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sehr bezeichnend sagt*) bä/ uxhec Den gegebene» Perhätt-
niffen irgend Mögliche zu erreichen strebt," daß sie aber
ihre Bestimmung aus dem Auge verliert, ihre Aufgabe ver¬
fehlt, wenn sie im Uebersetzen zu extensiv verfahren will.
Im Anbetrachte der vielen wichtigen obligatorischen
Unterrichtsgegenstände, welche der stufenmäßig fortschreiten¬
den Uebungen so mannichfache bedingen — Fertigkeit in der
Muttersprache (Styl) Orthographie-, Zahlenlehre — und
in heiliger Anerkennung -des Grundsatzes min -nrrPn
behaupte ich, daß in der Regel eine allen unfern Kin¬
dern so noth thuende Kenntniß, Liebe und^Verehmng ihres
Judenthums durch das Uebersetzen aus dem Hebräischen
nicht erzielt werden kann und zu befürchten steht, daß man.
wie Wurst sagt, am Ende gar kein Ziel erreicht.
Fassen wir darum die verschieden gestalteten Schulen
näheres Aug!
I. Handelt es sich um Knabenschulen, in welchen zur
Erlernung der hebräischen Sprache und Literatur hinreichende
Lehrkräfte thätig sind, so mag dieser Unterrichtsgegenstand
ganz als eines von den mjnr -or6 .pKtr behandelt
werden. Die Väter, welche ihre .Söhne solchen Anstalten
überweisen, werden in Betreff der Marime cy min ns’
jHn -,-n sich zurecht zu finden wiffen.
II. Den soeben verzeichneten Schulen am nächsten
stehend, d. h. zu etwas gesteigerten Ansprüchen für das
hebräische herausfordernd', werdm Knabenschulen zu re-
gistriren sein, wenn in einer größer» Gemeinde die Trennung
der Kinder nach Geschlechtern geschieht.
II l. Die nothwendige Parallele zu der in der vorigen
Rubrik bezeichncten Schule, wäre eine Mädchenschule mit
allen Jahreskursen. Hätte ich mein Urtheil für eine solche
Schule abzugeben, so würde ich mit Herrn Plaut (Nr. 7
S. 35) «eit weniger dafür stimmen, die Gebete ganz ohne
Hereiuziehung der Grammatik zu ülnrrsetzen, als die Ueber-
setzung ganz auszuschließen. — Meine Anforderung für
eine solche Schule wäre: aus den Gebeten mäßig übersetzen,
seinem richtige» Verlälrniisc ;u ffn anö«r» fflfgfnitänCcn zu verrücken,
und ihm ein der Schule im Ganze»-n.-.chlbeiligs Uebergewickt über die
selbe» zu gebe» Rur durch harmonische Gestaltung de» ganzen Schul
u»t lrichte, durch weises Abwägen von Kraft unv Zeit, die jcdem
Uaterrichtsgegiustande seiner Wichtigkeit, seinem trinflusse auf die ttr
sammrbildung, und seiner praktische» Rothlvendigkcit nach, zukömmt, ge¬
winnt tie Bildung des Menschen im Allgemeinen, schreitet er in seiner
Beivcllkommnung fort — wi:d also reli.iiöser.' Sie sehen alio, daß
ich «eit davon entfernt war. dem Lehrer mehr zuzumuil-en, als sich mit
dem Woble d-.r Säule »erträgt. Wenn iS nichtsdestoweniger dort ein
sehr weit gehendes Material behandelte und aufnabm, so geschah es nur,
um eben di« methodisch« Anlcjtung bis zu dem höchsten Ziele zu bieten,
und als» einen h.rmonisch adgerunceten Ünterrichlsgegenstand aus
dem Hebräischen zu machen, ihn aus dem bbaos, in dem er fich befand
und an vielen Lrten leider noch bestndet, herauszuzieben und in einer
würdigen, der Gejommtbildung förderlichen, mit den andern Gegenstän¬
den in der methrtijten Behandlung ebenbürtigen, ähnliche „formale'
Ziele erstrebenden Weife umzugestalt>n. * Das, was dort aufgefübrt
wird, nur in d.n allcrseltenste» Fällen gelebrt werden kann, ist m>r bc
kannt, dock werden Sie mic Ihre Zustimmung nickt versagen,
wenn ick behaupte: Irr 2 Stuneen wöchentlich kann hei richtiger metko
bischer Behandlung für bleibendes und fruchtbringendes, den böbcren
Stufen immer zu Gute kommendes Wiffen mehr gele: -i -.de»
bei planlo'em Versal ren in 2 Stunden rögUch. — Red.
*) ,2ft. Lehrer» 18jl Rr. 29 S: 114.
j langsam fdrtschreitend, dabei sprachlich bildend zu verfahre». §
(Kenntniß des Artikels, Biegungslaute des Substantivs und I
Verbums . rc. Correctes Schreiben der Monate, Fest. »
und Frtsttage.). I
IV. Für Schulen, in welchen Knaben und Mädchen *
vereinigt, jedoch unter zwei Lehrer als untere und obere
Klaffe verthcilt sind, würde ich 1
a) als Lehrer der untern Klaffe (Kinder bis zum .
und 10. Jahre) ganz denselben Grundsatz wie aä lll. fest .
hatten, etwas Gebet - Uebersetzung, oft wiederholt, sprachlich z
bildend behandelt. ff
I l»> 1. In der untern Abtheilung der Oberklaffe möchte z
! es vielleicht de» Unterricht vereinfachend fein, wenn man »
j aus den von der Unterklaffe übertretenden Knaben und k
! Mädchen mit den Nachzüglern von den früher Eingetretenen k
I eine Abtheilung combiuirt, welche kleine Abschnitte aus dem s
! Pentateuch übersetzt, nicht in der Absicht, auch für die
Mädchen einen gründlichen vorn Unterricht zu versuchen,
sondern um die Schüler mehr zu concentriren, die Zeit
und Kraft des Lehrers nicht z» zersplittern.
b) 2. In der oberen Abtheilung der Oberschule tritt
vielleicht der Fall ein, daß der Lehrer die Schwierigkeit,
welche die Gemeinschaft der Knaben und Mädchen unver- -
meidlich bereitet, leichter dadurch hebt, daß er den Penta- [
teuch in die letzten Schulstunden (des Nachmittags) verlegt,
nur die begabten Mädchen theilnchmen läßt, die minder¬
fähigen entläßt, als daß er die sämmtliche weibliche Be¬
völkerung besonders beschäftigt.
Unter allen Umständen aber wird die Ansicht des
Herrn Plaut von der bei weitem größten Majorität der
Lehrerwelt als abnorm zurückgewiesen werden.
V. Die Religionsschulen, d. h. die Schulen, dere«
Schüler zur Erwerbung der sogenannten profanen Kennt¬
nisse unv Fertigkeiten die christlichen Schulen frequmtirm,
zerfallen in verschiedenen Kathegorien. Meistens verdanken'
sie ihr Dasein dem Umstande, daß die Eltem (die Gemeinde¬
vorstände) die für die Etablirung einer Elementarschule
vom Staate geforderten Bedingungen nicht erfüllen können
oder wollen. Ost stehen solchen Schulen nur ipenige unbe
queme Unterrichtsstunden zu Gebote, um nicht mit den an
der» Schulen zu collidiren. Dagegen eiibt es Religion-
schulen in Dorfgemeinden, deren Schüler im Sommersemester
schon Morgens um 7 oder 8 Uhr für den ganzen Tag von
der Elementarschule frei sind In manchen Staaten sind
auch die Religionslehrer von der Negierung bestätigt und I
dürfen ohne deren Bewilligung nicht entlasten werdm; in .
andern hängen sie von Launen und Willkür ad, und wer- 1
den fast wie die Kleider mit Sommer und Winter gewechselt. ■
Was ' läßt sich Betreffs dieser Schulen für den Unterricht [
im Hebräischen feststellen?
VI. Letztens komme ich wieder auf die vollständigen
Elementarschulen zurück, über welche ich bereits oben meine
Meinung abgegeben habe. Ich bin weit entfernt zu sagen:
'njn 183p; aber es. sind mir Fälle bekannt, daß ganz
steißigen, gewiffenhaften und berufStreuen Lehrern wegen
. ocs hebräischen Unterrichts empsiidliche Unbilden erwachsen
I sind. Wie kam dieses? So sollte es doch nicht sein?