der
Jüdischen Rundschau
Beilage zu
״Jüdische Rundschau“
Jahrg. XII. No. 35
Herausgegeben
von
Sr. Heinrich £oewe.
Redaktion:
BERLIN N. W. 52.
Melanchthonstrasse 4.
No. 13 Berlin, 20. Ellül 5667 — 30. August 1907 !1 Jahrg
Das nordhebräische Sagenbuch
Von der Kindheit an begleitet den Einzelmenschen und die
Voltvsseek die Poesie. Wenn Leben und Geschichte identisch sind,
so ist die Poesie der Volksgeschichte nicht minder die Sage von
seiner Vorzeit. Und Avie kindlich rein und wie poetisch gewaltig ist
die Sage Israels von seiner Entstehung, jene grosse Sage von
der Entstehung der Welt und dieses weltbewegenden Volkes und
von seiner grossen Wanderung aus dem Bereiche der Sage in die
lebendige Geschichte, aus dem Lande der Knechtschaft in das
Eigailand der Freiheit. Es ist die Sage* und die Geschichte wie
Israel zum Volke ward, das Volk Jakobs auszog aus der Nation
fremder Zunge.
Der israelitischen Stammessage und ältesten Geschichte hat
O. Prockscld), der bisher in Königsberg war und jetzt nach Mar-
burg berufen wurde, ein grösseres Werk gewidmet, das es bean-
Sprüchen darf, unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch zu
nehmen. Wir wollen freilich voranschicken, dass wir in den Ein-
zelheiten in vielem nicht mit den Ausführungen und Auffassungen
des Verfassers übereinstimmen. Es scheint uns sehr oft, dass ein
feineres Verständnis und intimes Sprachgefühl für das Hebräische
ihm abgeht und dass er überhaupt einen gewissen Mangel an
sprachlichem Feingefühl zeigt, aber es wäre möglich, da.ss manche
schiefen Auffassungen und manche noch schieferen Bilder auch in
seiner deutschen Sprache weniger seine eigene Schuld sind, als die
eines ungeschickten Korrektors. An vielen Stellen kommt man bei-
nahe zu der Auffassung, als ob die vielleicht schwer leserliche Ge-
llehrtenhandschrift zu Missverständnissen und Irrttimern eines
Aveniger gewandten Korrektors Anlass gegeben hat. Sonst wäre
es nicht zu begreifen, dass die, Amoriter zuAA^eilen plötzlich mit dem
P Da s nordhebräische Sagenbuch: Die E1 0 h i m -
quelle. Übersetzt und untersucht von Lic. Dr. O. Procksch, Privatdozent
an der Universität Königsberg. Leipzig: Hinrichs 1906. 394 S. 8°.
Preis 13,50 Afark. Geb. 14,50 Mark.