. 9
r
— 88 —
so beschützte isr . Ratio « dadurch , daß er dem Moses den
Rath ertheilte , zu seiner Erleichterung und zur Wohlfahrt
der zahlreichen Rechtssuchenden , das für ihn so beschwerliche
Richter amt mit anerkannt rechtlichen und gesinnungs¬
tüchtigen Männern zu theilen . In Ausführung dessen er -
hielt Israel eine zweckmäßige Org an i s a t i o n seiner Rechts¬
pflege und ward dem Stifter derselben zum höchsten Danke
verpflichtet . . Es zahlte auch redlich durch seinen ersten
König ; denn wir lesen im 1 . Sam . 15 , 6 , daß , als der !
zum Vollstrecker des göttlichen Uriheils wider die Amale - '
kiten berufene Saul sich zum Angriffe anschickte , er zuvor :
die ß ernten ( Nachkommen des Jethro und Anwohner |
Amaleks ) aufforderte , sich sogleich aus dem Bereiche dieses '
Erbfeindes Israels zu entfernen , um nicht gleiches Schicksal
mit ihm zu theilen . „ Weil Du Dich ( durch deinen j
Ahnherrn ) unserem ganzen Volke wohlthätig erwie - \
fest , als es aus - Egypten zog . " 2 . Sam . 10 , 1 . 2 . 1 .
Kön . 2 , 7 .
Bemerkung . Da 4 . M . 10 , 2 — 32 nns in Ungewi߬
heit läßt , ob der dort , erbetene Liebesdienst wirklich geleistet
wurde , obige Fakta aber in zwei aufeinanderfolgen¬
den Kapiteln erzählt werden , während die Gelehrten dar¬
über im Unklaren sind , ob Jethro vor oder nach der Ge - .
setzgebung aus Sinai angekommen sei : so halten wir nnsere !
Ansicht über die Natur dieser Wohlthat für begründet .
Dtöglich auch, , daß unter dem npn sowohl die wohlwollen -
i
den Rathschläge des Jethro als die für Israel so erwünschte
Begleitung seines Zuges durch die Wüste von Seiten Cbo - i
bebe verstanden sind , und . so durch obige Warnung Moses
Versprechen P . 32 eingelöst wurde .
Umschau . 1
— Jn ' s Seminar zu Eßlingen ( Würtcmberg ) sind dieses !
Jahr n » r 2 isr . Zöglinge ' , ausgenommen worden . Da nun in
Würlemberg durckfcknittlich 4 — i > Sckulstellcn jährlich vacant
werden , aucb zur Zeit viele unbesetzt sink , so läßt sich hieran •
ermessen , daß auck dort dem Lehrermangel noch nickt so bald '
adgel olfen sein wirk . .
— Aus dem f . k . öfterreickiscken Sckulbückcrverlagc sind !
im rerg . Jadre nack den " öfier . tlicken Ausweisen an hebr . Bückern !
4601 verkauf und Armendücker . abgegeben worden . Da in
deutscher Spracke B . 040,414 verkauft , während loo,544
Armcnbücher abgegeben - und in rumänischer Sprache auf 14,l > : > 7 ;
verkau - t , sogar 4074 Armenbücher abgegeben wurden , sö würde ^
sich , wenn man hiernach aus - den VerMögensstand unserer Glau¬
bensgenossen sckließen dürite , das Verhältniß sehr günstig stellen . !
Wäbrent in allen anderen Sprackew io » Verhältniß der Armen - !
bücher ; u dem der verkauften zwiscken ' : 3 bis höchstens 1 : 10 !
schwankt , ist hier das Verhältniß 1 : 80 .
— Die „ österreickische constitutionelle Zeitung " enthält ein
äußeni günstiges Gutackten , welches dir Polizeidirrkrion Lem -
berg ' s zn Gunstew der Juden abgegeben , während im Gegen - !
theil der Gemeinderatb dieser Stadt , in der - die Bevölkerung -
zu i , aus Juden besteht, ' sicher ein sehr judenfeindliches Me¬
morandum ausgeiertigt hatte . Die Pollzeidirektion verurtheilt den ^
Ausspruch des Etadtmagistrats als die Ausgeburt ' verrotteter I
antici » ilifatorischer Ansichten , welche von spießbürgerlichen Par -
ticularInteressen eingegeben wären , und sagt ; daß die Juden in
Allem , was man idncn zum Borwurie machen will , zu entschul¬
digen . daß diese Vorwürfe zumeist auf falsche Auffassung und
lügenh iftcr Darstellung beruhen , und nichts mehr vorliege , was
die Fortdauer einer Ausnahmestellung rechtfertigen könnte .
Hamburg , 10 . Mai . In der Bürgersckaft am 18 . Mai
genehmigte diese endgültig ohne DiScussion die Senatsmitthei¬
lung wegen Aufhebung d « S mosaischen Gesetzes in Ebe - und Erb -
schaftSsachen unter Bevorwortung eineS Paragraphen desselben
durch Herr » Wolfson
^ Gera . Unser Landtag hat seine Sitzungen geschlossen und
sich auf unbestimmte Zeit vertagt . Die Zulassung und Aus¬
nahme | btr Juden war mit in die Reihe der BcrathungSvorlagen
ausgenommen , wurde aber als nicht dringlicher Natur ( ! ) der
Vertagung mit überwiese « . I ( Warum denn nicht ? Die Juden
baben - nun 1800 Jabre es machen können , phne in dem europäi¬
schen Großstaate Rcuß j älterer oder jüngerer Linie ? > bürgerlicke
Aufnahme gefunden zu haben ; es kommt also auf ein paar Jahr¬
hundert mehr oder weniger nicht an . „ Wer kann mir lagen ,
wo Reuß liegt , soll sein ein wackeres Etäätchen . " Red . )
Die Lehrerwaifen . _
( Fortsetzung . )
An einem kalten Februarmorgen , im zweiten Jabre nach
ihrem Ginzuge in die Geburtsstadt ihrer Mutter rollte der
Todenwagen scknell durch die Straßen der Statt ; Wenige gaben
ihm das Geleite . Ein blasser Junge , halb Knabe , bald Jüng¬
ling , wandelte unmittelbar hinter dem Leichenwagen , seine Auge ,
sein Anpestckt war starr und blutleer . Ans seinem Arme trug
er ein mehrjähriges Kind ; ein Mädchen von etwa s . cks Jahren
lies nach und rief : Mutter ! Mutter ! . . . . Fenster öffneten und
fct > Ioffenj sich , nachdem sie einen mitleidigen Blick aus den armen
Knaben ; unfc das armselige Geleite geworfen . . .
Jakob und Gudula waren nun die qinzigcn Versorger ihr . r
Geschwister ; sie waren ganz Waisen geworden . —
Worden waren seitdem verflossen . In trüber Eintönigkeit
schlick das Leben der Gelckwister hi » . Niemand batte sich um
die Waisen bekümmert . Sie forderten nickks , die Acltcren sorgten
für ihre jüngeren Geschwister ; wer sollte also ihnen seine Aul -
merk ' mnkeit zuwenden ? Nur der früher genannte Fränkcl hatte
sein Auge auf Jakob geworfen . Mit Erstaunen und Bewun¬
derung ab er diesen von so drückendem Eckmerze beimgesuchtcn
Knaben , Pflickten erfüllen , die für einen Mann sckwer und fast
unersüU > ar waren . Es dünkte Fränkel ! heilige Pflickt , etwas
für Jacpb zu thun , ihm einen anderen Lebenswege zuzuwcisea ,
der ihn in den Stand setzte , seine edle Kraft an Besseres und
Lohnenderes voll zu bewähren . Er wollte noch einige edle
Männer auf denselben aufmerksam machen , und dann , sicher , es
mußte etwas Tüchtiges aus dem Knaben , der unter der Last
des Lebens frühzeitig zum Jünglinge herängereist war , werden .
ES sollte vorerst noch Anderes den Weg des Arme » kreuzen .
Eine » Abends ging Jacob von seiner Landwanderung nach
Hause , einen schweren Pack auf dem Rücken ? In trüben Ge¬
danken wandelte er den beschwerlichen Weg ; Thränen sckmerz -
voller Erinnerung an seine geliebten Eltern vermischten sich mit
den Schweißtropfen , die von seiner heißeü Stirne rannen . Der
Gedanke an die ihn erwartenden Geschwister beflügelte sei «
Schritte . Sie waren ja jetzt allein noch sein Ein und Alle » .
( Fortsetzung folgt . )
Beramwortltcker Redakteur : I . Kling enstein tu Odernhru » in Rdemdeffen ; Selbstverlag der Redaktion . Für dm vuckbandel : in
4om « tsfi « n bei 4 . L . Fritz sch « in Leipzig — Dampf - Echnellpreffmdrnck von I . Sott « leben in Mainz .