Wochenblatt für jüdische Interessen. :
Heller *'' ' .' - keciaktsur: Jonas Kreppei.
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i Erscheint jeden Donnerstag.
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Mit der Henrigen Rummci
IV. Jahrgang unseres Blattes ,,
in normalen Zeiten schwer, ein jüdisches Blatt
|M gründen und zu erhalten, — um so schwerer
w, ist dies in einer solch unnormalen Zeit, wie
die gegenwärtige. Daß es uns trotzdem ge«
- langen ist, den IV. Jahrgang zu erreichen,
spricht sicherlich zugunsten unseres Blattes.
Wie bisher, wird die „Jüdische Korre¬
spondenz" auch fernerhin ihr Programm ziel-
bewuht und unverrückbar befolgen. In Fragen,
die das inner-jüdische Leben berühren, wird die
Glaubenstreue unser Leitstern sein. Hin-
sichtlich der allgemein-jüdischen Angelegenheiten
wird.unser Blatt nach wie vor jedes Problem
sachlich, ohne Demagogie und ohne Einseitig¬
keit erörtern und beleuchten. In allgemein¬
politischen Fragen wird die unentwegte
Vaterlandsliebe für das Verhalten der
„Jüdischen Korrespondenz" die Richtschnur
bilden. Glaubenslreue und Vaterlandsliebe
wer den^ iveittt^^ die Grundpfeiler unserer
Wir wollen hoffen, daß uns die p. t, Leser
auch fernerhin dieselbe Forderung zuteil werden
lassen, die es uns bisher ermöglicht hat, die
„Indische Korrespondenz" zu erhalten. All
diejenigen, die die Ersprießlichkeit unserer
Arbeit zu würdigen tvissen, mögen es sich
angelegen sein lassen, für unser Blatt Ab¬
werden uns dadurch ermöglichen, dasselbe
äußerlich und inhaltlich zu vergrößern und
auszugestalten. Als einziges jüdisches Organ
in Oesterreich, das auf glaubenstreuer Grund¬
lage basiert, verdient die „Jüdische Korre¬
spondenz" sicherlich die weitestgehende Förde¬
rung aller gutgesinnten Inden.
Infolge der fortgesetzt steigenden Her¬
stellungskosten sehen >vir uns gezwungen,
nach langem Zögern den Bezugspreis unseres
Blattes zu erhöhe». Es geschieht dies aller¬
dings in dem Momente, da der Unisang des¬
selben vergrößert wird, so daß die p. t. Ab¬
nehmer immerhin ein Aequivalent erhalten.
Der Bezugspreis der „Jüdischen Korre¬
spondenz" ist nun:
Hanzzahrtg. .
KaköMrig. .
Mertekzährig .
Dinzeknnmmer.
h
All diejenigen, deren Abonnement ab-
gelanfen ist, werden ersucht, dasselbe u n-
verzüglich zu erneuern, da die Nicht¬
erneuerung die sofortige E i n st e l l u n g der
weiteren Zusendung zur Folge haben wird.
Die Redaktion u. Administration.
Wien, 3. Jänner 1918.
IV. Jahrgang.
w Juden und die Lmedenssrage.
In der letzten Zeit haben wir wiederholt
jüdische Zeitungen aus Rußland erhalten.
Ans denselben konnte mau einen Einblick in
die Verhältnisse gewinnen, die gegenwärtig
in Rußland herrschen, und die Lage kennen,
in der sich unsere Brüder dortselbst befinden.
Das Bild, das sich -vor den Au gewiss Lesers
entrollte, war leider fe|jt erfreuliches. Die
Anarchie, die in den letztm Monaten in Ru߬
land eiugerissen hat, Konnte nicht ohne Rück¬
wirkung auf die Position der Juden bleiben.
Die schwarzen Geister aller Parteien und
Gruppen, die gegeneinander den Kampf um
die Herrschaft führen, haben sich die Juden
S Sündenbvck ausgewählt, an dem sie ihr
tchen kühlen und aus welchen mau die
Schuld für alles Unheil werfen konnte. Die
Kadetten einerseits, die Sozialrevolutionäre
anderseits, die Menschewiki, wie nicht minder
die Bölschewiki, von den Reaktionären schon
nicht zu sprechen, — alle, alle haben ihren
Anteil an den Judenexzessen, die in letzter
Zeit in Rußland j-ut *»*• T-,g-sordunng
waren. I» welcher Stadt immer Kampfe vor¬
gekommen sind, stets kühlte die unterlegene
Partei ihr Blütchen an dem Inden, der für
alles verantwortlich gemacht wurde. Mit einer
beißenden Ironie konstatiert das „Petrograder
Tagblatt", daß die Zeilen, da man in jeder
Stadt mit einem Pogrom rechnete, wie mit
einem Naturereignis, das kommen muß und
keinen Tag der Ruhe sicher mar, bis sich der
Sturm entladen hatte, wiedergekehrt sind. Tic
bitterböse Frage: „Bei Euch war es schon?",
die in den friihereu Pogromzeiten aus allen
Zungen war, ist heute wieder aktuell uiid nur
der zu Leiden und Verfolgungen wie geborene
russische Jude findet sich mit dem Stand der
Tinge ab »nd verliert nicht die Hoffnung
aus bessere Zeiten.
Freilich, die Blätter, die hierher gelangten,
sind vom Ende November, als Kerenski noch
am Ruder war und die Bölschewiki einerseits,
wie die Reaktionären andererseits den Kampf
um die Macht führten. Vielleicht ist es jetzt,
da die Bölschewiki mehrweniger Ordnung
im Reiche gebracht haben, etwas besser. Allein,
charakteristisch ist'die Tatsache, daß die jüdische
Presse, die vornehmlich Kerenski unterstü^.
nicht umhin konnte zu konstatieren, daß-K
Regierung nichts tut, uni ihre jüdischen Sra»'
Hänger zu schützen Ob ans Mangel an güMtsi
Willen oder ans Unvermögen, laßt sich nicht
genau feststellen. Immerhin^ liefert diese Er¬
scheinung den Beweis, daß die Inden in
Rußland unter den gegenwärtigen Verhält¬
nissen sehr viel zu leiden haben und nicht
früher zur Ruhe kommen können, bis nicht
der Friede geschlossen und normale Verhält¬
nisse eintreten werden.
Damit ist das gewaltige Interesse der
russischen Juden an einen baldigen Fricdens-
schluß zur Genüge gekennzeichnet und damit
ist auch der Beweis erbracht, ivelches Inter¬
esse die Judenschast der ganzen Welt daran
hat, den baldigen Frieden herbeizuwünschen.
Es kann kein guter Jude wollen, daß die
Millionen Juden in Rußland weiterhin nicht
bloß für Englands Eroberungsgelüste ihre
Haut zu Markte tragen, sondern auch fort¬
gesetzt der Wut des verwilderten Pöbels und
der Rache der im Kampfe unterlegenen Gruppen
ausgesetzt sein sollen. Nur ein baldiger Friedens¬
schluß wird den Millionen Juden in Rußland
die Möglichkeit bieten, ihre so schwer erkämpfte"-
Gleichberechtigung zu genießen.
Ebenso wie das Schicksal der Inden in
Rußland es gebieterisch erfordert, einen bal¬
digen Frieden herbeizuwünschen, ebenso ist
dies hinsichtlich der Inden Rumäniens
der Fall. Auch sie hatten vor dem Kriege Un¬
menschliches zu erdulden und sie sind während
des Krieges die Opfer der enttäuschten ru¬
mänischen Schakalenpolitiker geworden. Beim
Friedensschlnß dürfte ibre Zukunft gesichert
werden, möge die rumänische Frage wie immer
ihre Losung finden, da die Rumänen keineswegs
die Unabhängigkeit wiedererlangcn werden,
ohne daß diese den seinerzeitigen Verpflich¬
tungen hinsichtlich einer Gleichbcrechhgung
der Inden nachkämen. Konnnt cs zum Anschluß
Rumäniens an die Friedeiisvcrhandlnngcn in
Brest-Litowsk, >vas nicht unwahrscheinlich
ist, sv dürften sowohl die Bolschewik!, die
die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien
in ihr Friedens,ziel-Programm ausgenommen
haben, als auch die Mittelmächte darauf
drängen, diese Frage beim Friedcnsabschluß
definitiv und positiv zu regeln. Aber auch bei
einem allgemeinen Frieden werden die West¬
machte kaum umhin können, den Judenhaß
ihres „Schützlings" in Schutz zu nehmen.
Ter Friede wird demnach auch den Juden
Rumäniens eine definitive Erlösung bringen.
Ans all diesen Gründen müssen die Inden
aller Länder an einem baldigen Frieden inter¬
essiert sein und ihre besten Wünsche dürften
die Fricdcnsvcrhandlungen in Brest-Litowsl
begleiten. Spectator.
Türkische Staatsmänner über die
palästlnatrage.
Der türkische Minister des Acnßern,
Naisimv Bey, äußerte sich einem Pressever¬
treter gegenüber folgendermaßen:
„Aus Stockholm sind soeben Nachrichten
eingetroffcn, aus denen hervorgeht, daß Eng¬
land den Versuch mache, die russisch-jüdischen
Zionisten zu organisieren, damit sie den
Dank an die englischen Soldaten zum Aus¬
druck bringen möchten, aus deren Händen