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Die Kolonisation Palästina’*.
Ackerban in Palästina.
(DI. Fortsetzung.*)
Sie predigt zugleich die immerhin trüst-
liche Wahrheit, dass eine von Jaden in Palüs-
tina einmal errichtete Kolonie nie gänzüeh
dem Untergänge verfallen kann, and weit hinaas
über die 8rennen des konkreten Falles entnehmen
wir daraus die Thatsache, dass schon darum
einzig and allein Palästina der geeignete Boden
ist, aaf dem die Jaden zum Ackerbau erzogen
werden können. Drei Jahre nach ihrer Flacht ähn¬
lich kehrten die ersten Ansiedler, reicher an Er¬
fahrung and verstärkt durch Auswanderer ans
Bissland, aaf die verlassene Scholle zurück;
der Grundbesitz ward erweitert durch Ankauf
einer 14 Hektar grossen Landesstrecke, welche
man unter dem Namen Jehudia zu einer neuen
Kolonie gestaltete, und nun machte man hier
zum ersten Haie einen Versnob, der spätr von
den zahlreichen anderen Kolonien Palästinas so
oft und stets mit Erfolg nachgeahmt wurde, dass
man nämlich den sumpfigen Boden sich dienstbar
machte durch Anpflanzung von Kalyptus-
bäumen, ein Vorgehen, welches sogleich zur
Sanirung des Bodens wesentlich beitrug. Aber
auch jetzt noch blieb die tage der Kolonie eine
wenig beneidenswerthe. Ganz so wie die An¬
siedelungen Bosch-Pi nah, Jessod-Hamalah
und Samarin fehlte es auch den Kolonisten
von Pessach-Tikwah bald an Geld zum
Betriebe des Ackerbaues, es fehlte ihnen das
nOthige landwirtschaftliche Inventar, und bald
sah sich die ganze Gründung am Bande des
Verderbens. Dieses Schicksal teilte auch eine
dritte jüdische Kolonie in Judäa. Es ist
dies das jetzt als Perle Palästinas bekannt
Dorf Bischon-Lezion. Am neunten Ab
1882, am Tage der TempelzerstOrung, war es
von rnislsehen Auswanderern gegründet
werden, und es erschien bald, als sollt dieser
dtts attr für die Geschieht des jüdischen Volks¬
tums auch ein verhängnissvolles Vorzeichen für
den Lebensgang der neuen Kolonie sein. Bei
ihrer Gründung ging man so geräuschvoll zu
Werke, dass seiest nach Ankunft der ersten
Ansiedler in Jaffa der Preis des Bodens
in der ganzen Umgegend bis hinauf nach Jeru¬
salem derartig in die HShe stieg, dass kein
\
Araber ohne grossen Vorteil mehr Land ver¬
kaufen wollt, und sah man sich genötigt, den
Hektar mit 125 Mark — eine Unsumme für
die dortigen Verhältnisse — zu bezahlen. Für
diesen Preis erwarb man in dem in der Nähe
von Jaffa gelegenen Dorfe Ajnn-Kanra 320
Hektar, und bald zeigt es sich, dass dieser
so enorm teuer bezahlt Grund und Boden für
den Anbau von Getreide völlig ungeeignet sei.
Er erfordert eine unsägliche Menge von Ar¬
beit, die ihrerseits wieder teuer bezahlt werden
musste, und schliesslich gab er für all’ die auf
ihn verwandt Mühe statt der erhofften Getreide-
kOrner nur Dornen und Disteln, Umgekehrt
wie es im Psalm 123, Vers 6 lautet, waren
die Kolonisten unter Gesang hinausgezogen zur
Saat, and tränenden Auges brachten st ihre
spärliche traurige Ent heim.
Und wie sah dMes „Heim“ aas? Man
muss den Ausdruck, wenn man die Verhältnisse
jener jüdischen Kolonisten anwendet, in einem
sehr übertragenen Sinne brauchen; denn ein
„Heim“ in dem von uns mit diesem Wort ver¬
knüpften Sinne besessen jene Ansiedler keines¬
wegs. Da war kein Schutz zu finden gegen die
Unbilden des Wetters, gegen die Glut der
Sonne and gegen dt Gewalt der sich aus den
Wolken «giessenden BegenstrOme, da war kein
trautes Plätzchen, wo man das ermüdet Haupt
ungefährdet zu erquickendem Schlot hinlegen
könnt. Das Geld, welches sie mitgebracht
hatten (42 000 Frcs.), war man nur zu bald
an die Araber los geworden, ohne dass es ge¬
reicht hätte zum Bau von Häusern. Zu solchen
Bantu beaass man gar nicht die behördliche
Genehmigung. Die von schwerer Tagesarbeit
ermatteten Glieder mussten sie nun auf dem
harten, felsigen Boden zur Buhe anss t rechen, —
sie, die ehedem in ihrer verlorenen russ i s c h en
Heimat gewohnt waren, auf weichen Daunen
zu schlafen I Das Wasser, dessen man bedurft,
musst mühsam aus der Nachbar-Kolonie Mik-
wek-Iisrael geholt werden, nachdem der
Versuch, einen eigenen Brunnen zu graben, den
den Best der ganzen Habe verschlungen und dabei
doch nicht zum Erfolge geführt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
8. Nr. MB.