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Das Jüdische Echo
Nr. 52
Sie leben schon in recht kümmerlichen Verhält¬
nissen. ...
Und wenn man in kümmerlichen Verhältnissen
lebt, erinnert man sich wieder an die Jüdisch-
keit....
Die Frau borgt sich manchmal von einer Nach¬
barin ein „Zeeno-Ureeno“ und liest darin. Pan
Salomon verwandelt sich wieder in Schlejme-
Salmen und betet manchmal in Tales und Tfillin.
Und wie Chanukka kommt, haben sie plötzlich
Lust, Lichte zu bentschen....
Lichte haben sie irgendwo aufgetrieben. Es
fehlt noch ein Scheit Holz, um sie daraufzukleben,
ln der Küche ist aber kein Span mehr zu finden.
Erinnert sich Schlejme-Salmen, daß er einmal in
den Tagen der Erneuerung eine alte Chanukke-
lampe auf den Ofen geworfen hatte.
„Schlejme-Salmen“, bittet ihn die Frau, „hol sie
herunter!“...
Stellt man einen Stuhl auf einen Tisch, rückt
ihn zum Ofen; es zittert und wackelt, Ludwig der
Vierzehnte stöhnt, Schlejme-Salmen steigt mit
Lebensgefahr hinauf und holt die Lampe herunter.
Man wäscht den Staub und Schmutz mit Mühe
ab und bentscht die Lichte....
Am ersten, am zweiten Abend und so bis zum
achten Abend. Man geht aber jedesmal ohne
Abendessen zu Bett. Schlejme-Salmen sitzt trau¬
rig am Tisch, seine Frau — ihm gegenüber, und
beide grübeln: was sollen sie anstellen, um nicht
vor Hunger zu sterben?
Läutet jemand. Beide springen auf und laufen
zur Tür. Es ist ein bekannter junger Mann, ein
Mäkler.
Was gibt’s?
Der Mäkler kann sich vor Lachen kaum halten.
Nach Warschau ist ein verrückter Engländer ge¬
kommen; ein glattrasierter, vielleicht gar ein ver¬
kleidetes Frauenzimmer.... Und er kauft alles
mögliche alte Zeug zusammen. Er wartet draußen
vor dem Hause.
„Soll er hereinkommen? Ihr werdet wohl für
ihn etwas haben.... In einem so alten Haushalt
wird es sicher etwas für ihn geben....“
Die Eheleute schauen einander an. Was haben
sie für Altertümer im Hause? Der Engländer
kommt indessen herein; es dauerte ihm zu lange,
und die Türe stand offen. Er tritt ein, zieht den
Hut, sieht die Chanukkalampe, stürzt über sie her,
nimmt sie in die Hand, die Hand zittert, die Augen
brennen....
„Ich hab’ ja gesagt, daß er verrückt ist!“ sagt
der Mäkler.
„Wieviel? Wieviel?“ fragt der Engländer in
einem gebrochenen Deutsch.
Kurz und gut, man verkaufte ihm die Chanukka¬
lampe. Man verließ sich auf seine Anständigkeit
und nahm den Preis, den er zahlte.
Engländer und Mäkler ab. Das Ehepaar bleibt
allein.
„Wirklich verrückt!“ sagt Schlejme-Salmen.
„Und vielleicht war es der Prophet Elias?“ sagt
die Frau: „Zum Lohn für die Chanukkalichte?“
Jedenfalls hatten sie nun für ein Abendessen,
auch für ein Frühstück und für neue Kleider....
Das Geld war irgendwie glückbringend.... Das
Glücksrad wendete sich wieder.
Schlejme-Salmen heißt schon wieder Pan Salo¬
mon. ...
Und wenn man einmal Glück hat, so hat man
es in allen Dingen. Kommen plötzlich zufriedene
Briefe von den Söhnen im Auslande. Sie haben
selbst ihren Weg gemacht. Der eine ist in London
Ingenieur und hat geheiratet. Bittet die Eltern,
ihn zu besuchen, damit sie seine Frau kennen
lernen....
Reisen sie hin....
Die ersten Tage sitzen sie bei ihrem Sohn und
freuen sich über sein Familienglück. Dann sehen
sie sich London an: die Häuser, Fabriken, Theater,
Ausstellungen.
Führt man sie einmal in ein Museum....
Nun stellt euch vor, wie das alte Ehepaar er¬
staunt war, als es in einem Saal unter einer Glas¬
glocke die alte Chanukkalampe wiedersah.... Sie
erkannten sofort die alten lachenden Löwen... die
Bäumchen mit den Vögeln... das verbogene Fü߬
chen und das abgebrochene Röhrchen.
„Soll man da nicht verrückt werden?“ sagt
Schlejme-Salmen, der nun Mister Salomon heißt.
„Es war also doch nicht der Prophet Elias!“
meinte die Mistreß. #
Sie schämen sich Vor der jungen Schwiegertoch¬
ter, laut zu reden oder zu fragen.
Werden sie nachdenklich....
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