „ A christlich ' s Be¬
gräbnis soll die Dirn krieg ' n ! " Und ein Stein fliegt gegen
das Fenster des Juden .
Frau und Kinder zittern vor Angst lind Kälte tief
unten im Keller . Und der Mann zählt die Schläge , die
gegen die Thür seines Ladens dröhnen . Aber die gibt nicht
so schnell nach , das weiß er .
„ Im Keller hat er die Leich ' versteckt ! " hört er da
die Stimme des Krämers wieder . „ Sprengt ' s die Hinter¬
thür ! "
Im Keller ! Herrgott , das Weib und die Kinder !
Aber — wenn diese Leute plündern können , vergessen
sie vielleicht , weshalb sie da sind .
Er drückt ein Fenster ein und steckt den Kopf hinaus .
— „ Hoho , der Jud ' , der Jud ' ! " brüllt ' s von allen Seiten .
Und da sie , eng gedrängt , ihn mit den Prügeln nicht er¬
reichen können , spucken sie ihm in ' s Gesicht .
„ Ich mach ' euch a > > f — aber ihr müßt meine Leute
in Ruh ' lassen " —
„ ' S Maul halten , Jud , und die Thür mach ' auf ! Die
Leich ' woll ' n wir haben . "
„ Na , so sucht ' s euch sie halt ! " knirscht er und öffnet .
Und die Bauern finden Schnaps .
Sie stoßen ihn zur Thür hinaus . Er muß nicht wissen ,
was jeder raubt .
Vom Krämer bekommt er de » ersten Schlag . Er ivill
alle Schlüssel des Hauses haben . Alle . Und die Schläge
folgen ohne Zahl .
Da kommt ein Knecht aus dem nächsten Dorf und fragt ,
was es gäbe .
„ Die Lisl hat er um ' bracht und jetzt will der Lump
nicht sagen , wo ' s versteckt is . "
„ Wo d ' Lisl versteckt is ? Na , bei unfern Großknecht
halt ! Mein Bauer schickt mich zu ihr Vätern . Sie hat sich
bei uns verdungen . — Aber jetzt laßt ' s auch den Hascher
los ! " Und der Bursch will grob werden .
„ Ah geh " , murrte der Krämer . „ Misch dich net d ' rei » ,
wo ' s dich doch nix angeht . — Weißt , Toni — jetzt — wo
wir ' n amal haben — schau — es is ja nur der Jud — "
„ Ah so — es is nur der Jud ? ! " — - -
II .
„ Also , wie war denn der Alte diesnial ? "
„ Aber , der ist ja ganz darnieder — kaum mehr zu¬
rechnungsfähig — wenn man auf die Tochter zu sprechen
kommt . Die Hauptsache übrigens : Achtzigtausend will er
schon geben . "
„ Thut mir leid — Ich bin unter hundert nicht zu
haben . Und wenn wir ihn noch ein par Tage zappeln lassen
— — und was ist ' s mit dem Mädel ? "
Ich Hab ' sie hinter der Portiöre schluchzen gehört . Sie
hat offenbar gehorcht . Du , Otto , das Mädel muß dich aber
wirklich furchtbar gern haben ! "
„ Ja , das will ich meinen . Aus bloßem Vergnügen
pflegt man sich doch nicht in ' s Wasser zu stürzen . Und so
ein kleines Nervenfieber — "
„ Ja , die Krankheit der Tochter hat die Eltern außer¬
ordentlich hergenoinmeu . Der Alte scheint auch mit seinen
Kräften zu Ende zu sein . Im Vertrauen : Ich glaube , daß
er dir thatsächlich sein Letztes gibt , wenn du aus den Hun¬
derttausend bestehst — "
„ Gewiß besteh ' ich d ' raus ! Ich werd ' mich doch nicht
wegmerfen ! "
„ Aber ich bitte , renommir ' doch nicht ! Im übrigen :
Dieser Alte , den vor Aufregung der Schlag zil rühren
droht und seine Frau , die ewig die Hände ringt und ihn
bittet , uachzugeben , wenn er das Mädel am Leben erhalten
will — weißt du , mein Lieber , besorg ' dir gefälligst solche
Geschäfte nächstens wieder selber — "
„ Ja freilich ! ich soll mich wohl von meinen p . t .
Schwiegereltern vor der Hochzeit noch fressen lasse » ! Da ist
übrigens der kleine Doctor ! O nein , lieber Doctor , sie
stören gar nicht , es ist nur vom Heirate » die Rede ! "
„ Äh , ist ' s also doch wahr , daß sie sich in ein reiches
Mädchen verliebt haben — ? "
„ Na — mein Gott — ich — mich — in sie verliebt !
Es wird wohl umgekehrt sein ! Na , und der Alte macht
eben Schwierigkeiten mit dem Geld — aber Gott sei Dank ,
ich Hab ' ihn in der Hand — "
„ So ? hat das Mädel — hm — Dummheiten ge¬
macht ? " —
„ Ja , es mag schon so was sein . — Der Alte ist
übrigens Fabrikant . Vielleicht kennen sie die Firma , Körner
und Freundlich , Schuhwaaren . "
„ Ah gewiß ! Einer der Chefs war ja heut bei uns ;
der andere hat ihm die Gesellschaft gekündigt , weil er Bar¬
geld braucht . Und das soll natürlich ein Proceß werden . "
„ Ja , das Geld braucht der alte Körner , nämlich für
mich . Ich hätte nicht geglaubt , daß es so weit ist — "
„ Ah , den Mann haben sie aber gehörig hergenommen ,
lieber Otto ! Der scheint wirklich ausgesangt zu sein bis auf
die Knochen . Aufrichtig gesagt , lieber Freund : Er bezahlt ' s
wirklich etwas theuer , daß sie die Gnade hatten , ihm das
Mädel zu ver — "
„ Aber , Doctor ! — Sparen Sie doch diese mitleidige
Regung ihres weichen Advocatenherzeus . Er wird ' s schon
verwinden . Der Mann ist ja ein Jud ! "
„ Ah so — ein Jud ? ! " - - -
III .
„ Excellenz , ich habe mir erlaubt , der Facultät unter
der Hand andeuten zu lassen , daß man höhererseits die phi¬
losophische Lehrkanzel mit einer Persönlichkeit von zweifel¬
los geiuäßigter politischer Richtung besetzt zu sehen wünsche .
Das Professorencollegium schlägt puimo st unico loco den
Professor Dr . Ludwig Steiner vor . "
„ Steiner ? Den Mann kenn ' ich ja nicht ! "
„ Er ist Gymnasiallehrer , Excellenz ! "
„ Ja , Herr Hosrath , will uns die Facultät zum besten
halten ? Wie wird der Vorschlag begründet ? "
„ Excellenz , der Mann hat ein grundlegendes Werk
über griechische Philosophie geschrieben — "
„ Ja , ein Werk , das kein Mensch kennt — "
„ Excellenz , der Mann ist eben Gymnasiallehrer . Er ist
dabei einer der gründlichsten Kenner der gesammten päda¬
gogischen Literatur , auch ei » praktischer Pädagoge von
Ruf
„ Nun , und politisch " — ?