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V. Zabrgang. Stratzburg, 27. /ibarz 1914, 29. Adar 5674. Nr. 13
Inhalt.
Leitartikel: Gottesopfer. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen.
— Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. —
Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Bücherbe'pret^ung. — Sprechsaal —
One bonne le<?on. — Gedalja. — Inserate.
Zu
chottesopfer.
Von Dr. A. Debre.
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Rabbi Jose sagt, überall, wo das Wort „Opfer" erwähnt ist,
wird es mit dem unaussprechlichen Gottesnamen verknüpft, um
den Minim die Möglichkeit zu nehmen, das Judentum herab¬
zusetzen.
Das Buch der Schule ward heute aufs neue entrollt, jener
Teil des Gotteswortes, den altjüdische Erziehungsweisheit dem
Kinde am Beginn seines Studiums zuerst oorlegte. Es beginnt
mit der Lehre vom Opfer. Sollten doch unsere Kleinen für alle
Zeiten unverwischbar in ihr Bewußtsein aufnehmen, daß das
Judentum keine Erbauungsreligion, daß die schönsten Worte und
die lebendigsten Gefühle unser Verhältnis zu unserem Vater im
Himmel nicht erschöpfen. Mögen wir dem gütigen Geber
wunderbarsten Lobeshymnen singen, mögen wir im Bewußtsein
unserer Schuld in tiefster Zerknirschung vor dem ewigen Richter
uns beugen. Nimmer genügt es. Wenn unser Dank für die
Güter dieser Welt uns nicht dazu führt, an einem Teil derselben
nach Gottes Willen die Kraft der Entsagung zu üben, wenn
unsere Reue nur den Stachel in unsere Seele zu drücken vermag,
ohne die Kraft auszulösen, unser Unrecht durch Opfer zu sühnen,
dann haben wir des Thorageistes noch keinen Hauch.verspürt.
In den Dienst des bloßen Gefühles der Scheu und Verehrung vor
dem höchsten Wesen lehren wir unsere Kinder die opferwillige
Tat stellen.
Aber diese an sich zweifellos richtigen Gedanken, die nunmehr
seit reichlich einem Jahrhundert unaufhörlich gepredigt werden,
stellen in ihrer Einseitigkeit wiederum nur eine Abfindung an das
Judentum dar; denn das Wesen der Thora wird nie und nimmer
charakterisiert durch das Wörtchen Gesetzesreligion. Mißverstehen
wir jedoch jenen Großen nicht, auf den dieses Wort und diese
Predigt letzten Endes zurückgehen. Er dachte keineswegs daran,
sich in einen Gegensatz zum Gedankeninhalt der Bibel zu stellen.
Er vermeinte nur die Lebensanschauung, die die Offenbarung als
ein frühzeitiges Geschenk dem Menschengeschlecht in die Wiege
gelegt hatte, von dem gesunden Menschenverstand selbst erfragen
zu können. Er träumte den rationalistischen Traum von der
restlosen Lösung der ewigen Probleme durch die Weisheit der
Sterblichen. Gottes Gedanken wurden den Menschengedanken
gleich, Gottes Wege den Wegen der Menschen. Da kam es denn,
daß nach Mendelsohn und weit über seine Meinung hinaus auch
die treuen Juden, wenn sie auf die tiefsten Fragen des Lebens
Antwort suchten, nicht mehr das Buch des Lebens entrollten, son¬
dern die Bücher der Wissenschaft. Ihre Tat wollten sie Gott wohl
unterstellen, aber ihre Gedanken sollte ihnen das Judentum zoll¬
frei lassen. Im praktischen Leben da blieb das „ich" klein und
Gott groß. Aber in der Theorie da kam breit und selbstbewußt
das „ich" glaube, „ich" behaupte. Wie schnell war das einheit¬
liche Gedankengefüge, das jener alte Mosche Dessau mit Hilfe der
allgemeinen Vernunft in schließlicher Uebereinstimmung mit der
Thora aufbauen wollte, niedergerissen. Es tauchten beinahe so
viele „ichs" auf, als es Personen gab. Man trieb voraussetzungs-
lose Wissenschaft, und man war tolerant gegen die vielen Meinungen
der „Ichs". Vielleicht war die eine Meinung recht, vielleicht die
andere. Wer wird auch so unbescheiden sein, sich allein für den
Klugen und die anderen für beschränkt auszugeben. Die Wörter
Min, Apikaures, Mumor verschwanden aus dem religiösen Lexi¬
kon. Nur dann und wann, wenn einer so anmaßend war, zu
sagen, meine Weisheit gilt auch in Weltanschauungsfragen nichts;
ich will hören, was uns göttliche Weisheit lehrt. Nur dann,
wenn einer von dieser göttlichen Weisheit nicht zugeben wollte,
daß vielleicht sie im Rechte, vielleicht aber auch die Anschauungen
der „Ichs"; nur dann hörte die schöne Toleranz auf. Dann aber
auch gründlich. Wie durfte es der aber auch wagen, mit „un-
erwiesenen und umstrittenen Dogmen" zu Juden zu kommen.
Wenn man ihn „Katholik" oder selbst „Ketzerriecher" nannte, so
war das noch ein Kompliment. Seine Ehrlichkeit durfte man
ruhig in Zweifel ziehen. — So wurde die Thora: Moral und
Zeremonie. Im besten Falle wurde aus der Zeremonie auch noch
Moral.
Ich sagte es schon, unsere Weisen haben für diese Selbstsicher-