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ßerausgegebeu unter Mitwirkung des Verbundes der jvd. Cebrer-Uereine in veutscheu Reiche.
Erscheint wöchentlich am Donnerstag. Abonnements werden nur
bei den Postämtern angenommen. PostzeitungS-Liste für 1902
» 0 .3796. Bezugspreis pro Uierteiiubr 7S -4; frei in'S Haus
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Ungarn pro Quartal 1 Kr. 14 h. Zeitungs-Liste No. 1990.
— Bei Zusendung dur^ Streifband für Deutschland und
Oesterreich-Ungarn
für alle übrigen Länder Ji 1.60.
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Hamburg, 18. September 1902.
fistrtiousprels für die fünfgespaltene Petitzeüe 40 >4, im
keinen Anzeiger 20 >4, für bte Reclame-Zeile M 1.—. Bei
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werden auch in Briefmarken entgegengenommen. Beilagen
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Jfn unsere geschätzten Leser!
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as in so reichem Maaße bekundete derv-rr-ge«ae iBierrerre, das allenthalben dem „Israelitischen Familienblatt"
entgegengebracht wird, bitten wir
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Hochachtungsvoll
Uerlag ttttb Krdartto« de» IsrarUttsche« Famiiierrvlattrs.
Sit „A«slöt>dkr"stask.
Von FabiuS Schach.
Daß die antijüdische Bewegung der letzten 20 Jahre
viel soziales Elend und moralische Noth in Deutschland
geschaffen hat, wer mag es leugnen? Und doch will
es uns scheinen, daß, wenn nicht das Schlimmste, so
doch das Beschämendste, was diese Strömung uns ge¬
bracht hat, der jüdische Antisemitismus ist. Es ist
dies ein dummes und häßliches Wort, aber noch lange
nicht so dumm und häßlich, wie der Begriff, den'es
deckt. Es ist leider nur zu wahr, es giebt viele Juden
in Deutschland, die die jüdischen Dinge mit antisemitischen
Augen ansehen, die alles, was jüdisch ist, thatsächlich
als inferior betrachten. Wir sprechen nicht von den
Fahnenflüchtigen, die eines wohlklingenden Titels oder
einer gesellschaftlichen Stellung wegen alle Pietät ver¬
gessen und der jüdischen Gemeinschaft den Rücken kehren.
Von diesen wissen wir wenigstens, daß sie nicht mehr
zu uns gehören. Sie bilden ein abgestorbenes Glied,
das vom Gesammtkörper abgetrennt werden mußte.
Aber auch viele, die noch zu uns zählen, haben längst
verlernt, ihr Judenthum mit Würde zu vertreten. Und
das ist sicherlich eine Erscheinung, die aus den modernen
Vorurtheilen gegen Juden und Judenthum resullirt.
Man braucht nur den Durchschnitt des englischen Juden
mit dem des deutschen zu vergleichet, um dieses Phänomen
I zu begreifen. Der englische Jude schämt sich nie, in
offener Gesellschaft von seinem Judenthum zu sprechen,
ändert nie seinen Namen und begeht sehr selten den
schmachvollen Schritt des Konvertiten. Bei uns dagegen
fühlt man sich häufig selbst im jüdischen Salon gedrückt,
wenn man jüdische Dinge berührt, und wird ganz nervös,
wenn ein Christ dabei ist. Man möchte in gewissen
Kreisen noch immer, so gut es geht, sein Judenthum
verstecken. Wir würden keinem rathen, der jüdischen
Hausftau das Kompliment zu machen, daß sie wie eine
Judith oder eine Sulamith aussehe. Man wird viel
köstlicher belohnt, wenn man von Brunhilde spricht
und das Walkürenhaste preist.
Und doch sind wir deutsche Juden viel gebildeter
als die englischen und spielen auf allen Gebieten des
Lebens und des Wissens eine größere Rolle als jene.
Aber die englischen Juden hatten eine lange Periode
wirklicher Toleranz und ihr Bürgerthum entwickelte sich
gemeinsam mit ihrem jüdischen Bewußtsein. Uns da¬
gegen kam die antisemitische Reaktion zu früh, bevor
unsere Weltanschauung noch abgeklärt war. Kaum
einige Generationen nach dem Auszug aus-dem Ghetto
überraschte uns der künstlich heraufbeschworene mächtige
Judenhaß, und wir bedurften so sehr der Liebe, um
die Wunden, die das Ghetto geschlagen hatte, zu heilen
und an der neuen Freiheit zu gesunden. Wir hatten
den Prozeß der Verschmelzung des Deutschthums mit
dem jüdischen Bewußtsein noch nicht gänzlich abge¬
schlossen, wir waren noch in der Gärung, — da kam
der Antisemitismus und schüchterte uns ein und hemmte
unser Kulturwerk. Wir hatten den glühenden Wunsch,
Deutsche zu sein, und viele von uns glaubten wirklich,
daß man es nur sein kann, wenn man sein Judenthum
aufgiebt. Erst später kam die Erkenntniß, die leider
auch heute noch nicht Gemeingut aller deutschen Juden
ist, daß wir als Deutsche nur dann moralisch existiren
können, wenn wir uns offen und muthig als Juden
bekennen. Wir wünschten, daß diese Erkenntniß in Deutsch¬
land noch viel populärer wäre.
Man begreift also psychologisch diese Erscheinung,
wie der Arzt die Krankheit, der Weise die Thorheit,
der Seelenkenner die Verirrung, — traurig aber und
beschämend bleibt sie doch. Und sie ist auch sehr ge¬
fährlich, denn nichts trägt so sehr dazu bei, uns ver¬
ächtlich zu machen, als der Hinweis darauf, daß Mit-
glieder unserer Gesammtheit selbst die jüdische Ehre
mit Füßen treten. Lächerlich und verächtlich zu scheinen,
— das ist der größte Fluch. Hassen dürfen sie uns
und verfolgen, aber als muthige Kämpfer sollen sie
uns finden und nicht als verächtliche Feiglinge.
Am meisten zeigt sich diese Erscheinung bei der
Beurtheilung der ausländischen Juden, namentlich der
des Ostens. Es giebt thatsächlich Juden, die jede Be¬
rührung mit den Glaubensgenossen des Ostens fürchten