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Warschau. Die hiesige Disc ontobanlc nimmt
Beträge von 1 Rubel 90 Kopeken aufwärts für die
Jüdische Colonialbank an. Die Subscription verspricht hier
einen schönen Erfolg. M. Feld . . . n.
Pinsk, 10. April (Telegramm). Bei uns wurden bisher
hunderttausend Shares gezeichnet
Beträgt unter zweihundert Rubel für die
jüdische Coionialbank nehmen in Russland ausser der
Discontobank in Warschau noch die Firmen :
G e b r. G. & J. Lourie in Hornel und die Pinsker
Gesellschaft gegenseitigen Credits in Pinsk entgegen.
*
Ein katholisch er Geistliche rin Ostpreussen
begleitete seine Subscription mit folgenden Worten : „Er¬
lauben Sie einem armen katholischen Priester, Ihnen seinen
bescheidenen Share, seinen demüthigen Obolus für die
Jüdische Colonialbank darzubringen. Ich habe nur das
einzige Bedauern, dass ich nicht über Millionen verfüge —
sie würden Ihnen gehören.“
Blätterstimmen.
Die „ B aseler Nachrichten“ schreiben :
Schon auf dem letzten Zionisten-Congresse in Basel
wurden die Grundzüge dieser ins Leben zu rufenden jüdisch¬
nationalen Colonialbank besprochen und festgestellt. Nun¬
mehr ist der Prospectus erschienen, der die Aufbringung¬
en) es Grundcapitales von 2 Millionen Pfund Sterling zu
1 Pfund Sterling per Actie versucht und damit vorerst ein
regelrechtes Bankgeschäft zu betreiben beabsichtigt, bis es
ihm gestattet sein wird, in Palästina selbst Landerwerb,
Industrie, Handel und Ackerbau zu befördern.
lieber die Frage der einstweiligen Verwaltung und
Rentabilität der Bank antwortete schon in Basel ein Mit¬
glied des Vorstandes: „Ob er eine jüdische Leitung für
fähig halte, ein Geldinstitut zu dirigieren, damit es finanziell
gedeihe?“ Die Antwort konnte nicht anders als bejahend
ausfallen, denn an Proben fehlt es wahrlich in der Welt der
Finanzen nicht.
Die Jüdische Colonialbank wird von einigen Kritiken
irrthümlich als eine religiöse hingestellt. Das soll sie nach
den Intentionen der Initianten nicht sein; sie wird im
national-wirtschaftlichen Sinne zur Wirksamkeit berufen.
Das arme, geplagte Volk der jüdischen Rasse ist in den.
Ländern, in denen es sich niedergelassen hat, kaum geduldet,
meistens missachtet und noch öfters den gröbsten Unbilden
ausgesetzt. Dass einige hundert Familien zu grossen Reich-
thiimern gelangt, ein gewisses finanzielles Ansehen geniessen,
dass wissenschaftlich Gebildete unter den Juden bei ihren
Fachgenossen ebenbürtig behandelt werden, sind Ausnahmen
von der Regel, die die grosse jüdische Volksmasse in Russ¬
land, den Balkanländern und in Nordafrika nicht besser
stellt. Was der Antisemitismus in Paris, Berlin, Wien und
anderen Orten erzeugt hat, kennen alle Zeitungsleser
hinlänglich,
Deswegen haben jüdische Männer die nationale Fahne
aufgepflanzt, dem zerstreuten Volke der Juden eine Heimat
zu finden, wo sie ungestört und unbehelligt Juden sein
dürfen. Das nennt man : Zionismus, und zur Erreichung
dieses Zieles braucht man u. a.: Geld: Darum eine Jüdische
Colonial bank.
Der Mainzer „I s r a e 1 i t“ enthält folgende Unwahr¬
heit: „2000 Mark — sind als Gründerspesen d. h. ä fond
perdu gezeichnet worden, mit diesem Gelde ist zunächt eine
grosse Reclame in sämmtlichen jüdischen Blättern der Welt
gemacht worden.“
Der Betrag, den die Garantoren des Gründungsfonds
freiwillig gesteuert haben, ist natürlich ein weit grössere)*,
mit der lächerlich geringen Summe, die der brave „Israelit“
nennt, war die Publicität der jüdischen Blätter, die uns zu
bekämpfen pflegen, nicht zu erkaufen. Einzelne von diesen
haben sich das Inserat umso theurer bezahlen lassen, als es
sie eine „Ueberwindung kostete- dem Prospecte Aufnahme
zu gewähren.“
*
Leipziger Neueste Nachrichten!
Die vorstehend genannte Corporation wird unter dein
Namen „The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank)
Limited“ mit dem Capitale von 2,000.000 LstrL begründet,
das in 1-999.900 Lstrl. in 1 Lstrl. Stammactien und 100 Lstrl.
iü Gründeractien zerfällt» Die Letzteren, die keinerlei pecu*
märe Ansprüche an die Gesellschaft begründen, werden vom
„Council“ übernommen werden, einer aus circa 20 Personen
bestehenden Aufsichtsbehörde, die sich aus Dele¬
gierten der zionistischen Organisati onen
zusammensetzt. Dieser Behörde steht da¬
durch ein collectives Stirn mr echt gleich dem
der gesammten Stamm actien zu, das aus¬
schliesslich zur Währung der zionistischen
Ziele, für welche die,Gesellschaft begründet
wird, dien t. Der Erfolg der Emission scheint durch den
Umfcing der bereits geschehenen Anmeldungen für Stamm -
actien gesichert zu sein. Unter den Plänen, welche durch
die Bank verwirklicht werden sollen, sind Eisenbahn-Unter¬
nehmungen an erster Stelle anzuführen, ferner die Förderung
aller Industrien und Colonisationsunternehmungen in Syrien,
Palästina und anderen- Theilen der Welt, wo dies dem
jüdischen Volke zugute kommt. Die Ausbeutung der syrischen
Kohlenlager, des Weinbaues, sodann die Errichtung in¬
dustrieller Anlagen jeder Art, namentlich aber auch der
Weizen bau im grossen Stile, sollen energisch betrieben
werden, und es soll kurzum nicht sowohl die Erzielung '
grösserer Dividenden auf das Capital der Bank, als die
finanzielle Unterst ü t z u n g allerpraktis eh en
Zwecke des Zionismus gesichert werden.
* *
Die „Pall Mall Gazette“, eines der angesehensten Or¬
gane der englischen Presse, bringt einen, aus zionistischen
Kreisen stammenden, grossen Bankartikel. „Nicht in
allen Kreisen“, heisst es in demselben, „wird der Sinn des
Unternehmens richtig erfasst. Mit unzureichender Kritik und
billigem Witze begriissen die Weisen von der Presse das
Erscheinen des merkwürdigen Bankprospectes, um sich dann,
behaglich lächelnd, anderen Bankankündigungen zuzuwenden,
die mehr in dem Bereiche ihres Verständnisses liegen. Die
Herren sind zu entschuldigen. Die Abwesenheit all der
Versprechungen, die man gewöhnt ist, in einem Aufrufe an
das vertrauensselige, überflüssiges Geld besitzende Publi¬
cum zu lesen, erschwert diesen Herren die Ausübung ihrer
kritischen Thätigkeit. Wie? Man verspricht keine Dividenden
und verlangt von einem Volke, dem man alles eher nach¬
sagen kann, als dass es in Finanzsachen zu wenig erfahren
und geschult sei, zwei Millionen Pfund Sterling ? Da müssen
zwischen den Gründern und dem Publicum, an das sie sich
wenden, Dinge sein, von denen sich die reinen Geldmacher
nichts träumen lassen.“ Der Artikel gibt nun eine U eh er¬
sieht des jüdischen Elends in der ganzen Welt und setzt
fort: „Angesichts dieser traurigenThatsachen, die weder ge¬
leugnet noch abgeschwächt werden können, erhebt die
Jüdische Colonialbank ihren Ruf in dem einzigen Lande,
bis zu welchem der Judenhass nicht vorgedrungen, in dem
viele, verhältnismässig wohlhabende Juden leben und volle
Kenntnis von der Lage ihrer Brüder besitzen. Der Aufruf
ist in einem würdigen und massvollen Tone gehalten, und
obwohl die Shares vielleicht nicht gewinnbringender sein
werden, als die einer Unternehmung, die man nur
kauft, um sie sofort mit Profit weiter zu verkaufen, so wird
man diese Shares doch viel lieber behalten wollen. Ob nun
Dividenden kommen werden oder nicht, so ist doch das Eine
gewiss, dass jeder Share eine Bestätigung der ehrenhaftesten
Anstrengung bedeutet, die zur Lösung einer der brennend¬
sten Fragen dieses Jahrhunderts vor dessen Abschlüsse
unternommen wird. Geistig und moralisch stehen dieDirec-
toren der Bank auf einem für viele Männer in ähnlicher
Stellung unerreichbaren Standpunkt. Das aus zwanzig Mit¬
gliedern bestehende Council, welches die Bankoperationen
zu leiten haben wird, ist in jeder Hinsicht beachtenswert.
Die Judenschaft der ganzen Welt ist darin in vornehmster
Weise vertreten. Selbst diejenigen, die sich über den Zionis¬
mus und die Bank lustig machen» wagen nicht die Integrität
und Tüchtigkeit der Councilmitglieder anzuzweifeln oder zu
behaupten, dass in den Verlautbarungen des Council irgend¬
ein Anlass zu Missverständnissen gegeben sei.“ Es werden
nunmehr die bisherigen. Versuche zur Lösung der Juden¬
frage besprochen. Weder die Colonisationsversuche Baron
Rothschilds und Baron Hirsch’, noch die Thätigkeit der
Anglo-Jewish Association und des Russo-Jewish Committee
haben eine dauernde Lösung zur Folge gehabt. „Man muss
nun erwarten, dass vernünftiger-» und ehrlicherweise die
englische Judenheit, all jener Missgriffe und Misserfolge
eingedenk, den enthusiastischen Männern, die die schwere
Bürde auf sich genommen, die Hand zur Hilfe bieten
werden. Philanthropie und Selbstschutz gebieten es
ihnen. Denn die Stellung der englischen Juden ver¬
trägt keinen weiteren Zufluss russischer Flüchtlinge. In
unseren Tagen einer ungesunden Speculation empfiehlt sich
dieses Bankunternehmen, das vielleicht Gewinnsfee, sichei 1
aber eine gründliche Verbesserung der Lage der armen