Monatschrift
der
i Oesterreichisch-Israelitischen Union.
; Nr. 2 Wien, Februar 1902 14. Jahrgang
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Die kaufmännische Ehre bei den Juden.
Vor einer glänzenden Versammlung hielt am n. v. M.
Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d aus Hamburg einen geist¬
vollen und fesselnden Vortrag über das Thema: „Der
jüdische Kaufmann und die kaufmännische
Ehre". Der Festsaal des Niederösterreichischen Gewerbevereines
I war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und es mussten schliesslich,
um dem Andränge zu genügen, auch die beiden Nebenräume
des Saales geöffnet werden. Unter den Anwesenden bemerkte
man den Präsidenten der Israelitischen Cultusgemeide kais.
Rath Heinrich K 1 i n g e r, die beiden Vicepräsidenten Dr. Alfred
Stern und Dr. Gustav K o h n, die Cultusvorsteher Oberbaurath
T a u s s i g, Baurath R. v. G o 1 d s c h m i d t, Baurath S t i a s s n y,
Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Ober-Ingenieur v. Mises,
Architekt Fleischer, Emil Horner, Dr. K atz au, kais.
Rath Moriz Hirsch, kais. Rath Wilhelm P o 11 a k, Jonas
Weil, Salo Cohn, Dr. Alfred B e r g e r, Dr. Marcus Spitzer,
ferner die Rabbiner Dr. S c h m i e d 1, Dr. T a g 1 i c h t, Doctor
Gelbhaus, Dr. Mandl, Dr. Kaminka, Dr. Rosenmann
und S o r, Gemeinderath Z i f f e r e r, Regierungsrath Dr. Schlag,
die kaiserlichen Räthe Schefftel, Ruzicka und Fluss,
Director Heller, den Präsidenten der „Bne Brith" T e 11 s c h e r,
die Vereinsobmänner B r o d und Seligmann, Vorstandsmit¬
glied der „Allianz" W. Pappenheim, Commerzialrath
Stiassny, die Obercantoren Singer und Guttmann,
Cantor Schiller etc.
Präsident Paul-Schiff eröffnete die Versammlung mit
folgender Ansprache:
„Sehr geehrte Damen und Herren!
Indem ich Sie, Gäste und Mitglieder, auf das herzlichste begrüsse,
erkläre ich die heutige Versammlung für eröffnet und erlaube mir vor¬
erst, einige unseren Verein betreffende Mittheilungen zu machen.
Auch in der allerletzten Zeit hat unsere Rechtschutzthätigkeit bei
; wiederholten Gelegenheiten Veranlassung gehabt, sich in Vertretung
; der allgemeinen Interessen unserer Glaubensgenossen in erspriesslicher
und nachdrücklichster Weise geltend zu machen. Wir sahen uns
bei verschiedenen Vorkommnissen auf öffenichenm Gebiete, die,
theils offen, theils versteckt, antisemitische Tendenzen zur Schau