EINE JÜDISCHE MONATSSCHRIFT
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II.JAHR, VL HEFT SCHWOT 5691 (FEBR. 1951) BERLIN-WIEN
„AN DIE GEISTIG-SEELISCHE NOT DES JÜDISCHEN VOL¬
KES VON HEUTE UND AN SEINE VERLASSENHEIT IM KREISE
DER IHM ABHOLDEN VÖLKER REIHT SICH WÜRDIG SBIN
WIRTSCHAFTLICHER NIEDERGANG IN ALLEN LÄNDERN."
MIT DIESEN WORTEN BEGINNT DER ARTIKEL „UMSTEL¬
LUNG TUT NOT" IN DEM VORLIEGENDEN HEFTE, DER MIT
DER FORDERUNG LANDWIRTSCHAFTLICHEN AU F-
BAUES SCHL1ESST.
LttfSTKI, Ll'A U TUT NOT
An die geistig-seelische Not des jüdischen Volkes vun heute und an
seine Verlassenheit im Kreise der ihm abholden Volker reiht sich würdig
sein wirtschaftlicher Niedergang in allen Ländern. Da ist RuUland, wu es in
Hunger und Pariatum gestürzt wurde. Da ist Polen, wo es minier mehr
und mehr um seine armseligen Positionen in der Wirtschaft kommt Da
sind Deutschland und Oesterreich, wo es aus ehemaligem Wohlstände in
ökonomische Unsicherheit, wachsende Armut und Proletarisierung gerät.
Da sind selbst die Vereinigten Staaten von Amerika, wo es reibend berg¬
ab mit ihm geht. Und da sind die Einwanderungsverbote und -besehrän-
kungeh fast aller Staaten, in die sich vor dem Elend zu retten bisher
Zehn- und Hundertausenden als erreichbares Ziel vorschwebte.
I's ist wahr, daß es jetzt nicht gerade bloü den Juden schlecht geht,
sondern da Ii Verfall und Elend in der ganzen Welt mit unheimlicher Be¬
schleunigung zunehmen. Man spricht Ja. deshalb auch von einer Welt¬
krise. Aber die jüdische Not zeigt gegenüber der Not der Akleren ein
bedeutendes PluiTauf. Und muU es aufzeigen, da- sich die Weltkrise beim
jüdischen Volke intensiver als bei allen andern Völkern auswirken muU.
Die Einseitigkeit seines Berufslebens — eine Folge alter Entrechtungen —
und die wilde Hetze, deren Gegenstand es jetzt fast überall ist. liefern
es der Verelendung in gesteigertem Malte aus. W ozu noch für die Ueber-
licferungstreuen eine besondere Steigerung durch die Strenge Erfüllung
des Gesetzes, die sie bei den heutigen Verhältnissen mannigfach in Nach¬
teil versetzt, hinzukommt.
Nun wird ja diesem Sachverhalt auch mit einem Achselzucken be¬
gegnet und gesagt: Nichts zu machen! Da wir am allerwenigsten ein
Mittel haben, um der Weltkrise zu steuern und die Krise in unseren
keinen nicht aufhören kann, ehe nicht jene vorüber ist, so können wir
eben nichts tun als warten, bis die ganze grolie Heimsuchung ihr Ende
gefunden hat. Und ganz falsch ist ja im Grunde dieser Gedankengang
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