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Freies Malt
Aboniicmkntsprtis:
>S-i«ziährig mit P«s>z»Ie„>>u„q . sl. ü.5u.
t'itlljäV'ifl fl. Bicrltljährig (I. —.05
Sintclnc ?, ummern 4 fr.
Kummer 44 .
(Di\j;an 5111- 2lbu\'hr des Antisemitismus
lü*rid)ciut au jcöfin Soiiiiinflc.
Witii, .). i'cbrimr It!'.»t.
;)Jcöncttoii n»ü '.'lümiiiifirntioii:
UT>icn
I. §cirorftatto 10.
II. Jahrgang.
W&m
N&TaC
vEin offenes 5d?reiben.*
Der Bischof oon vi»5 Ti\ Dopprlbauer wariile neuliii) Don
ihm illttcrstehendc» iSlcru« vor jenen antijeinitifdjeu ^eitmnien,
welche der (Saplnnofrn'ie - nngrbührlich schmeicheln und die S»b-
-idination im Priesterslcinde 511 lockern bemüht sind. Dem Bischof,
welcher a»S Ehiiikscnfurcht, ans Bcsorgiiiß, eS köiinlrii einmal
chinesische Arbeiter nach Vinj komme» und eine. Berlrelung im
aiidcsschnlralhc begehren, dem Repräsenlaiilen der jüdischen RV-
gionsgcnossenschaft in demselben ein consil in in ..-ilnmmli erlheilen
rollte, war es einzig und allein »m die Anfrechlerhaltuiig der
schliche» Diseiplin ;n lhn», alS er diese Wcnmimg erliest. Nichts
-ig ihm ferner, als dem Anlisewitismns sonst enlgegeuzulrelen
iiid dessen Opfer kraft seiner hierarchische» Autorität zu schütze».
So fügte es sich den», dast zu gleicher Zeit Wiener anjiseniilischo
Organe dem Bischof von Lin; vouvarfen, er ziehe an einem
i lrange mit Inden und Jndengenosscii, das^dei» Bischof nahe
urhendc „Linzer BolkSblati" aber selbst de» Antisemitismus in
. stier Weise cultivirte, die »in so widerlicher war, als das fromme
Blatt es nicht unterließ, seine» gehässige» Anslassnnge» einige !
ialbiingsvolle Phrasen über Liebe, Gerechtigkeit, Sünde »nd Neue,
Schuld und Buße :e. anznhängen.
Ai» Boi tage des Weihnachtsfestes brachte das „Linzer Bolks-
•iii" einen „Jüdische Irrwege" bilitellen Artikel dieser Art,
welcher einem erprobte» Borkämpser der Abwehrbestrcbiingeii zu
»er Entgegnung die Feder in die Hand drückte. Herr Dr. Earl
: >t. ißli » g, Bieepräsident des Wiener Bereines zur Abwehr des
.'lnlisemitiSmnS, richtete ein offenes schreiben a» de» Geistlichen
-.'Hann Hauser,*) in welche», klgr dargelegt wird, daß das von
-tzierem redigirte „Winzer Boltsblatt" selbst auf Irrwegen wandte.
..iviter in motlo, l'oiiiter in re werden von Dr. v. Kißling
dir Momente hervorgehoben, welche die Richtigkeit dcr Argiime»
stio» erweise», deren sich die Antisemite» und ihre Affiliirlen
diene». Der mit wenig Witz und viel Behage» geübte» Kampf-
ihode, die Juden insgesammt für all das zur Rechenschaft zu
li.'ii, was irgendwo einem Inden mit oder ohne Berechtigung
Vast gelegt wurde, stellt der Berfasser des offenen Schreibens
Frage e»lge.ze»: Habe» die Jude» in Oberösterreich und inö-
. iondere in Lin; irgendwie auch nur eine» Scheingrund ;»>»
>lije»iiliö»in6 gegeben? Auf eine solche Frage heißt es Rede.
. d Antwort" stehe», und jedes Allsweichen leißt diejenigen, welche
.oanschalverdächtigungeii alisstrene», nur desto böswilliger er- j
: men. Ebenso glücklich wie diese Fragestellung Dr. v. K>ßling'6 ^
■. das, was er zur Lösung des Widerspruches »littheilt, der sich !
- niu lundgibt, dag selbst solche Eonservat.ive, die'den Anti j
aiilismiiö verabscheuen, sich alö dessen Anhänger gerircn oder
■' »igstenS dessen Di. »sie aiinehme». Sie glauben ehe», die Anti
»liten gegen die liberalen verwenden zu können. Diesen Eon
-rvativen gibt aber Dr. v. Kißling zu bedenke», daß "der Zweck ,
-chl jedes Mittel heilige, ,und sagt: Wie daS Bölkerrccht den
'brauch vergifteter Waffe» im Kriege verbietet, so erklärt auch
‘■r von allen Eiiltnrvölkern anerkannte moralische Eodex im
lttischen.Kampfe den G.branch der, Lüge nnd Berlennidniig, i
. rauf der AnlisemitiSinns beruht, für nnerlanbl. ^
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*i Crieiietf Schreibe» an de» hochwnrdig.» «emi öoliann .VMii'er,
-laeleur des „Linzer Polksblatieö". Li»; Perleger Tr. satt v. 'iißiiug.
De», offenen Schreibe» dfs Dr. v Äißling a» Johinn Hauser
ist als . Anhang tiu Brief eimjs Pfarrers an eine» liebe» Eonfraler
beigegeben. Auf Estlind genauer >le»nl»iß der emichlägige» anli
semitischen Schriften und mit zwiiigender Logik wird, diiselbst der
Beweis geführt, dcr heutige Aniisemilisnilis iei „eine der geführ
lichste» Häresien, so jemals anfgelnnchl . Man wird dem „Pfarrer",
dessen Schre-bweise eine» hervorragenden theologischen. Est'lehrten
verrülh und der des rühmlich bekaiinlen Widersachers-der Anti
seniitz'», des Eonsistvrialrerlhes Dr. Josef Sehöpf, ebenbürtig ist,
teineswegs .widerfpreche» könne», wen» man nur die Borgänge
beachtet, die sich im anlisemilijchen Bereinslcbe» absviele». Schon
wird die nordische Z^esühls »nd Aiischaiinngsweise^als Bor» ge
pliese», ans dem das deutsche Bolk sei» Heil schöpfen soll, »nd
werd.ii die „angejüdelle» Borsrell»»gswe>sei>" als ein Ergebniß
küustlicher' Bersch»! »>g »nd -religiösen Wahnes hingestellt. Ein
katholischer Estlstticher, der sich seiner Pflichte» bewnstt ist und den
redlichen Willen hat, ihnen zu entsprechen, kaniz demnach nie »nd
»immer mit den Anttslinilen Hand in Hand .zehen. Scheicher,
Schnabl, Wiessiiger, Scherzer und Priester ihresgleichen thälen
wahrlj.h gut,- die »o» dem i^onirater j» den, -biihange zum
off.iien Schreibe» des Dr. v. Kißling gesproechenen Worte wohl
zu beherzigen. Dieselben sind aber auch interessant für Episeopal-
iiiid Primat, einer und für weitere Laienkreise andererseils, wie
den» überhaupt die ganze la»m achtzehn Seiten starke Druckschrift
mehr an Belehrung, Aiistlärnng und Anregung bietet etts manches
bändereiche Werk. Es wäre daher-sehr zu wünschen, daß sie eine
möglichst große Berbreilung iNide, ' \ .
Per antifenutiidy ^ocialbomohot ?
Anschließend au die anch »1 „Fr-ßen Blaite" seinerzeit »liigeibeilie»
I'Aiisslihrniigeu des Brofesior Förster i» der.,Teittid)en "'eieUidnirt ulr
elhi'che Enlinr" in Berlin, hielt Dr. Franz Lülgenail. am S7. Bo
vember v. I. i» der ...Eihische» l^esellichast", einem .Berliner Al beiter
verein, einen Bortrag über das Dliema: „Die Judeu'rage ötonomiich
nnd ethisch", de» »nu die „Deutsche O'e'elischasi stir ethische Eullur",
in llireni Berlage selbst zur Berrssentlichnng ' bringt. Der Borkrag.
Lüigeiiail's ist »in w interessanter, als die ...stieiizzeiinng" in den,
tleedner vor einiger Zeit dep Dnvns des ..aniistiniii'che» Soeialdeilio
träte»" entdeckt halte. Sie iand. daß'Lütgenau in einer Nliheren Ber
sä»»»,»».; die wirlh'chasllickien Ueiacheu des. A'ntisemitisinns zugegeben
hätte, und folgerte/ daß er Antisemit sei. „Die .ttrenzzeiiniig', sucht
ja," sagt Lütgenau, i'o lange sehon eifrig nach dem heimliche» Lknii .
semiieu', dem auiisemilischen Al heiler, deii mau mil >i lang und !s>ona
zum Heerführer' wider die Soeialdemotralie ansritzen louni^ Zur
R'olli geuügt ihr am Ende auch ein Sveialdemdtrai, der. »ichl Arbeiter
im engere» Sinu. industrieller Lohnarbeiier ist. Sie mag ans dem
Folgenden meine .aiitisemiliickie Soeialdemotralie' .leimen lernen."
Lütgeuau beleuchtet zunächst mit großer Schärfe die sogenaunie
„ Fiideni'rage" als Sache des Liationalismns.' „Blau hat mich," außer!
ei, „im OEschichlsiinlerricht des (''nmnoiinme- gelehrt, und man lehn
noch jevt häufig, daß die L.atioiialiläl von zwei Dinge» abhäuge, von der
Abstammniig und der Sprache. Welcher Ration gehörten da»» aber die ,
„T i e gudent'rage olonomii'ch und elbii-b" Po» De. sZr.uiz...
Lütge» an. Perliil, Fers. Dlinnnler S Perlagsbnchhauslmig, IN'.'!. Preis
.'!>> Psennige. ^