Freies
AdliiiiiementSvrkiS.
ftiir Oesterreich U«g,rrn:
'^.nniadrl^ unl ^efUiifciiMiti.).fl. S.Mf.
^.Uvia-riz fl. i.i.*». ^icrlcljädrig . . fl
tViir PaS gesan» mte -1 u »land:
^.nnjadrig. . fl. 3 .—.
Halvlabrig.fl. l.'-o.
vSin^elite ttuiitmcru 6 fr.
Ullfranfirre Briefe werde» nicht angenduunen
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5ur 2lbuvlu* £vs ^lntisemiti^mus.
(f-rfriiriiit au jedem Souiitaiic.
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Nummer 11 .;.
Wie», X. 3 imi 181 ) 1 .
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III. Jahrgang.
Pie acute ^raae.
liiiicö der bcliebtefien Motive &<v beulschen Bollslhrik ift bi,-
jeueö avumi Ounge», ber sein Her; an ei» hohes
Fürstenktiib verloren Ijat, sich bessc» Liebe sicher weis:, zn ber
beliebten aber nicht komme» kann, weil ei» tiefes, licseS Nasser
wohl zwischen ihm 'u»b ihr liegt. Die alte traurige beschichte ist
augenblicklich ini österreichischen Parlcil.be» wiebcr einmal tjoclj
actucll geworben. Der christlich sociale Naliirjniige liebt inbrünstig
ein frommes, hochsürsllichcö Makdelein, nnb. obwohl er ihrer
Gegcnli,be so sicher ist, wie nur je ein Freier unter bieser schöne»
Lonne, obwohl er so ganz ci»S ist mit ihr in Herz nnb Lin»,
kann er gleichwohl nicht zu ihr koniine», weil eine tiefe, tiefe
Coalition wohl zwischen ihm und ihr liegt. Die beiden sind zur
Lieb für ciuailber geboren; und wenn auch bie Well von dein
zärtlichen Bcrhällnitz nichts wissen soll, so flüstert sie boch
wie eö bei Ü^erliebten immer gehl — schon lange davon und
patzt begierig b<m.' ver-Gther'schcv Zeichen beS heimlichen Liebes
Verkehres auf. Dies Hinberniß, welckeS sich seit ber Koalition
zwischen die buben Parteien schob, konnte bc» Bund nicht zerreitzc»,
ja baS Licbcöwerben, zumal von Leite der Antisemiten, wurde
eher feuriger und inslänbigcr, wobei cS nicht ausbleiben konnte,
daß sich in die Klage beö licbeökranken FreierS auch ei» Wort
beS Grolles und der Drohung gegenüber der zaubernden beliebten-
mischte. Wir haben einen solchen Ausbruch unbedachter Liebes
rascrci in der Ltanbrebc gesehen, die Prinz Liechtenstein neulich
vor vcrsammcltcni Hause dem Grasen Hohenwart hielt. Wir
halten an unserer Bcnrtheilnng dieser Reb.enllabniig nnb ihren
eventuellen politischen Folgen auch heule noch fest, wo in dem
anliscinilischen Blätterwalbe baS Echo die Klage beS rpnianti chen
Prinzen in tausendfacher Perstärknng widerhallt. DaSCrgan der
Antisrniiten Katksburgcr Cbserva»; hat einen förmlichen stopf
preis auf den greisen Führer der conscrvaliven Partei auSgcsept
und seine Spalte» einem Jede» freundlich angcbolcu, der bereit
ist, von da einen Giftpfeil oder eine stothbombe gegen Hohenwart
abzuschictzcn. Das von den hochwürbigcn Herren Abel, Deckert,
Scherzcr, Bauchingcr, Lalschka sowie von den Laienbrüdern des
schwarzen lCrdenS: Lueger, Licchtcusleiu, Lchncibcr u. s. w. er¬
zogene „christliche Volk" ließ sich dieö nicht zweimal schaffen nnb
brachte sofort seine im Prater beim „Watschenmann" gemachten
Studien in Berwenbung. Daß bei» Grasen Hohenwart in diesem
„offenen Lchimpfsaal" vorgeworfen wirb, er besorge die Geschäfte
beS Herrn Wckcrle und beS „interessanten PolteS (Israels", er
habe ini Parlamente den Egoismus der Cliquen nnb blassen für-
berechtigt erklärt und die politische Charakterlosigkeit alb höchste
Weisheit hiugestcUt, ist fürwahr noch eine Kleinigkeit. Aber „Gallao,
den Heerverbcrbcr" inutz er sich nennen lasse», er mutz cS a»
sehen' wie er direct alS eine Gefahr für baS katholische Bolk,
für die conservative Partei und ein „Unglück" für diese und de»
Staat hingcstellt wirb, wie man den von zwei Genbarmcn be
gleiteten Schalten Rubigier beb Streitbaren gegen ihn aus dein
. Grabe beschwört, er muß hören, wie man mit geschwungenem
Tomahawk um ihn tanzt und dazu den steh»reim brüllt: „Fällt
ihn boch, wozu belastet er die Erbe?" Und warum baS LlllcS?
WaS hat Graf Hohenwart gclhan? Er hat angeblich den Sturz
beb Grafen Taaffe und damit jene Koalition bewirkt, welche die
ini Leben wirklich einheitliche cleriegle Bewegung im Parlamente
in zwei-Ströme, in riue eonservativ eealiuonslr ue nnb in-die
christlich sociale, antisemitische getheilt hat.
Wir gehören wahrlich nicht zu den Lobrebiiern bco Fnnbainenial
artikc.lgrafen »ub sehe», w:c Sie Dinge sieh neuerlich entwickelten,
auch keine» Anlatz, uuo für die Eoalitio» i» den Sauel zu
schwingen. Allein dieser „puerile Slurnilauf" gegen Hohenwart
beweist wieder einmal - io recht, welch penetrante i Fanlnitzgernch
die politische Moral unter der Wopugauba der Anliseniilen a»
genommen hat- Wir lassen die Frage dahingestellt, ob der Ruf
„Loo von Hohenwart" vom Slandpnukle beo antisemitischen Partei
inlercsseS eine Berechtigung hat ober nicht. Rein nienschlnhen Ein
gebnngen aber folge» .p'ir, wenn wir nuo mit Abscheu von ber
Fori» und Begrünbung abwenden, mit welcher dies geschieht. Als
SlaalSniann nnb Charakter überragt Graf Hohenwart noch immer
die ans de» Zehen einherslelzenben Pugmäe» vom Berge. so hoch
wie Saul die Febusitee, baS .mögen sich jene Z.erge von den
Gegnern des F-unbautenlalartikelgro.fcu gezagt sein tas'eu Die
ganze ribieulc Ciielkett, die verächtlichste Undaiikvarteit, der voll'-
koinniene Beangel jeglichen Rechlogefühleo, die lönl gnenhafle
Zügellosigkeit, alle diese etelhafle» Sumploine der politischen Moral
der Antiseinilkii trete»/ hier doppelt verächtlich zu Tage. Das sollte
de» Cleriealen des Centrunis zur heilsamen Warnnng dienen. Sie
haben diese Helden ber Stratze heimlich »nb offen favorifirt, uh- i l
sie dieselben zu Loolsen beS Schiffleino Petri verwenben zu können
hoffte». Sie haben beide Angen und beide Chren dem alschenlichrn
Treiben der Demagogen gegenüber verschlossen nnb -tlin» eo zn»>.
Theile heute noch. Bi>Ueicht sehen sie nun, welch.o b.r Dank dev
Stratze ist, wie inerkwürbig behnsai» der Begriff „Znbe' tst, nnb
wie er sich gegebenenfalls auch recht gut ans B.tüturlräg r ber
eleriealen Partei nnb ans die Bn-fasier gewiner, vom echt chrisl
lich sociale» Geiste ei »gegebener Wahlretornipr-'!, et-.- anipei-.oen la'.'t,
fatlS diese nicht geneigt sind, ans alle Fnieniionen s.-r D-inagogie
einzngehen. Der oberste Grnubsatz bei von bieien '.'.-ulen geübte»
politischen-Moral lautet: -I-'I.-,-l>-r. >: n- ■ >»!■■ • Vi-luTuüt»
Nixeund sie tragen keinen Angenb.ick Beöenkeu, u> oen* gro>:
slädlischen Acheron, die Cloake. liinabznstetgeii, um daraus die
Waffen für bm »lampf ;n holen.
Was bie poliliiche Bebenlnng bui.? „pnerilen Slnrnieanse'«'"
betrifft, so sind sich Cat über alle Ckkisichligeii eiisig. Eine „aenle
Frage" besteht schon deshalb nichts weil sich die parlaiiienlartsche»
Clllbgenossen des Grafen Hoheilwatl in nnzweibeullgster »nb ent-
schiebenfter Weise gegen die von der „Reichspost" nnb iliren Hinler
iltännerp v.rsnchle politische Erpressung verwahrt haben, nnb weil
diese Parteigänger .vorderhand benn. doch »och in erster Linie
berufe» sind, sich ihren Führer zn »oiiiinire». Und was würbe
de» Aiiliseniilen damit gebient sei», wen» die eoirservalive Partei
an Stelle Hohenwarl'S den Abt TreuinfelS ober Dr. »lachrein
sepen würbe, die ja Beide van den Aiilisemile» zn wieberhollen-
malen schon als Fnben Clerieal^ und Cohnservative hingcstellt wurden?
Allerdings steht eS den sogciiannleit „christlichen Wählern" frei,
bei den nächsten Wahlen die „aenle Frage" ans die Tagesorbnung
zu stellen nnb ihre Beantwortung ini Sinne der „Reichsposl" den
Canbibalcn auf die Marschroute zu schreibe». Wir geben zn, batz
sich bann vielleicht die Chanecu imgünstiger für den Graf,» Hohen¬
wart slcllcn würbe», da, wie wir schon oft betont, int Bolke selbst