Oesterreichiseh-ungarische
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Wrünumerationspreis
FS« V«reiuLmiigli«der.
Ganzjährig fl. s.—
Halbjährig fl. 2.50
Vierteljährig fl. 1.2s
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i fl- 6.-
MM s. 3-
ff. 1.50
’ 1 ״t״ Ausland
Ganzjährig fl. 7.—
12 Mark oder 8 Rudel.
Or g* a. בב .
für ilie üntereMll jütlischer ^Mitore»
uni! ^ultusbeumten.
KrscheinL jeden achten Fag-
Begründer: Obercantor ^Lvotr LLNvr.
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Wien,
|| II., Novaragaffe Nr. 27
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ji Inserate
I werden billigst berechnet.
Manuscripte werden nicht
! retournirt.
Nr. 24.
Wien, 16. Juli 1887.
7. Jahrgang.
Vereinsnachrichten.
, Die Berathungen des für den 19. und 20. Juli angekündig-
ten Cantorentages nehmen Dienstag den 19. d. präcise 9 Uhr Vor-
mittags ihren Anfang. Die P. T. Theilnehmer am Cantorentage
wollen sich also zur festgesetzten Zeit in dem Vereinslocale, I., Seiten-
stettengasse Nr. 4, 3. Stock einfinden. .
Tagesordn um g: a) Neugestaltimg der Statuten,
d) Anträge.
Dauer der Beratungen: Montag den 19. von 9—12 Uhr
Vormittag und 3—5 Uhr Nachmittag. Dienstag den 20. von 9 — 12
Uhr Vormittags.
Eantoren im Amte als Gäste willkommen.
Per Worstand
des österr.-ungar. Cantcren-Vereines.
Die Ethik-es jüdischen Grumten.
Der sehr geehrte Herr RabbinerWollner hat seinen reichhaltigen
Ärtikelcpklus,/ ״ Fragmente aus dem alten jüdischen Leben, Gottes-
dienst und'gesellschaftlichen Verkehr", geschlossen,- und wahrlich die
' Leser sind dem Verfasser zu großem Danke verpflichtet, weil er es
verstanden, so viel Wissenswerthes in einer fasslichen und Volks-
thümlichen Sprache mitzutheilen; es waren, mit Salomo zu sagen,
״ Goldene Aepfel in silbernen Schalen" und ich und gewiss viele Leser
rufen dem Herrn Rabbiner Wollner einen warmen יישר כחך zu.
Herr Rabbiner Wollner konnte- sein Opus nicht schließen,
ohne noch ein דבר הלכה an die Herren Kantoren zu richten. שמתיך
כך זכרהו Ich glaube, dass diese segenverheißeuden Worte nicht nur auf
die Familienverhältniße, die gottesdienstliche Entwicklung, den gesell-
schaftlichen Verkehr des Kantoren-Lebens, sondern auf die Verhältniße
aller jüdischen Beamten anzuwenden seien. Das Wort Gottes: בכל ביתי
נאק הוא‘ fott sich bei allen jüdischen Funktionären in entsprechender
Weise bewähren, dann wird Jeder mit Beruhigung des Herzens
sagen- können תקעתי לי יתר במקום נאק Im Gotteshause soll Treue,
Wahrhaftigeit bei der Ausübung der heiligen Pflichten walten, nicht
schnöder Geld- und Ehrgeiz sollen die Triebfedern der Funktion sein;
der Funktionär denke stets bei allen seinen Handlungen an die weisen
Worte Salomos: איש עמונות רב ברבות ein gewissenhafter Mann hat
viel Segen; in der Erfüllung der Pflichten liegt der beglückende
Segen und Zufriedenheit des Herzens.
Man nannte früher einen Gemeindebeamten ׳נאק weil dies der
ehrenhafteste Ausdruck für die strenge und treue Pflichterfüllung ist.
Die ,Morte Nehemias 11, 23: ואמונה על המשוררים דבר יום ביומו sollen
bei allen jüdischen Beamten angewendet werden, in dem Sinne,
dass Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit sie stets
leite. Der Beamte trage sein Gechick באמונה iin Glauben und Ver-
trauen aus Gott, welcher die Schritte der Menschen lenkt, sein Wahl-
spruch sei: ״ Gott ist mein Licht und meine Hilfe, vor wem soll ich
mich fürchten, nur das bete ich, dass ich im Gotteshause weilen soll,
so lange ich lebe, um nur seine Herrlichkeit zu sehen und zu ver-
künden". Vertrauen auf Gott ist dem Beamten ein Balsam des
Lebens, weil sein Lebensstrom noch in vielen Gemeinden zwischen
gefahrvollen Klippen, über Untiefen und Abgründe dahinzieht. Das
Vertrauen aus Gott, wie aus seine moralische Kraft findet seinen
Segen durch die ehrliche Arbeit.
Dass der arme Beamte dem Herrn nicht dienen kann ohne
jegliche Bedingung des Lohnes, sondern mit מורא שמים allein, versteht
sich von selbst, weil unsere Kinder nicht mehr allein Brod verlangen,
1 sondern sie sagen: תנו לנו בשר ונאכלה - Hoffen wir, dass der Berus
eines jeden Beamten aushören wird ein ברעב zu sein, und dass die
Gemeinden zur Einsicht gelangen, eine treue und gewissenhafte Arbeit
müsse auch gewissenhaft bezahlt werden.
Auch das Familienhaus, in welchem die Gebote Gottes be-
achtet werden, ist ein Gotteshaus, und auch von diesem muß es
heißen: בבל ביתי נאק הוא - Das Familienleben sei ein trenes, das
Verhältnis der Familienmitglieder zueinander und gegeneinander be-
nihe auf.Wahrhaftigkeit und Festigkeit, das bildet dann das Glück
und die Lebensfreude. Der Vater der seine Agenden für die Ge-
meinde vollendet hat, wende seine Sorgfalt und Aufmerksamkeit auf
sein Haus, er sei ein אוק Erzieher seiner Kinder, das Haus sei für
ihn das Paradies, in welchem er unschuldige Freuden findet, einen
Ersatz.für so manche Unannehmlichkeiten und Chikanen im Amte,