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für seine Dienste in Italien die Erlaubniß ertheilt , z u
Katzenellenbogen und zu Lichtenberg im Oden¬
walde je 12 Inden zu halten ( Wenck I . Urk . 283 . 80 . )
Auch die Epsteiner Herren wußten sich diese ergiebige
Finanzquelle zu verschaffen . K . Ludwig erlaubte dem Gottfried
von Epstein zu S t e i n h e i m , Homburg und E p p -
stein an jedem Orte 10 Juden zu halten bis auf Wider¬
ruf ( Senkenberg Sel . I . 203 ) .
Die Nähe von Frankfurt zog viele Juden in den
N i e d g a u und in die W e t t er au . Ulrich I . von
Hanau hatte von K . Albrccht I . 1303 die Erlaubniß er¬
halten , die ihm verpfändeten Juden zu Münzend erg ,
Assenheim und Nied am Main an Philipp III . u .
Philipp IV . von Falkcnstein verpfänden zu dürfe » ( Guden
V . 785 . )
Eine Hauptniederlassung der Juden war
aber zu Limburg . Sie werden zuerst genannt 1287 .
Am 5 . Mai dieses Jahres versprach der K . Rudolf dem
Gerlach von Limburg 300 Mark Silber als Burgmann zu
Calsmunt und verpfändete ihm bis zu deren Zahlung die
Juden zu L i in b u r g . K . Rudolfs Nachfolger , Adolf
von Nassau , bcsiüttigte am 23 . Feber 1298 dem Johann von
Limburg , seinem Schwager , die Pfandschaft der Juden zu
Limburg , wie ihm solche sein Vorgänger als Burgolehcn zu
Calsmunt um 300 Mark Silber bestellt hat , und schlug ihm
noch weitere IM Mark darauf . In glcicber Weise übertrug
K . Albrecht am 20 . October 1299 dem Johann von Lim¬
burg das Burgmannsrecht auf der Burg Calsmunt und die
dicssallsige Verpfändung der genannten Juden um 300 Mark ,
wie K . Rudolf beides an dessen Vater Gerlach verbrieft hatte .
( Böhmer Reg . 136 , 190 , 215 . )
Ihre Bedeutung als Handelsleute ergibt sich aus einer
Urkunde , welche Corden in seiner ungedruckten historia lira -
burgensis mitgethcilt hat . Rach dieser verbietet 1305 das da -
sige Stift seinen Kapitclöherren jeden Handelsverkehr mit den
Juden , quia indecens est , ut patrimonium Jliesu Christi
in utilitatem talium convertatur , indignum et sacrile -
gium judicatur , eorum cibos a Cliristianis Sumi aut e
converso . “
Als sich bald darauf der Herr der Stadt , Gerlach , in
finanzieller Verlegenheit befand , verpfändete er 1316 die
Bürger , Scheffen und Burgmänner in Limburg an zwei
jüdische Brüder von Oberwesel , verwandelte jedoch
nachher um das Vermögen seiner Untergebenen nicht länger
aufs Spiel zu setzen , diese Ercditschuld in eine Untcrpfand -
schuld . ( Mone . Zeitschr . f . d . Gesch . des Oberrh . IX 257 ff . )
Daß trotz jenes Verbots des Stiftes die Limburger Ju¬
den sich nicht verminderten , ersieht man aus einer Urkunde
K . Ludwig des Baiers vom 30 . Mai 1336 , worin er den
cdeln Mannen Gottfried Graf zu Sain , Gerlach von Isen¬
burg , Wilhelm von Braunsberg und Johann Burggraf zu
Rincgg für die 60M Pfund , die er ihnen für geleistete
Dienste schuldig ist , die Juden zu Limburg halb ver¬
schreibt . Doch gegen diese Verschreibung protestirte der
eigentliche Herr der Stadt Gerlach , worauf dann K . Ludwig
am 19 . Juli desselben Jahres die benannten Herren benach -
richtig ) , daß Gerlach , Herr zu Limburg , ihm seine Rechte
aus die Inden daselbst bewiesen habe und verbietet ihnen
denselben in deren Besitz zu stören . Gras Gerlach ließ sich
1329 von K . Ludwig das Privilegium ertheilen Vier ei¬
gen e I u d e n i n F r a n k f u r t h a l t e n z u dürfen .
Demselben übergab Carl IV . 1349 „ „ Die Juden zu Wetzlar "
„ und assignirte ihm auf jeden Juden zu Frankfurt , Gcln - "
„ Hausen und Wetzlar 1 Gulden jährlich zu erheben . " "
In Herborn erneuerte 1646 der Magistrat die Ver¬
ordnung , daß keine Juden in die Stadt häuslich ausgenom¬
men werden sollen , und gibt , wie Steubing in der Geschichte
der hohen Schule daselbst berichtet , als Motive an : 1 . weil
sic der Christen Feinde wären , 2 . wegen der hohen Schule
und der gar zu gefährlichen Schacherei mit den Studenten ;
3 . weil sic mit Betrug umgingen .
In liegen erscheinen sie bereits im
13 . Jahrhundert . Im Jahre 1252 versprach nämlich
der Erzbischof Konrad von Cöln den Grasen Walram und
Otto zur Verbesserung ihrer von der Cölner Kirche erhalte¬
nen Lehen 5M Mark , und wies ihnen dafür unter Anderem
den Er » rag der Münze und der Juden in Siegen an . ( Krc -
mer Orig . II . 289 . )
Im 14 . Jahrhundert wurde den Juden zu Cöln
ein zehnjähriges Bürgerrecht bewilligt , unter der Bewilligung ,
daß sie von den Cölner Bürgern von der Mark geliehenen
Geldes nicht mehr zu Wochenzins nehmen durften , als einen
Pfenning .
Durch ihre finanzielle Bedeutung , namentlich durch An¬
leihen gewannen die Juden die besondere Gunst der Fürsten
und der städtischen Magistrate , und wußten auf diese Weise
den Schutz der Behörden , so lange diese noch Autorität bc
saßen besonders bei örtlichen Aufläufen , die am Rhein im
Mittelalter so häufig waren , sich zu verschaffen . So geschah
es bei einem Auflause 1303 in Thüringen , daß sie den M a -
g i st r a t der Stadt Erfurt durch Geld für sich ge¬
wannen , wobei der Chronist Nicolaus de Siegen ( Chron :
eccles : Ausg . v . Wegele . 372 ) welcher diese Begebenheit
erzählt , noch Die damals landläufigen Verse hinzufügt :
„ Qui habet nummos , der machet strach , was da crom ist “
„ Qui caret vero nummis , was helfet es , daß er fromm ist ? "
„ „ In Mainz hatten die Juden 1286 einen Bischof "
„ und mehrere Rathsherren welche alljährlich ernannt , die "
„ verantwortliche Behörde der dortigen Judenschaft waren . "
„ Dabei standen die Judengemeinden zu Speier , Worms "
„ und Mainz in enger Verbindung, " " sie hatten für kleine
Civilsachen unter sich ein gemeinsames Judcngericht , das aus
einem Präsidenten , einem Assessor und einem Practicanten
bestand . Dagegen in Streitigkeiten mit den Christen waren
sie den christlichen Gerichten ausschließlich unterworfen .
In Cöln aber bewilligten die Erzbischöfe den ihnen aus
ihrer Geldnoth helfenden Juden , das jüdische Gericht in ge¬
mischten Streitigkeiten auch auf die Christen auszudehnen .
Die Privilegien , die sie zu Cöln von dem Erzbischöfe Heinrich
II . 1331 erhielten , waren so ausgedehnt , daß sie große Un¬
zufriedenheit bei den Christen erweckten , weil sie sic durch
die Noch abgezwungen erachteten , denn seit der Niederlage
des Erzbischofs Siegfrieds ( von Westerburg ) 1288 kamen die
Cölner Erzbischöfe nicht mehr aus politischen und finanziellen
Wirren und Verlegenheiten heraus , in deren Folge der ge¬
nannte Erzbischof zur Einlösung seiner versetzten Stadt 8000
Mark von den Cölner Juden aufnahm , und mit diesen auf
10 Jahre um eine jährliche Steuer von 70 Mark übcrein -
kam . Für diese Zeit mußte er ihnen ausgedehnte Vorrechte
gestatten , worunter sich folgende 3 befanden , die bis dahin
unerhört waren , und wodurch die Judenschaft zu Cöln zu
dem Rang und den Rechten einer politischen Körperschaft sich
erhob : 1 . Sie durften vor kein geistliches Gericht geladen
oder direct excommunicirt , d . h . ihnen der Verkehr mit an¬
deren Juden und Christen verboten werden . — 2 . Jeder ,
der eine Forderung an einen Juden hatte , mußte sich mit
dem Urtheile des Synagogenrathes begnügen , ohne Recurs
und Appellation . 3 . Jeder bischöfliche Beamte mußte die¬
jenigen Juden aus der Stadt treiben , welche durch Beschluß
des Synagogenratlies ausgeschlossen wurden .
Dieser privilcgirte Gerichtsstand wurde sogar noch dahin
ausgedehnt , daß nicht nur die christlichen Partheien , sondern
auch geistliche und weltliche Richter in Judenproeessen vor
dem Rabbiner und der Synagoge Recht nehmen mußten .
Das Domcapitel beschwerte sich darüber nach dem Tode des
Erzbischofs Heinrichs II . bei dessen Nachfolger Walram 1335 ,
und dieser versprach , dieses Privilegium nach seinem Ablauf
ohne Zustimmung des Capitels nicht zu verlängern , allein der
Erzbischof und sein Capitel mußten 1341 den 2 . Artikel aus
Noth ^ wieder zugesteheu , obgleich sie denselben als ein exor -
bitatio a jure et ratione erklärten . Daß die Juden auf des¬
sen Erneuerung bestanden , trug namentlich zu der blutigen