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Die Bilanz des stahres 1910.
Die Juden im Anslande.
W ie in den vorhergehenden Fahren so haben
auch im eben abgelanfene», wenn wir
das Schicksal unserer Glaubensgenossen
in Betracht zogen, unsere Blicke sich
meistens sorgenvoll nach Osten und vertrauensvoll nach
Westen gerichtet.
In dem mit Deutschland eng verbündeten Öster¬
reich-Ungarn haben die Juden aller .Grönländer sich
bei der Feier des 00 . (Geburtstages des greisen .Kaisers
Franz Josef beteiligt und ans diesem Anlaß von dem
Monarchen landesväterlicy huldvolle Bersichernngen
erhalt m. Die großen jüdischen Organisationen der
österreichischen Union und des Zentralvereins für Pflege
der jüdischen Interessen in Böhmen haben ihre 25jährigen
Jubiläen unter großer Teilnahme gefestet. Das unter
ihrer Leitung erstarkte jüdische Bewußtsein hat der bis
dahin nnerschütterten Macht der antisemitischen Partei
in der Reichshanptstadt Wien eine empfindliche Schlappe
dadurch beigebracht, daß das Parlamentsmandat des
verstorbenen Bürgermeisters "neger den jndenfeindlichen
Händen entrissen wurde. Dafür hat in Ungarn eine
verstärkte antisemitische Bewegung eingesetzt, obwohl die
offiziellen Kreise in Budapest offenbar bemüht sind,
durch mehrfache Adelsverleihnngen an jüdische Notable,
zuletzt an den orthodoxen Freudiger, den Schein
von sich abznwehren, als protegierten sie das gegen
die Inden gerichtete Parteitreiben. In Galizien gab
die wirtschaftliche Lage der Inden den Grund zu vielen
Besorgnisien, verstärkt durch die ihnen sehr ungünstige
Handhabung des Gesetzes über die Schänkerkonzessionen.
Eine Enanßte über diese Berbältnisie ist eingeleitet und
dazu nicht nur die Vertreter der ländsästigen -Juden,
sondern auch diejenigen der großen jüdischen Organi¬
sationen des Auslandes, besonders der Jea, herangezogen
worden, um geeignete Maßnahmen zur Hebung des
wirtschaftlichen Notstandes unter den galizischen Inden
zu finden. Leider dauern die Klagen über Zwangs-
tansen jüdischer Kinder im Kloster der Franziskanerinnen
zu Krakau unter Beihilfe der Behörden fort. Die Inden
der Bukowina haben sich zu einer starken Jüdischen
Nationalpartei organisiert, welche durch ihre zu Jüdischen
Klubs vereinigten Abgeordneten foivohl im Landtage
wie im Neichsrate die Interessen ihrer Glaubensgenossen
wahrnimmt und politischen Einfluß ansübt. Die neue
Bersassnng für Bosnien hat der jüdischen Wählerschaft
zivei Parlamentssitze eingeränmt.
In Rußland hat sich die Situation wenig geändert.
Pogrome haben glücklicherweise im abgelanfenen Jahre
nicht stattgesnnden, aber die behördlichen Massenans-
treibnngen der außerhalb des AnsiedlnngsrayonS wohn¬
haften Inden, namentlich unter Tolmatschews Schreckens¬
regime in Odessa, haben nicht minderes Elend über die
jüdischen Riassen gebracht und eine starke Auswanderung
hervorgernsen, deren ziveckmäßige Berteitnng ans die
Ansivandernngsländer noch immer die Sorge der großen
jüdischen Organisationen Westeuropas bildet.' Das
Rayongesetz in Rußland ist ans administrativem Wege
zwar in Kleinigkeiten gemildert worden, aber eine von
Stolvpin verheißene durchgreifende Reform desselben harrt
noch der Lösung. Die jndenfeindliche Tendenz der
R'egiernng zeigt sich soivohl in grausamen, lokalen,
polizeilichen Plackereien der Inten, wie besonders in
generellen Maßnahmen ans dem Gebiete der Schul¬
politik. Die Prozentnorm der jüdischen Schüler an
den höheren Bildungsanstalten des Landes ist trotz des
Wechsels in der Leitung des Unterrichtsministeriums
ans ein schier unerträgliches Minimum herabgedrückt
worden, lind man hat nicht einmal der offiziell ein-
bernsenen Rabbinerkonferenz in Petersburg gestattet,
gegen diese unhaltbaren Zustände einen Protest zu er¬
heben. Sie mußte sich nur mit innergemeindlichen
Angelegenheiten der russischen Inden befassen, liegen
den Schluß des Jahres hat der Tod des Grasen Leo
Tolstoi letztere zudem eines warmen Fürsprechers be¬
raubt.
In Rumänien dauert das harte und völkerrechts¬
widrige Regime fort, welches die dortigen Inden unter
einer grausamen Fremdengesetzgebnng seufzen läßt.
Es bedroht zudem noch ihre wirtschaftliche Erislenz durch
ein zu diesem Zwecke boshaft ansgesonnenes Jndnstrie-
gesetz. Zwar haben sich die Inden des Landes zu
einer energischen Selbstverteidigung aufgerafst, sie haben
eine Deputation an den König und an das Parlament
entsendet, um in einem Memorandum gegen ihre Ge-
drücknng energisch zu protestieren, zwar haben die ehe¬
malige!! jüdischen Soldaten der rumänischen Armen sich
zu einem ähnlichen Borgehen veranlaßt gesehen, aber
der Erfolg ist leider bisher ansgeblieben, es sei denn,
daß man die endliche Beseitigung der schniachvollen
Eidesleistung more judaico darauf znrückführen will,
daß diese jüdische Selbstwehr das 'Gewissen wenigstens
des höchsten rumänischen Gerichtshofes geweckt hat.
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Dagegen hat sich die Lage der Inden in Bulgarien
fortdauernd als eine günstige erhalten und die Teil¬
nahme des Königspaares an der feierlichen Ein¬
weihung der neuen Synagoge in Sofia war ein
äußeres Symbol dafür.
Die Türkei unter dem Regime der Jnngtürken
verdient in zweifacher Hinsicht das jüdische Interesse,
einmal als Heimatland einer zahlreichen jüdischen Be¬
völkerung und sodann als Einwandernugsland für be¬
drückte Inden ans anderen osteuropäischen Ländern.
Die türkischen Inden haben nicht zu klagen. Ihr
Chacham-Baschi ist bei der Regierung angesehen und
einflußreich, seine Beschwerden finden Gehör und Be¬
rücksichtigung, Inden werden zu hohen Staatsämiern
berufen und in der Armee als gleichberechtigt behandelt/
die jüdischen Schulen erfreuen sich offiziellen Wohl¬
wollens, was namentlich bei dem Besuch des Sultans
in Adrianopel hervortrat. Dagegen sind die Schwierig¬
keiten für die Einwanderung ausländischer Juden nach
der Türkei noch nicht behoben, weil in den ma߬
gebenden Regiernngskreisen noch immer die gewiß uns
begründete Besorgnis herrscht, damit ein d.ie Reichs¬
einbeit gefährdendes Element sich anfznbürden. Die
großen jüdischen Organisationen, ivie Jca, Alliance
und Hülssverein, sind bestrebt, dieses Hindernis zu. be¬
seitigen, das ja auch die jüdische Besiedelung des wirt-
schastlich aniblühenden Palästina hemmt. Tie Aur
nahmemaßregel der „roten Zettel" besteht dort ütt
anderern, etwas gemilderten Formen noch immer fort. '
Jerusalem erwartet eine Gesundung seines jüdischen
Gemeindelebens von der Berufung einer geeigneten
Persönlichkeit ans den vakanten Posten seines Ehacham :
Baschi. Die heilige Stadt sah im verflossenen Jahre
auch den Besuch des deutschen Kronprinzen.
In Südenropa lenkte zunächst im Jahre 1910
Italien mehrfach die Blicke der Judenheit auf sich.
R'och immer fungieren dort unsere Glaubensgenossen
Lnigi Luzatti als Ministerpräsident und Nathan als '
Bürgermeister von Rom. Letzterer hat wegen seiner be¬
kannten Rede gegen das Papsttum gelegentlich der
N'ationalseier der Eroberung Roms, die dem jüdischen
Geiste der Achtung vor anderen Religionen nicht ent¬
sprach, lebhafte Mißbilligung, ans weiten jüdischen
Kreisen erfahren.
In Spanien hat sich die Lage der Juden gebessert.
Unter dem antiklerikalen Regime ist sogar ein Jude
in das Parlament eingezogen und gelegentlich des
Internationalen Kongresses gegen den Mädchenhandel
in Madrid hat der König in seinem Palast gegen den
Widerspruch der hohen katholischen Geistlichkeit und
ihrer Partei auch die jüdischen Kongreßmitglieder
empfangen. — In P 0 rtugal hat die Revolution
der Knltnsfreiheit auch für die Inden eine Bahn ge-'''
brachen.
Die nordenropäischen Länder haben einzelne
für die Inden erfreuliche. besondere Tatsachen
zu verzeichnen, die in den Rahmen ihrer judenfrennd-
lichen Politik fallen. Königin Wilhelmina von
Holland hat den jüdischen Institutionen einer Haupt¬
stadt Amsterdam durch wiederholte Besuche ihr Interesse
und Wohlwollen bekundet. — Dänemark hat fein
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