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Schristleituag :
Stadtrabbtaer Dr . Rieger , Stuttgart .
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UNSEREN GEFALLENEN ,
Zum . Gefallenen - Gedenktag am 20 . November 1932
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In der Heiligen Stadt erzählt man
sich , daß alljährlich am neunten
Aw , dem Tage der Zerstörung des
Heiligtums , ein tiefes Aufseufzen
aus der Klagemauer , dem letzten
Reste des hochheiligen Gottes -
tempels , tönt und eine Träne aus
dem uralten Gemäuer sickert :
„ Der Stein weint aus der Mauer " .
( Habakuk 2,11 ) .
„ Zehn Jahre sind seit dem Ende
des furchtbaren Krieges dahinge -
gangen . Viele , leider nur zu viele
scheinen das Entsetzliche , das die
Menschheit in diesen Kriegsjahren
erduldet , vergessen zu haben . Ein¬
mal aber im lieben langen Jahre ,
am Tage , den das Vaterland sei¬
nen gefallenen Söhnen weiht , tönt
die Mahnung : Gedenket , vergeht
nicht , wahrt Euch , was Eure Augen
geschaut . Dann scharen wir uns
in den Gotteshäusern . Wir blicken
aus ernsten Augen auf die Ehr ^ nsteine , die wir unseren
Kindern gestellt Dann lebt in uns die Erinnerung auf
an das Herzeleid , das dieser Krieg geschaffen . Wir hö¬
ren den Weheschrei unserer Geliebten : „ Der Stein weint
aus der Mauer " . — Wir denken an das , was sie gelitten
in Schlamm und Blut , in Gas und Grauen , im Sturm
und im Graben , an ihr äußeres Leid und ihre innere
Not Wir denken an die Gräber im Feindesland . Sie
sind verfallen , nur zu oft vom Feinde mißachtet Ihr
aber seid nicht vergessen , ihr Brüder in Flanderns Sand ,
in Frankreichs Erde , in Polens Steppe , in Rußlands
Öde , im glühenden Morgenlande und in den Tiefen
des Meeres . Wir haben Euch aus der Fremde heimge¬
holt und schauen auf den Stein , der Eure Namen ver¬
ewigt — und eine Träne sickert in unser Herz : „ Der
Stein weint aus der Mauer “ . — Ihr Leidgereiften und
Ihr Frühvollendeten , ja , das ist der
Name , mit dem wir Euch grüßen ,
mit dem wir Euch ehren . Was uns
ein Bruchstück scheint , war wirk¬
lich ein Ganzes . In der Höllenglut
und Seelenpein des Krieges seid Ihr
aus Kindheit und Kindlichkeit zum
Mannesalter gereift . Der Tod vor
Augen hat wie ein heißer Sommer
Euer Sein vollendet , Euer Leben
gereift War Euer Sterben sinnlos ?
Heute wissen wir die Antwort , die
wir vordem nicht gefunden : das
Gesetz Eures Sterbens ward das
Gesetz unseres Lebens , leben im
Dienste der Idee,fterben imDienste
der Pflicht . Deutschland ist uns
durch Euer Blut noch teurer ge¬
worden — Opfer erhöhen den
Wert . „ Der Stein aus - der Mauer
weint “ , heil uns , wenn wir das Lied
seiner Tränen verstehen ! “
Diese ernsten Worte schrieben wir
anläßlich des Gefallenengedenk¬
tags des Jahres 1928 . Und wir müssen gestehen : so ein¬
dringlich wie damals sprechen sie zu uns , die wir uns
anschicken , wiederum unserer gefallenen Brüder zu ge¬
denken . Auch in diesem Jahr wird im Gottesdienst unse -
rerimWeltkrieg gebliebenen Söhne gedacht ; ihreNamen
werden in einem „ Jiskaur " in unsere Erinnerung zurück¬
gerufen . — Aber die Feier gilt mehr fast den Lebenden als
den Toten . Die Lebenden brauchen sie besonders heute
zur beschämenden Selbsterkenntnis und Einkehr in sich
selbst . * Sie brauchen sie , um an den furchtbaren Opfern
der Kriegszeit die eigene Liebe zu Volk und Vaterland
zu messen . Die Nachfahren brauchen sie als Warnerin
für eine entseelte und von blindwütigem Haß erfüllte
Zeit . — Noch kann die Menschheit , noch kann das
deutsche Volk einen solch ernsten Bußtag nicht entbeh¬
ren . Möge er viele zur Einkehr und Umkehr ermahnen !
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Den Gefallenen der Iar . Gemeinde Stattgart
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