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Jüdisch» FeitlMV
An-etgen-Lnnahme. Druckerei Schatzky. Ruf 2446808. vr. LI
Auf MO 02 und Verlag Gartenftrotze 2S. Ruf 87277. Die >f
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für Stellengesuch» ufn». Bei Diederdotung. u.
Derlagsorß Breslau ♦ VchrlfNeituuo. Drrtrlet^ti
Ifred -trfchfeld.
(MUi0C 22 mm
Rad.
(Jüdische Dolkszeituna)
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Erscheint
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Rümmer 31
«,^ 1 -- »,,, 26 . am 3606
Breslau, den 14 August 1 V 36
43 . Jadrgang
Der Genfer Kongreß
Badautxama Rafarata —
BagrflBang durch Sir Malcolai
Wir haben in der vorigen Woche unseren Lesern von den
bevorstehender» Jüdischen Weltkongreß in Genf kurz Kcnntn is
gegeben. Wenn wir dabei darauf hinwiesen, daß dieser Ko 1 -
greß nur einen kleinen Teil jder Juden heit (nach Angaben n
Genf ca. ein Drittel) vertrete und daher mehr eine private Z i J
semmenicunft — ohne verbindlichen Charakter für irgend¬
jemanden — sei, so haben wir damit kein Urteil zu der Froj e
abgegeben, ob ein solcher Kongreß überhaupt wünschenswe r
und nützlich sei. Diese Frage steht für uns im Auger.blii k
nicht zur Diskussion. Voraussetzung für einen „Weltkongreß “
wäre u. E. allerdings unter allen Umständen die Beteiligut g
einer starken [Mehrheit der Juden aller Länder und die Durc't-
führung wirklicher Wahlen. (Ein grober Teil der Delegiert« n
des Genfer j Kongresses ist nicht gewählt, sondern na« h
schlechten jüdischen Beispielen nominiert worden.)
Bei dem 1 Genfer Kongreß wird man also zumindest v< n
einem Weltkongreß nicht reiten können. Das hindert uns nie tt
anzuerkcnnesL daß — nach den uns vorliegenden Berichten d r
JTA — dort einige sehr gute Referate gehalten und brauch¬
bare Vorschläge für verschiedene Probleme gemacht wordi n
sind. — Schnftltg.
Im Sitzungssaal« der Völkerbundsversammlung im Bä' i-
ment Eledoikl wurde am 8. August, 9 Uhr abends, der Ers c
Jüdische WoUkongreß feierlich eröffnet. Ueber 300 Delegier e
aus 32 Ländern nehmen nebst zahlreichen Gästen an dem Ko 1 -
grefi teil. Dfer Eröffnungsitrung wohnten mehrere Diplomat«- >,
Vertreter «t« Völkerbundssekretariats und des Nonsmamt s
sowie «ine Anzahl hervorragender Persönlichkeiten aus po i-
tischen imq! wissenschaftlich-kulturellen Kreisen bei. Nm h
Verlestmg eabr Reibe von,Begrüßungsschreiben, darunter scL
Völkerbundammister Paul Bo »-
dm
Stephen 8. Wi te «4 o
.. .. 1 der er die Berechtigung und Notwendigkeit d t
Einberufung Dieses Kongresses in diesem Zeitpunkt darzuieg« n
suchte. I "
Den am esenden Vertretern des palästinensischen Jisehuw
widmete er lerzliche Worte der Begrüßung.
Die letzt tfn Monate, sagte Dr. Wise, waren für den Jischu *t
nicht leicht. jEr wurde einer neuen Prüfung, einer schweren n
als jemals :uvor ausgesetzt, und hat sie mit grenzenlose n
Mut und ad ’lstem Heroismus bestanden. Auch diejenigen, d e
früher viel!« ifcht gezweifelt hoben, sind zu der Einsicht g ■»
kommen, da i ein Volk, das angesichts direkter Provokation 1 s
abgelehnt h it, zu seiner und seiner teuersten und heiligst« n
Besitztümer Verteidigung Zuflucht zur Gewalt zu nehmen, <k n
Beweis für keine Fähigkeit, ein nationales Leben aufzubauc 1 ,
erbracht hai.
Wir keimen kein leuchtenderes Blatt der jüdischen Ge¬
schichte als dasjenige, das uns von Juden erzählen
wird, die, angefallen von ihren Nachbarn, bei Vernich¬
tung von Menschenleben, Zerstörung von Ha «Bern, An¬
griffen puf Kinder, Ausrodung von Bäumen, Nieder-
brennung von Saaten, noch gegenüber bestialischster
und viatteklit absichtlicher Provokation sich eines
Gegenai »griff, enthalten und eine Selbst beherrsch «mg
bewiese 1 haben, die unsere Feinde zw Verzweiflung
bringt, enr der Mandatarmacbt Bewunderung abg»-
nötigt «nd die Galut, de Länder des Exils, dazu ge¬
bracht ! at, denjenigen unsere Verehrung, Dankbarkeit
und U« be in höchsten Maße entgegenzub rin gen, die
sich de' Aufgabe «1er Wahnsig des Höchsten und
Heiligst it, was wir besitzen, gewachsen gezeigt haben.
Wir ha >en <es nicht nötig, fuhr Dr. Wise fort, der W< It
Erklärungen -dafür zu geben, warum wir hier zusammei ■
kommen. 1 de Welt fragt nicht danach und hat kein Reel it
dauach zu 1 tagst. Nur manche Juden bilden sich ein, es ri
notw e n di g, Ur jedes jüdische Unternehmen Erklärungen ebz' -
geben. De' Jüdische Wehkongreß ist ose rein frei¬
willige, 1 ooperative Zusammenfassung von Vertretern de -
jenigen Jud -nheit in der Welt, die an ihm teilnehmen wollte 1 .
Was er rarten wir von einem Jüdischen Weltkongreß? W r
antworten: ,J<efne Wunder". Aber er kann die folgenden
Funktionen «füllen:
1. judet verschiedener Länder und verschiedener Ansehen -
ungen zusa nmenzubrvtgen, die auf andere Weise nicht z> -
sammenkon rßenc
2. Jude 1 auf einer neuen Ebene zusammenzubringen, nid it
auf der de . Gebens und Nehmens sondern zu einem M«-
nimgseustai sch' über aHe Arten jüaischer Probleme im Hii -
blick auf ih e Losung:
3. Jude 1 des einen Landes werden Probleme der Jud« n
anderer Läi der sehen, ihren Rat erbitten und ihre Erfahrur g
in Anspruc 1 nehmen'.
All dies ergibt sich aus unserer Ueberzetagung, «laß Jud« n
Beziehunger zu ihren Mitjuden in anderen Ländern in alk n
Fragen, die Ihr Leben als Juden betreffen, einschließlich d> s
Problems e nes ihnen als Juden gewährten oder auferlegt« n
besonderen Status, haben können und sollen. Wenn Juden n
anderen Le [dem ein Unheil trifft, haben wir uns nicht a %
neutrale <x er freundschaftlich gesinnte Beobachter zu ve -
halten, son« ero mit Emst in jeglicher wirksamen Weise dar« n
zu arbeiten, Unrecht wiedergutzumachen und Not zu linder ».
Dr. Wi e setzte sich soda n n mit den verschiedenen Eil -
wänden au einander, «Le gegen «len Jüdischen Weftkongnß
erhoben wo den sind. Unbegrümiet, erklärte er u. a., sei au« h
die Furcht, Nichtjuden könnten sich vorstellen, daß de
Juden eine» „Ueberstaat“ gründen wollen. Der Jüdisd e
Weitkongre» befaßt sich nicht mit der Möglichkeit weder ein s
jüdischen S aates, noch eines jüdischen „Ueberstaates", sonde n
damit, daß die Juden airihören, in ihren eigenen Augen und
in den Augen der Weh „Untermenschen“ zu sein.
Gegenüber den Bestrebungen, der jüdischen Not bloß auf
dem Wega der Philanthropie beieukommt-n, betonte Dr.
Wise, daß Wohltätigkeit allein nicht genügt
Die Zeit erfordere nicht Üoß Wohltätigkeit, sondern in erster
Reihe Selbftwehr, nicht eine Selbstwehr physischer oder
gewalttätiger, sondern moralischer, politischer und
wirtschaftlicher Art. Man müsse und werde neue
Keine Ermächtigung des High Commissioner
zur Einstellung der jüdischen Einwanderung
Die Palästinaregierung veröffentlicht ein Dementi der in
der arabischen Presse erschienenen Mekhmg, wonach Kolo¬
nienminister Ormsby-Gor« «len High Comimmioner Sir
Arthur Wsuchope ermächtigt haben sollte, die jüdische
Einwandenmg einzustellen, sobald ihm dies richtig erscheinen
Ormsby-Gore aaf dem Wege nach Alexandrien
Die „Times“ belichtet, daß Kolonienminister Ormsby-
Gore auf der Durchreise nach Alexandrien *^n Montag «Iss
Dinner in der englischen Gesandtschaft in Athen einge¬
nommen hat.
Das Einwandcrungsd«*purtment der Jewish Agency teilt mit,
«laß in «len ersten sieben Monaten «!cs Jahres 1936 18800 Juden,
unter ihnen rund 4000 Kapitalisten, nach Palästina gekommen
Wege finden. Die zionistische Bewegung sei (Be
einzige ernste Bemühung, jüdisches Leben und jüdische Wette
zu verteidigen und zu wahren, zu schaffen und zu erhaben.
Der Mangel an Bereitschaft zu organisierter Abwehr und
Schutz der Rechte der Juden ermutige ihre Gegner in rück¬
sichtslosester Weise vorzugehen. Warum sollten Nichtiuden
sich mit den Leiden der Juden heit befassen, wenn die Juden
selbst sich nicht gemeinsam mit ihnen befassen wollen? Man
spreche von «1er groben Hilfe, die die Wehjudenheit Palästina
und den Juden aus Deutschland gewähre.
Tatsache sei. daß nicht einmal rin Prozent des jüdi¬
schen Vermögens WntniropM md der Vereinigten
Staaten (ik den Aufbau dem Jüdischen NalionaSieame
aufgewendet wurde. Nicht rinmal ein pro Mille de«
jüdischen Vermögens sei für Hilfe an Juden aus
gegeben worden.
Die Lage der Juden io der Weh
Das zweite Houptrefemt. hielt der Vertreter der JewUt
Agency beim Völkerbund, Dr. Goldman n. Er befaßte tkh
mit d«*r Lage der Juden in den verschiedenen Ländern «1er
Welt. Die jüdische Situation, so führte er aus, werde heute
von zwei Faktoren bes ti mmt: von «lern a 11 g e m e i-tee n Cha¬
rakter der Zeit und von dem spezifischen Cha¬
rakter der Judenfrage. Nach dem Weltkriege habe
man geglaubt, «laß es mit einem großen Sprunge möglich sein
würde, eine gesicherte Rechtsordnung Im Zinnunen-
leben der Völker zu stabilisieren. Die letzten Jahre hätten be¬
wiesen, daß dieser Glaube eine Illusion war. Unter histori¬
schen Gesichtspunkten g esehen sei «Bes nicht erstaunlich. Dt
es Jahrhunderte gedauert hat, bis eine Rechtsordnung für die
einzelnen Bürger innerhalb der Völker und Staaten gesichert
wunftr, sei es kein Wunder, «laß auch der Weg von der will¬
kürlichen Allmacht der Staaten bis zu dem großen internatio¬
nalen Völkerrecht, w el ches «be Machtmittel haben wird, die
Streitigkeiten zwischen Vökem zu schlichten, nicht in wenigen
Jahren zurückgeiegt werden kann. Man Stahe heute in einer
dramatischen Phase «Leser historischen Auerdnandersetxvmg,
deren Opfer in erster Reihe die Juden seien, gegen «Ls steh
als eine Minorität, «Le schwächer ist als alle anderen
Minoritäten, «Le Gewahtendrnien'^der Zeit in erster Reihe
Auch die Garantie der jüdischen Rechte durch «Le einsaJ-
nea Verfassungen bedeute heute nur sehr wenig, Durch ver¬
schiedene neue Wahlrechtsformen werde «len Minoritäten fc
vielen Ländern «Le Möglichkeit einer legitimen parlamentari¬
schen Repräsentanz genommen. Durch wirtschaftliche Gesetze
und administrative Maßnahmen werde in Mittel- und Ost¬
europa ein jüdischer Berufastend nach dem anderen seiner
Arbeit und pnstsn« beraubt. Der mehr «md mehr zu» Mono»
poä s^hsxtt buztu^sg ushze
wirtschaftliche Mochtet NI«mg zur Auu c haTlu ngder Mim
ritäten, in erster Reihe der jüdischen. So beatme heute in
Dum ps em Jadenprobtcm, wie es in dies im Ausmaß seit rhhs
Juhrbt»«Luten nicht e x i st i er t hat.
Nach Be l e u chtung der besonderen Verhlknlsae In rinsri
nen Ländern, wobei er feststeßte. daß auch in weeteuropä-
ischen Ländern and in Amerika judenfeUxUlche Tendenz«-n vor¬
handen sind, gab der Redner der liebe n« 1 uymg Ausdruck, daß
die Strömungen gegen ein geordnetes, auf Rechtsnormen be-
xi«*rt<-s Zusammenleben der Völker bald überwunden sein
werden. Das Judentum habe keinen Grund zur
(Fortsetzung Seite 2.)
Blum als Jude und Fraizose
Im Anschluß an den Amtsantritt des französischen Minister¬
präsidenten Läon Blum ist in der französischen Oeffmtlich-
keit und in der jüdischen Presse aller Länder (vgl. J. Ztg Nr. 21
v. 5. Juni) wiederholt die Frage erörtert worden, ob man gleich¬
zeitig Jude und Franzose sein könne. Zu «hf-ser Frage nimmt
Ministerpräsident Blum nunmehr selbst Stellung, indem er sie
ir> einem umfangreichen Aufsatz erörtert. Die Aeußerung des
Ministerpräsidenten ist in der französischen Presse vielfach
wiedergegeben worden. Sie hat auch in zahlreichen Blättern
der großen europäischen Presse Eingang gefunden.
Zu Beginn des Artikels schreibt Ministerpräsident Blum,
daß «be-Juden Frankreichs nicht Ungelegenheilen kennen, «Le
aus ihrem Judentum herrühren. Sie haben stets Sicherheit und
volle bürgerliche Rechte genossen. Was mich persönlich be¬
trifft, so sagt Ministerpräsident Blum weiter, so bin ich ein
französischer Jude, und ich kann gewissenhaft be¬
haupten, daß ich ein guter Franzose bin. Als Gründe hierfür
verweist Blum auf die Tatsache, «laß er in Paris geboren, «laß
seine Eltern und Großeltern in Paris gelebt und seine Ahnen
Elsässer, also auch Franzosen gewe s en seien. Er sei als Fran¬
zose erzogen worden. Er habe für Frankreich gearbeitet. Die
französische Kultur habe ihn zum größten Teil gebildet und sei
so auch ein Teil von ihm geworden. Kein Element des franzö¬
sischen Gentes, des französischen Ehrbegriffes oder der fran¬
zösischen Kultur gebe es, «las ihm fremd sein könnte. Weiter
schreibt Blum: „Und «loch, obwohl ich mich als echter Fran¬
zose fühle, weiß ich, «laß ich gleichzeitig Jude bin. Ich
habe auch nie «len mindesten Wulenmruch in diesen beiden
Phasen meines Bewußtseins verspürt, ein Mensch kann durch¬
aus einer zweifachen nationalen Loyalität unterworfen sein. Die
Zugehörigkeit zu einem Lande schließt nicht aus, «laß sich «las
Individuum als Teil auch einer anderen Gruppe, einer anderen
menschlichen Gesellschaft fühlt. Wir können vollkommen fran¬
zösisch fühlen und doch die Möglichkeit haben, uns noch mit
einer anderen gesellschaftlichen Einheit verbunden zu fühlen.
Wir können der (üdtsctjrn Gemeinschaft mit Körper und Seele
angehören und. Joch in unserem Empfinden vollständig fran¬
zösisch sein. Da gibt es keine Schwierigkeit und keinen Wider¬
spruch. Ein Jude kann Franzose in jeder Beziehung sein, ohne
daß er das Band löst, «las ihn mit seiner jüdischen Gruppe ver¬
bindet. Man kann solche Beispiele einer doppelten Loyalität in
ollen Zeitaltern nachweisen.
Ab Franzosen leben wir sehr glücklich in Frankreich. Aber
sollten wir trotz dieser persönlichen Sicherheit vergessen, «laß
es in anderen Ländern Juden gibt, deren Leben weniger fried¬
lich ist ab «las unsere? Dürfen wir vergessen, daß es nötig ist.
die jüdische Situation in anderen Ländern zu verbessern? Und
Zwar deshalb, weil m. E. der Zionismus nicht ab «ine
nationale Forderung geboren wurde — und ea auch haute nicht
ist — sondern nur dadurch, daß Millionen Juden, «Le Mehrheit
des jüdischen Volkes» in den Ländern, in denen sie leben, nicht
unter normalen Bedingungen existieren, und daß es daher not¬
wendig ist, einen Ort zu finden, an dem das möglich ist. br
«len diplomatischen Dokumenten wird dieser Ort -Nationale
Heimstätte" genannt. Die Juden müssen di e se s Heimatland
einfach deshalb haben, weil «Le Länder, in'denen sie gewohnt
haben, es nicht mehr zulassen, «iaj» sie sich dort gesetzlich oder
faktisch zu Hause fühlen. Des dürfen wir nicht vergessen. Wer
sich in einer besseren Position befindet, darf da, nicht ab_
Grund betrachterv jenes Solidarititsgefühl xu ver¬
lieren, das ihn mit weniger glücklichen, weniger sicheren Juden
verbindet.
Unsere Rasse ist mit viel Sifui für die Realität begnadet.
Der Jude erkennt gewöhnlich vollendete Fakten an und rechnet
mit ihnen in seinen Gedanken und Taten. Haute brauchen wir
nicht darüber nachzudenken, ob ea richtig oder febch bt,
Zionist zu sein, da Zion bereits existiert Wir besuchen uns
auch nicht zu fragen, ob es richtig oder falsch ist, für dies*
Beweg u ng zu werben, weil «Laue einer bereits Wirklichkeit ge¬
wordenen Seche dient und ihr Bestand nicht von uns abhängt.
In unserem Interesse liegt es, daß Frank reich an dieser Be¬
wegung Anteil hat, daß französischer Geist «nd IranzCriechsr
Einfluß ihre Entwicklung berühren. '
Liegt es im Interesse Frankreichs, daß der französische
Gedanke, französische Wissenschaft oder franz ös ische Kunst
nicht an der Jerusalemer Universität, im kullere Qm Zmtrum—
Zions, vertreten sein soll? Ich glaube: nein. Ich glaube, daß ea
im Interesse Frankreichs, « bim Juden seine Vertreter in dieser
Sache sind, liegt, daß ea in allen «Lesen Bestrebungen seinen
berechtigten Platz erobert. Dieser Platz bt nicht der letzte.
Niemand kann sagen, daß die jüdischen und französischen
Interessen hier ßn Konflikt stehen, fan Geffentefl: sie buten
parallel. Und «lies stimmt vollständig damit überein, daß unsere
Liebe zu unserem Land und unsere Loyalität zum jüdischen
Ideal in unserer Gedankenwelt harmonisch nebeneinander be¬
stehen können."
*
Die Aeußennur™ Leon Blums über dm Zionismus sind in
der uns übermittelten Formulierung nicht ganz zutreffend. Es
ist nicht so, daß der Zionismus nur existiert, weil in vielen
Ländern die Juden unter anormalen Bedingungen leben. Daß
diese Tatsache eine der Triebkräfte, viellocht sogar die ent¬
scheidende, bei dem Entstehen der modernen ziorastiachen Be-
weguiy (Herz!) war, mag stimmen. Aber in Wahrheit war und
ist Zionismus immer viel mehr. Paradox gesprochen könnte
man sagen, «laß es nach unserer Auffassung Lronbrnus auch
geben würde und geben müßte, wenn die Joden in allen Län¬
dern sich völlig normaler Lebenabedingungen «fre u en würden.
Zionismus ist Ueberwindung der Gahrth, Regeneration des
jüdischen Volkes, Wiederanknüpfung an dis jüdische Ge¬
schichte und an die jüdische Lehre, Neuerweckung schöpfe¬
rischer jüdischer Kräfte. Daher steht die Wiedererlangung der
Heimat des jüdischen Volkes, darum steht Palästina im Mittel¬
punkt zionistischer Bestrebung. Ohne «man- Land haben vir
keine Heimat, auch wenn die Bedingungen in allen Lindern
der Welt für uns normale wären. fb.