Berichte, Stadien und Kritiken
. für
jüdische Geschichte und Literatur.
JW Ä» Leipzig, den L. Februar
Inhalt. Studien. Ueber den Bibelkanon des Fl. Iosefus. Von Nabb. HL. Treuenfels in Weilburg. lForts.) — Ekijj«
Ha-Saken b. Menachem und seine AsharoL. Vo> I. Färft (Forts) — Kurze biographische Skizzen aus der Gegenwart, UZ.
Henrik Herz. — Literarische Analekten. Eine Variante. Von Wunderbar. — Literarische Miscellen. N. Elieser, der Astrolog.
Won Zul° Fürst. — Kulturgeschichtliche Miscetten von L. Dukes. Einige unbekannte Werke d.'s Aristoteles. — Ankündigungen.
Mer den Bibelkanon des Fl. Iosefus.
Erster Artikel.
(Fortsetzung.)
Aber eine solche Auffassung ist historisch unmöglich, denn
«m die in Frage kommende Zeit (setzen wir auch erst das
letzte Iahrh. v. d. g. Z.) gab es überhaupt noch keine ge¬
schriebene Largumim, am wenigsten aber erweiternde und
ausschmück'ende, denen ja die wörtlichen vorangingen und die,
so viel wir wissen, nicht vor dem emoräischen Zeitalter
oufkamen.^
155) Dagegen ist allerdings wohl möglich, daß das Ori¬
ginal-des apokr. B. Esther chaldäisch gewesen. Es würde
dies aber an der Sache nichts ändern, denn immer bliebr die¬
ses Original ein a p o kr y p h i sch e s B u ch, nämlich eine mit
Bewußtsein und Tendenz die Hand an ein kanonisches Buch
legende Bearbeitung (s. d. vor. Anm.) und von einem aus-
schmückendelr Largum, wie wir zwei solche eben zu Esther
haben, weit verschieden. Es sind nun wirklich einige: der
apokryphjschen Zusätze noch chaldäisch vorhanden und von
de R o s si in »peeimeii var. leet. sacri textus et rhal-
<laie*ci Estheris additamenta:. Tub. 1783 herausgegeben.
De Rosst hat, auf diese chaldäischcn Fragmente, welche sich
M hebräischen Handschriften befinden, gestützt, schon die Hy¬
pothese eines weitläustigeren chaldäischen Originals des Bu¬
ches Esther ausgestellt.
Man wird degreifm, daß diese Hypothese mit der unsri-
M nichts weiter zu schassen hac; sie käme vielmehr a\tt die
<ton.üon uns ausgestellte, aber zurückgcwiesene Vermuthuug,
daß das apokryphische Buch das echte, das hebräische eine
Abkürzung dessllben sei hinaus. Wenn daher de Wette
(§. 200 Anm. c) de Rossi's Hypothese anführt und hinzu-
W, daß dieselbe von Berthold (Einl. Bd. V. S.'2457ff.)
senau widerlegt sei: so darf ich vermuthcn, daß diese Wi-
Ganz entgegengesetzt könnte man nun vermuthcn, daß
das apokryphische B. Esther zu Iosefus Zeit als kanonisch
betrachtet (wenn cs auch sicherapokryphisch ist), und, wie
oben schon beiläufig erwähnt, als -mDN ntttO vorgelesen
worden sei; man könnte weiter vermuthen, daß das hebräische
Buch, aus seinem persischen Vaterlande her bei den baby-
Ionischen Juden, das apokryphische aber bei den palästinensi¬
schen im Gebrauch gewesen sei und der Umstand, daß dev
Uebersetzer desselben als I e r u sa l e m e r bezeichnet wird (f.
Anm. 153) als weitere Bestätigung zu Hilfe nehmen. Abev
daß sich davon und von der nachmals erfolgten Verdrän¬
gung des apokryphischen Buches durch das echte keine histg-
rische Spur erholten haben sollte, macht auch biese Hypothese
unhaltbar. 15,3
derlegungen u n sre Annahme nicht treffen; besonders da
wir auch von ganz anderen Prämissen ausgegan.',kn sind als
de Rossi, nämlich von einer speciellen Vergleichung des
Iosefus mit der LXX. — Ob aber jene von de Rosst her¬
ausgegebenen Stücke als alt. und echt betrachtet werden kön¬
nen, oder ob sie nur eine später aus dem Griechischen ge¬
machte Rückübersetzung sind, würde sich eben durch eine Ver¬
gleichung derselben mit Iosefus ergeben. Waren sie der Are,
daß sie ebensowohl. Diesem als der l^XX zur Grundlage
gedient haben könnten, so dürfte man sie fast mit Gewißheit
als Fragmente des Originals betrachten. Ich muß, es na¬
türlich sehr bedauern, weder Berthotd's noch de Rossi's Schrift
zu besitzen.
156) Aus den R. G. A. des E l ij j a b. Chajji m (mV
rüN'S'lD) Nr. 74. ergiebr fiel), daß in einigen griechischen
Städten noch am Ende des 16. Iahrh. das Buch Esther am.
zweiten Purimtage in einer griechischen mir Midraschim durch¬
webten Uebersetzung vorgelesen wurde (siehe LB. des Orients.
1848, 3d). Vielleicht ist aas dem R. G. 2t. za entnehmen,
eb jene Uebersetzung die 1,XX gewesen sein, könne oder nicht?
Wäre ersteres der Fall, so hauen wir allerdings eine Spur
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