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< Kine Tchulrpde ,
gehalten am Schluffe des . Schuljahres
von
® . i 8 erste Jahr unseres Wirkens ist zurückgelegt . Die
Hemnisse und Widerwärligkeiten , mit welchen wir in dieser Er -
öfinungep : riodc zu kämpfen hatten , bilden die Leidensgeschichte
emcr jeden Schule . DaS Saatkorn , von dem Seemann der Erde
anvertraut , scheint verwesen . die Arbeit wird als eitel und
nutzlos betrachtet ; aber wenn Lust und Wärme , Feuchtigkeit und
Sonne , die ganze mächtige Kraft der Statur das Saatkorn her¬
vorlocken , beet t es . mit der Hül ' e des allmächtigen Herrscher -
über alle Dinge eine reiche Ernte . Die Ernte dieser Anstalt
beruht aui der endlich zu crlanaendert Ertennlniß , dass die Re¬
ligion wirtlich die innerst : schaffende Kraft deS Menschen ^ sein
Lebensodem ist . daß sie d - e lic - ste und heiligste Duelle ist , welche
Gesinnung und Handlung weiht und lv wedelt . Soll die Reli¬
gion diesen belebenden und heiligenden ! Einflnß auf die Lebens -
richiung des Menschen üben , dann muß sie ebenso Nar erkannt ,
wie tief empfunden werden Die religiösen Satzungen und Leh¬
ren haben für uns nnr dann einen wah - en , nur insofern ewigen
Werth , wenn sie der l bend - g : Ausdruck innerer lleberzcugunz
sind und iiir das Gemüt < eine unmittllbav anregende Kraft ha¬
be » . Die religiöse Erkennknß , die religiöse Ueberzeugung darf
nickt als etwas To ' es das Recht imittmife der Lebenden ver¬
lieren , sondern muß ; um VolksbewuntsAn . zum wohlthätigen
Le . ensprinzip erstarken . \ ) J
Ben diesem Grundsätze geleitet , bemühte ich mich im ver¬
gangenen : r if ! t Jabre di fet Anstalt ihit schwacher Hand da »
Lickt d s eigne » H n z ' r . s gleichem in d » : Seele meiner Zöglinge
zu übertragen , damit sie stübzeitig Tugend und Pflicht » aisen, ,
lieben u ' d d ' i üben lernen : dam t ne nickt nur durch erworbene '
Kenrtn ' ise ui : d urck Wiss . n , n . ' . ' . d . rn mehr nock durch die Weihe
des G müti - s und dura » . die Sitrcn insder g > oßen Schule des
Lebens e > n ; r würdig den Plao ans ' ülleii - und zum Heil ihrer
Mitmenschen wirken . - . s '
Ob und wie i " di : , ' e VervftrÄung nachkam . - babe ich Ihnen ,
meine Here : » , in dem Ihnen üb ^ rgeber . eit schriftlichen dürren
Umrisse da ' gesi . ' ilti La aber di : innersten , religiösen Beziehun¬
gen L \ \ ‘ Jnde ' . : lbnn s m t de . hebräischen Sprache verbunden , da
dies : Spracke das 4 . cili - ' ,thum des Volkes ist , w lckes die Stürme
per Jab : tausende dcms . ' l en - sicht zn ett . eiben vermochten : da
Aeisi und Gemüth sich noch iMm « . r an d . m Urt rt des gött -
is en Wortes erlaben icll v , un ' müssen : so nzb . n ick unter den
iebrgege . iütän cn nicht nur d n Unterricht in der Bibel , sondern
auch die U . ' ocrsetzlieg er " ere * als das wichtigste > . nd wirksamne
Element t - s Re . ig . onSu t rr ^ ckte ? b i > . n Israeliten auf . Aus
dies « Weite benschte sich mich , die liesske und ursprünglichste
sDuelle aller Religon , nämlich das je ^ m Menschen ei ' gegebene
> - xiübl iür da ' Unendliche und Ewige in den Herzen o < - : Ju¬
gend zi wetten , und dann bk - ir . Geinblen ruglei b ein : cories -
sion . lle Ri - tu . ig zu g . n - ett . » nd . m nb ans c ! as gesckrieb . ne Wort
als Gewährleistung b . nwi . s , die sckö ' . sten Sprüche und Auf ;
muntcrun en . die uns vom Geiste Gottes übermittelt wurd n ,
als eben ' oviele Anregungen bot , wodurch nicht nur der reli . siöfe
Sinn und das ireie Pflichtgefühl best t und geleitet , sondern
insbesondere verderbliche Zw ifelsucht , schädliche W dersprncks -
liebe gegen bi : sötllideen Wab ' bet : : wirkun islos und un¬
schädlich gewachst werden müss n . - Ich suchte dn Widerspruch
. durch Per beidigung , den Zweifel der Kleinen durch Ueberzeugung
zw beben . '
. Wohl macht der genußsüchtige Un,flauste Einwendung : er
spricht , selbst mit Beibehaltung des angeführ ten Gleichnisses , daß
die Schule die Aufgabe bare , tas geistige Saatkorn dem empfäng¬
lichen Boden anzuvertrancn , dam - t es z,r nährenden Frucht sich
gestatte , daß aber der Religionsunterrickt ferche Erhabenbeit nickt
beanspruchen könne , weit er mit keimr Wissenschaft in Verbin¬
dung stehe und wohl einen idealen , aber k inen materiellen lebens -
dienlichen Ruhen verschaffe . Die Religion gewährt unS im Sinne deS
GleickniffeS Schutz und Schirm in den Stürmen des Lebens ,
aber keine Frucht !
„ Sur Entgegnung diese - Einwurfes bem : rke ich : Die Re¬
ligion bient zur Fortpflanzung und Festbaltung alles Guten und
Nützlichen im M . mschen . Jede Wissenschaft und geistige Hebung .
gehört im höheren Sinne deS Wortes der Religion an . Die
edelsten Empsindungen , die erhabensten Gedanke » werden durch
sie zu Tage gefördert , die herrlichsten Blüthen der ' Natur wer¬
den durch sie zur Reife gebracht . Aber die Religionsiehre siebt -
auch als Wissenschast nicht in ' verachtender Selbstgenügsamkeit
da , sondern sie nimmt willig und gern jede rationelle Erkennt -
niß alS einen Zufluß in den weltumflu ' henden Strom der Glau¬
benslehre auk . ' Wenn der gebildete und gewissenhafte Lehr > r
von der Rotation der Erde spricht , w : nn er in derRaturlehr -
die Naturerscheinungen , jene natürlichen Wunder , dem Geiste des
Zöglings oorführt und erklärt , wird er nicht unwillkürlich aus
die Erhabenheit und Allzät « zGotteS , wird er nicht zur Religion
hingeführt ?
Und befördert nickt rückwirkend de - iaßlicke und erhabene
Stil d ' s göttlichen Wortes den guten Geschmack ? Veredelt nickr
die Glaubenslehre Gedanken und Ausdruck ? Schärst sie nick :
die Urtbeilskrast des ZöflingS ? Und ist nickt an dieser Schärfe
der Urtheilskraft , an dem rickligen Gebrauche unserer Seelen -
kräftc und den gehörigen und zweckmäßigen Verwendung derselben
All : S gelegen ?
So lasset uns denn , meine lieben Kinder ! beharrlich und
mit unermübeter K - ait a : f dem Pfad : d : r Glaubens - und Pflicht -
ertenntniß . vorwärts schreiten , damit wir von dgx erhabenen
Führerin : Religion geleitet , uns,re Bestimmung zur Gott¬
ähnlichkeit Erreichen . Mein ehrwürdiger Vorgetevte , der Herr
Dberrabbi und Direktor dieses Inst t . : s wpllr uns auch ferner
hin mit seinem weisen Ratbe . mir d : m Umfange seiner Kennt¬
nisse und mit seinem frommen Beijpi ' l . - unterstützen , und unseren
Willen kräftigen ; der ehrsame Gemeind . oorstand wolle uns mit
Liebe zugetham sein und di : Anstatt in seinen Sckutz nehmend ,
Und Du . ' allgegenwärtiger b » n : nliscker Vater ! der Du ' in
dieser feierlichen Stund : auf un - bcraa siehst , legnc unser Stre¬
ben , ai ' b Gederhen unserem Fleiß : und ch ' sianze Liehe zur Tugend
ui unser Herz , ' . ’ tinr . n rief : Sckule üls eine W rkstätte bei
göttlichen Geiste ? unt - r d ' ine Db ' out , beschütz ' , kette und stärk
uns in unserem Versa » - auf daß unser Streben zu Dein
Ehre und zum Aohle der Menschheit gereich ' . Amen !
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Fri . c berg . 7 . Ang . Heust fand die In Rr . Li . d Blj
' angeknndigte erste Versammlung - isr . Lehr r der Gco : ; b . Heis
Provinz D - eriessen in ' Ridta Zt . ttt . riotz de : Zerst entbeit , in
welcher me isr . Lehrer d es . r Provhnz leee - , und trotz der sckwies
rigen Vtrbindung des Versammlungs - Drtes mit 7 n übrige
Orten dtr P ' ovinz " war die . Versammlung dock von II Lehrer ,
besucht . I An jedem anderen Ortender Pr - . w - nz wäre sie indesse ,
kaum stärker prsnckt gewesim . Auck He r siiaoliner Dr . Lev
aus Gieße : , und der für alles Eble und Gute b ' gsist r . ' c un
namentlich für die Sache der Lehrer f - i — Dpier scheuen : e Her
S . Simon aus Gedern , hatten die Ver ' ammmng mit ivre ,
Gegenwart vechrt . Die Sitzung dauerte r - n ! I ' ihr Bormit
tags bis 5 Ubr ' lliackmittagr unt einer l ’ - ständigen Unterbre
chung während des Mittazeisensl Es constituirte sich ein Pro