7 . 7 “.!.” für die Okfnnitintmfi’ii des Judentums.
Webst öem Weibl'crtt: Jüdisches LittevcllurbL'crtt.
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Urrrrrmer 44. Berlin, 3. November 1905. 14. Jahrgang.
Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten
Eff wir an die Adresse
Israelitische Wochenschrift
Berlin C Rosz-Strasze 3.
Inhalt.
Artikel: Erste Hauptversammlung des Verbandes der deutschen
Juden. — Raschi. — Dr. Heinrich Groß Von Louis Lamm.
— Das Christentum des Neuen Testaments. — Medizin im Talmud.
— Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Juden und
Judentum. — Politik: Petersburg. Der Tod des Fürsten
Trubetzkoi. — Für die russischen Juden zu arbeiten. — Besiedlung
der Mandschurei durch russische Juden. — Wochenchronik. —
Vakanzen. — Feuilleton: Die Rezension. Von Hermann
Heijermanns jun. — Inserate.
Erste iiiuijiturrfammluitg des verli imdes der
deutschen Iildeii.
Unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern jüdischer
Gemeinden aus allen Teilen Deutschlands fand am vergangenen
Sonntag im großen Saale der „Gesellschaft der Freunde"
die erste Hauptversammlung des Verbandes deutscher Juden
statt. Der Verband, der im Mai 1904 begründet wurde,
bezweckt die Vertretung aller den Juden im Deutschen Reiche
gemeinsamen Interessen. Die Erörterung von Fragen der
Religion und des Kultus, sowie der inneren Verwaltung der
Gemeinden ist nur insoweit statthaft, als es sich um die Ab¬
wehr von Angriffen handelt.
Wir stehen noch immer allzusehr unter dem Eindruck der
zweifellos imposanten Kundgebung, als daß wir jetzt schon das
vorläufige Ergebnis dieser ersten Hauptversammlung des Ver¬
bandes in einem prägnanten Urteil zusammenfassen könnten.
Eines aber muß doch jetzt schon gesagt werden: ob der Ver¬
band in Zukunft das halten wird, was er versprochen, ob er
wirklich positiv arbeiten wird im Gegensatz zum Zentral¬
verein, ob er wirklich, wie er angekündigt, Fühlung nehmen
wird mit der Regierung, mit den leitenden Staatsmännern,
mit Politikern, Parlamentariern und vor allem mit der 7. Gro߬
macht, der Presse, ob es ihm wirklich gelingen wird, von der
Behörde als die Vertretung der deutschen Juden angesehen zu
werden — ganz gleichgiltig: die Tatsache, daß er es zustande
gebracht — allerdings tat das gesteigerte Selbstbewußtsein
der deutschen Juden, noch mehr wohl aber die Rot der Zeit
das ihrige dazu — alle deuschen Juden, ohne Unterschied
der religiösen und politischen Parteirichtung, konservative
wie liberale, Zlonisten und Antiziomsten zu einer gewaltigen
einmütigen Kundgebung zusammen zu rufen, ist ein so großes
Verdienst, daß dem gegenüber mannigfache Bedenken schwinden
müssen. Gewiß ist mit Reden allein — und mögen sie noch
so glänzend sein — nichts getan. Gewiß muß die Begeisterung
allmählich einer ruhigeren, nüchternen Erwägung Platz machen.
Aber aus dem vorliegenden Bericht haben wir erkennen können,
daß der Ausschuß in der Zwischenzeit nicht so untätig gewesen,
wie es infolge seines beharrlichen Schweigens auch der jü¬
dischen Presse gegenüber den Anschein hatte. Wir dürfen in¬
folgedessen das Vertrauen zu ihm haben, daß er die richtigen
Mittel und Wege finden wird, um die Ziele, die sich der Verband
gesteckt, ihrer Verwirklichung entgegenzubringen. Rur wünschen
wir — und dieser Wunsch wird von der breiten jüdischen
Masse unterstützt — daß die von den Großen und Reichen
in Israel als c^uantite negligeable angesehene jüdische Presse
mehr als dies leider bisher geschehen von den Maßnahmen
und Erfolgen des Verbandes in Kenntnis gesetzt wird. Die
Herren täuschen sich, wenn sie glauben, auf die Mitarbeit der
jüdischen Presse verzichten zu können oder gar, wie dies in
einer Vorveranstaltung zum Verbandstag auf einer Zentral¬
vereinsversammlung der Fall war, diese selbe jüdische Presse,
sobald sie sich nicht in Uebereinstimmung mit einzelnen Ma߬
nahmen oder Persönlichkeiten befindet, in geradezu hämischer
Weise angreifen oder herabwürdigen zu können. Wir haben
das Vertrauen zu dem Ausschuß des Verbandes, daß er den
Wert einer freien, unabhängigen Presse erkennen und dem¬
gemäß handeln wird.
Daß die Verhandlungen des Verbandstages einen so
würdigen Verlauf genommen, ist nicht zum geringsten ein
Verdienst des Vorsitzenden Justizrat Lachmann.
Wir lassen nunmehr den Bericht selbst folgen:
Der Vorsitzende des Verbandes, Justizrat Dr. Lachmann
(Berlin), eröffnete die Versammlung mit Worten der Be¬
grüßung und der Mitteilung, daß 163 Gemeinden vertreten
seien. Unter diesen seien 29 aus Bayern, 8 aus Sachsen,
6 aus Württemberg, 12 aus Baden, 4 aus Elsaß-Lothringen
u. s. w. Der Vorsitzende schlug vor, als Beisitzende zu wählen:
Rechtsanwalt Dr. Blau (Frankfurt a. M ), Stadtrat Homburg
(Karlsruhe, Baden), Landgerichtsrat Wöllstein (Breslau),
Kommerzienrat Galliner (Nürnberg), Prof. Dr. Lassar-Cohn