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erreget wurden, daß diese Frage eine Wahrheit geworden
wäre, daß die heilige Schrift nichts mehr u. nichts weniger geblie-
den wäre, als תרמה die Lehre und Aufzählung der religiösen
Meinungen und Pflichten, daß alles Erzählende und Geschicht-
liche — wenigstens insofern es nicht direct Bezug nimmt
auf das Volksleben Israels — dem Gottesbuche fern ge-
blieben wäre! M. A.! Diesen ängstlichen Seelen freilich rufen
wir als all' ihrer Besorgnisse Scheuchung zu: , דברה תורד
״ כלשון בני אדם Das Gottesbuch spricht der Menschen
Sprache." Nicht ein naturwissenschaftliches Werk, nicht die
Grundlage der Geschichts- und Völkerkunde will die heilige
Schrift sein. Sie spricht des Menschen Sprache und in ihrem
erzählenden Theile die Sprache der Menschen, an welche sie
zuerst sich gewendet hat. Ihnen erzählte sie in einem Tone,
der für ihre Zuhörer berechnet, in einer Weise, die der Auf-
fassungsfähigkeit jenes Geschlechtes angepaßt war, wie die
Welt entstanden, wie sie bevölkert worden ist. Es barg sich
da der Wahrheit Körnlein in die Umhüllung dichterischer und
phantasiereich ausgestatteter Erzählungen. Doch, m. Th., auch
wir, die ebenso erfaßten diese Erzählungen des Gottesbuches,
die es demnach nicht schrecket und nicht ängstigt, wenn die dort
angeführten Thatsachen nicht ganz übereinstimmen, mit den
wisienschaftlichen noch zu beweisenden oder bis zur Ueberzeugung
bewiesenen Meinungen — auch wir eignen uns dennoch die
im Eingang angeführte Frage an: In welcher Absicht ist an
die Spitze des heiligen Buches die Schilderung der Welten-
schöpfung gestellet? Weshalb wird besonders in dem ersten
Buche so Vieles erzählt, was weder für die Geschichte Israels,
noch für die Auffassung der Gotteslehre von Gewicht zu sein
scheint? Diese Frage wollen wir, m. A., in schlichter Weise
zu beantworten versuchen, auf daß wir mehren und festigen
in uns die Schätzung und Liebe zum Gottesworte! Amen!
I.
. ״ לה׳ הארץ ומלואה תבל ויושבי בר Gottes ist die Erde
und was sie füllet, die Welt und was in ihr wohnet!" Ja