Oesterreichisch-ungarische
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Central-Organ
für die Interessen der Cantoren und
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Begründer: Obercantor laeod Lauvn.
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Wien
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Nr. 20.
Wien- 16. August 1893.
13. Jahrgang.
Wien, 14. August.
Vor einigen Wochen wurde im Verordnnngswege die
neue Eintheitung der Cultusgemeindesprengel für das Königreich
Böhmen bekanntgegeben und im Anschlüsse ׳.daran durch einen
Erlass der hohen k. k. böhmischen Statthalterei den Gemeinden
der Auftrag ertheilt, die im Sinne des Gesetzes vom 21. März
1890 umgearbeiteten Gemeindestatuten zur Genehmigung vor-
zulegen. Die diesbezüglichen Elaborate waren wol schon längst
fertiggestellt, wurden aber erst jetzt der großen Oeffentlichkeit
mitgetheilt, und so kamen auch wir in die Lage, in die Statuten
der Prager Israel. Cultusgemeinde, die zuerst der behördlichen
Aufforderung nachkam, Einsicht zu nehmen.
Es ist ganz selbstverständlich, dass wir bei Beurtheilung
derselben zunächst auf die cantoralen Interessen Rücksicht
nehmen müssen, und von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet,
konnten uns die Statuten der Prager Cultusgemeinde keineswegs
befriedigen. Wol haben wir schon zu wiederholten Malen,
namentlich in letzterer Zeit, in diesen Blättern aus mannigfache
Uebelstände, die sich allmälig in Prag eingebürgert haben, und
auf die daselbst mit einer gewissen, nicht zu verkennenden
feindlichen Absicht betriebene Einschränkung der eantoralen
Wirkungssphäre hingewiesen, aber eine directe Einmengung in
diese rein internen Verhältniße mussten wir uns umsomehr
versagen, als die Prager Cantoren selbst alle diese Benin-
glimpfungen und Zurücksetzungen sich ruhig gefallen ließen und
nicht schon längst einen energischen Schritt zur Wahrung ihrer
durch Geschichte und Tradition verbürgten Rechte und zur
Sicherung ihrer arg bedrohten Existenzen unternommen haben.
Durch diese Erfahrungen skeptisch gemacht, haben wir von
den Prager Statuten fiir die Cantoren niemals viel erwartet,
aber dass die Prager Cultusgemeinde die Cantoren als Cultus-
functionüre vollkommen ignorirt, hätten wir denn doch nicht
vermuthet. Und thatsächlich ist es so. Nicht mit einem einzigen
Worte ist in den nunmehr zur behördlichen Genehmigung vor-
gelegten Statuten des Cantors Erwähnung gethan und inan
könnte fast glauben, dass in Prag der Gottesdienst ganz ohne
Cantor celebrirt wird. Eine solche Zurücksetzung dürfen wir nicht
ruhig hinnehmen, und wenn wir uns gegen dieselbe mit aller
Kraft wehren, thun wir dies nicht allein im Interesse der Prägen
Cantoren. sondern im Interesse des gesummten Cantorenstandes,.
da das Beispiel der Prager Gemeinde leicht auch anderwärts
Nachahmung finden könnte.
Von dieser Anschauung hat sich auch der Vorstand des
Österreich, ungar. Cantoren-Vereines leiten lassen, als er im
vorigen Monate, gleich nach Bekanntwerden der Prager Statuten,
eine Eingabe an die hohe k. k. böhmische Statthalterei richtete
und um Revision und Ergänzung der Prager, sowie sämmtlicher
böhmischer Gemeindestatuten in dem Sinne ansuchte, dass in
denselben der Cantor als Religionsdiener anerkannt werde und,
gemäß den ^Bestimmungen des Gesetzes vom 21. März 1890,
dessen Rechte und Pflichten darin Aufnahme fänden. An einen
Erfolg dieses hochbedeutsamen Schrittes ist um so weniger zn
zweifeln, als die hohe Regierung schon bei der Genehmigung
der mährischen und anderer Gemeindestatuten ausdrücklich ver-
langte, dass der Cantor unter den ״Religionsdienern" ange-
führt werde.
Bei diesem Anlasse hat sich nun wieder einmal die Noth-
Wendigkeit und Heilsamkeit des Cantorenvereines und der Cantoren-
Zeitung dargethan und es ist hiebei auch der Beweis erbracht
worden, dass der Vereinsvorstand jederzeit auf der Wache ist,
wo es gilt, die Interessen des Cantorenstandes aus eigener
Initiative zu vertreten.
Es wäre nur zu wünschen, dass diese Thätigkeit bei den
College» und Vereinsmitgliedern die richtige Würdigung und
Anerkennung fände, und dass auch sie dazu beitragen, um die
Kräfte des Einzelnen in den Dienst der Gesammtheit zu stellen.
Namentlich in materieller Beziehung ließe sich so manches erreichen
und eine Kräftigung der Vereinscasse ohne Jnansprchnahme der
Mitglieder herbeisühren, wenn nur der gute Wille zu gemein-
witziger Thätigkeit vorhanden ist.
Vor einigen Jahren sind vom Cantorenvereine Sammlungen
zur Gründung eines Pensionssondes eingeleitet worden, die in
einigen Füllen ganz namhafte Beträge abwarfen. Ost gegen
ein geringes Entgelt müht sich der Cantor mit Einsetzung seiner
ganzen Kraft im Dienste der Gemeinde und dennoch besitzt er
für all fein Mühen und Streben nicht die geringste Aussicht,
fiir seine und der Seinen Zukunft Sorge tragen zu können.