Die
GEMEINSCHAFT
Hefte für die religiöse Erstarkung des Judentums.
Nr. 2 Berlin, n. Dezember 1915
INHALT: Und das kleine Licht.....— Der Tiichdank — Am der Frühieit
de« Baruch Auerbadiichen Waiienhausei — Autbau und Fortichritt -? Mit¬
teilungen — Anzeigen
ZU CHANUCKA.
Und das kleine Licht . . . (Gen. i, 16)
Von Rabbiner tfr. Martin Salomontki .
Es keimt ein Reis vom Stamme Isais und ein
Sproß bricht aus seinen Wurzeln.
Wenn ein Mensch von Wert durch das Vertrauen der
Gesamtheit vor eine Arbeit gestellt wird, weil er ihr gewachsen
erscheint, dann ringen Selbstvertrauen und Verzagtsein, freudiger
Stolz und die dem Weh immer verwandte Demut in seiner
Seele. Es ist unnötig, auf die Gemütsbedrängnis unserer Propheten
hinzuweisen, die von Gott erkoren waren, aber sich unwert
hielten, die Führerschaft anzutreten und den Mut des Widerspruchs
nur dem Befehl von Oben opferten. Diese Erinnerung tut unserer
Zeit und ihrem schwach klopfenden jüdischen Leben not, damit
wir zweierlei beachten: Die allzu Selbstbewußten — wir ver¬
fügen Ober eine solche Gruppe - besitzen das Charakteristikum
des echten religiösen Erwecktsein nicht, denn ihnen fehlt die
Scheu vor der Aufgabe. Und die verlegen Zurückweichenden,
die sogenannten Halbverzweifelten und leicht Enttauschten brauchen,
ein Mehr des Mutes, welches der Seele unentrinnbar befiehlt.
Die goldene, die gesunde Mitte der Selbsteinschätzung
und den gebührenden Grad des Verpflichtetsein zeigen, immer
wenn unser Chanucka kommt, die Hasmonäer, der Vater
Mattathias und seine Söhne. Es waren, soweit wir wissen,
kleine Leute, eingeengt durch den nicht bedeutenden Gesichts¬
kreis des jüdischen Provinzortes. Wohl aus sehr guter Familie,
wie fast alle Juden. Denn wenn das heute auch weniger gilt
als damals: wir können uns alle auf große Ahnen beraten,, ob
wir sie kennen oder nicht. Und mehr als ein Hauch, ein Wesens¬
zug der Größe jener gibt vielen, die es ernst meinen und sich
rückhaltlos einsetzen, den Befähigungsnachweis, die Qualifikation.