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13. Juni 193f
N.24/Seite 3
Schmarja Lewin s A.
Im 68. Lebensjahr verschied in Haifa
Professor Schmarja L e v i n, eine der führenden
Persönlichkeiten nicht allein der zionistischen Be»
wegung, sondern, darüber hinaus, der zeit¬
genössischen jüdischen Welt. Rach seiner in Ru߬
land verbrachten Jugend — der Verstorbene hat
sie in seinem bekannten Memoirenwerk „Kind-
Dreimal die Judenfrage
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heit im Exil" dargestcllt — studierte er in Berlin
und Königsberg, wurde später Kronrabbiner in
Grodno und Jekaterinoslaw und, im Jahre 1905,
Prediger in Wilna. Daneben entfaltete er schon
damals eine außerordentlich fruchtbare jüdisch-
publizistische und allgemein-politische Tätigkeit.
Im Jahre 1999 wurde er zum Abgeordneten der
ersten zaristischen Reichsduma gewählt.
Schmarja Levin gehörte seit Jahrzehnten zu
den Führern der z i o n i st i s ch e n Bewe¬
gung. Für den Palüstinaaufbau wirkte er wäh¬
rend des Krieges in Amerika und später in fast
allen Erdteilen. Im Jahre 1924 Ubersiedelte er
nach Palästina und wirkte dort gemeinsam mit
Ch. N. Bialik in dessen hebräischem Verlag.
Eine ausführliche Würdigung des Lebens-
werkes Prof. Lenins, dessen in den Schewuoth-
Tagen erfolgter Tod uns erst, bei Redaktions¬
schluß bekannt wird, lassen wir folgen.
Um die Stellung der „Agunah"
Eine Auseinandersetzung amerikanischer
Rabbiner
Der orthodoxe Rabbinerverband
Amerikas (Lbiion of Orthodox Rabbies in
the Hnitod States and Canada) hat auf einer
in New Port abgehalteuen Konferenz einen
Beschluß gefaßt, durch den eine kürzlich von
der Rabbinical Assernb'ly angenonimene Re¬
solution betreffend die W i e d e r v e r h e i r a -
t ii iifl verlassener Frauen schärf-
st e n s a b g e l e h n t tvird. Durch die von der
Rabbinical Assembly beschlossene Reform der
jüdischen Scheiduugsgesetze soll die Wiedervcr-
heiratnng der „A g n n a h", der verlassenen
(Gattin, die nicht in der Lage ist, einen den
Rcligionsgesetzen entsprechenden Scheidungs¬
brief zu erlangen, dadurch ermöglicht werden,
daß der Bräutigam vor Eingehen der Ehe eine
Erklärung zu unterzeichnen hätte, derznfolge
feine künftige Frau des Ehebandes ledig sein
soll, falls ihr Gatte drei Jahre lang nicht für
ihren Unterhalt sorgt oder drei Jahre lang
verschollen bleibt, Nach dem geltenden jüdi¬
schen Gesetz kann eine Ehe nicht in Abivescnbeit
des (satten geschieden tvcrdcn, auch besteht nicht
die Todesvermntung ausschließlich ans dem
Grunde längerer Abwesenheit.
Die Konferenz des Pcrbandcs der ortho-
dorcn Rabbiner bat beschlossen, daß ans Grund
der von der Rabbinical Assembly cingeführ-
ten Reucrnng dnrchgcsührte Scheidungen als
ungültig anzusehen sind, und daß gegen
Rabbiner, die bei der Wicdcrvcrheiralung von
Agnnoth ans Grund dieser Rcfornt Mitwirken,
der B a n n verhängt tvcrdcn soll.
*
Die Rabbinical Assembly NM saßt jene
amerikanischen Oiabbiner, die der dort so ge¬
nannten konservativen Richtung angeltören
und eine Mittelstellung zwischen Orthodoxie
einerseits und Resormjndentnm (Liberal
Jiidaism) einnebmen. Sie sind Graduierte des
von Dr. Evrus Adler geleiteten jeevish
Theological Seminary. Rach bcm von der
Rabbinical Assembly gefaßten Beschluß betref¬
fend die Reform der Scheidungsgesetze, hatte
die Präsidentin des Weltverbandes jüdischer
Frauen, Rebekka Kohnt, an die Rabbinerkonfe¬
renz ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihr den
Dank dafür ansspricht, jüdischen Frauen, die
die standesamtliche Scheidung erlangten, die
Wiederverheiratnng auch durch religiöse Trau¬
ung ermöglicht zu haben.
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Reichsleiter Alfred Rosen be rg:
Die Essener „Nationalzeitung" veröffentlicht
anläßlich einer vom 6. bis 11. Juni stattfinden¬
den T a a u n g d e r R S-K ulturgemeinde
in Düsseldorf einen Artikel des Reichs¬
leiters Alfred Rosenberg, in dem dieser zur
Judenfrage folgendermaßen Stellung nimmt:
DasJudentuminzwarnoch immer
nicht ganz ausgeschaltet, aber es ist
doch derart zurückgedrängt worden,
daß es unmittelbar für die kultu¬
relle Ge st altungDeutschlandskeine
Gefahr bedeutet — wenn die Bewegung
wachsam bleibt wie in den ersten 14 Jahren.
Bedenklicherweise rühren sich aber bei vielen
Eleichqeschalteten und Anhängern jüngeren Da¬
tums schon wieder die sogenannten Humanitären
Ideen, sie begreifen nicht, daß es sich bei diesem
ganzen Problem nicht um eine Personalfrage,
sondern um ein Problem grundsätzlichen
Charakters handelt. Ebenso wie das ganze
deutsche Volk die furchtbaren Jahre bis 1999
als Gesamtheit an seiner Niederlage schwer zu
tragen hatte, so muß auch das Judentum ins¬
gesamt und als Einzelperson die Folgen seiner
verbrecherischen Tätigkeit tragen,
seiner Beschimpfung alles dessen, was geistig und
seelisch groß in Deutschland war.
Es sind in letzter Zeit aber zweifellos wieder
Bestrebungen bemerkbar, wenn auch nicht un¬
mittelbar durch die Juden selbst, so doch durch
Tarnung, Pseudonyme oder durch Vorschieben
nicht ganz instinktsicherer Deutscher, wieder Ein¬
gang in das kulturelle Leben des national¬
sozialistischen Reiches zu gewinnen. Man suchte
sich zu diesem Zweck alte Freunde, die durch ihr
persönliches künstlerisches oder wissenschaftliches
Wirken auch heute noch die Möglichkeit der Ar¬
beit genießen, um mit ihrer Hilfe irgendwie
wieder „ins Geschäft" zu kommen und auf diese
Weise eine große, gleichsam neutrale Zone
zwischen Judentum und Nationalsozialismus zu
schaffen...
Dies alles aber hindert nicht, daß die natio¬
nalsozialistische Weltanschauung kompromißlos
sein, daß sie bei der Pflege deutscher Kunst und
Kultur jene Grundsätze durchfechten muß, die
einstmals aufgestellt wurden, als die Bewegung
geboren wurde, und die wir nicht verleugnen
können, wenn mir diese unsere ganze Bewegung
nicht preisgeben wollen.
Reichsm>'',ister Dr. Frank:
Wie das „Deutsche Nachrichtenbüro" berich¬
tet, sprach Reichsjuristensührer, Reichsnrinister
Dr. Frank, auf einer Gantagung des Gaues
Königsberg-Marien werdet: des Bun¬
des nationalsozialistischer deutscher Juristen, wo¬
bei ex auf die Rassen- und Judcnfrage zu sprechen
kam. Hierbe- erklärte er twa:: Das Rasserecht ist
zum ersten Mate vom Nationalsozialismus ver¬
wirklicht worden. Seien Sie überzeugt, daH Kon¬
zessionen auf diesem Gebiete von der N«DAP.
schon um deswillen nicht zu erwarten sind, weil
ia von der Lösung der Raffcnfrage die Zukunft
unseres Volkes abhängt. Wir werden nicht
weich, wenn auch die ganze Juden-
p r c s s e d e r W e l t u n s u n a u s g e s e tz t be¬
schimpft. Wir wissen, daß dieses kommende
Jahrtausend ein Ausgleich der Rasseninteressen
zu sein hat und denken gar nicht daran, zu kapi¬
tulieren. Dabei wird vor allem das Recht der
ausschließlichen Fürsorge Deutschstämmiger an-
zuvertraucn sein. Noch heute sind in Berlin über
40 v. H. der Anwälte Juden. Man kann
also nicht sagen, daß wir brutal
oder grausam v o r g e g a n g e n wären.
Wir können nur das eine fesistellen, daß wir mit
diesem Hundcrtsatz von Juden in der Anwalt¬
schaft. wie ich glaube, einzig dastehen in der
Welt. Wir haben also durchaus auch mit Recht
den Rassegedanken zu vertreten und unermüdlich
dafür zu sorgen, daß keine weitere Verschlech¬
terung der Lage des deutschstämmigen Rechts-
wahrernachwuchses eintritt. Das deutsche Recht
bat der deutschen studierenden Jugend vor-
oehalten zu bleiben.
Gauleiter Groh6:
Wie der „Westdeutsche Beobachter" berick.iet,
sprach in K e l sie n k i r ch e n auf einem Kreis-
partitag Gauleiter G r o h 6. Er führte nach
dem Bericht des Blattes über die Juden¬
frage aus, „daß die NSDAP, den Juden ab¬
lehne, weil er unserem Wesen völlig fremd sei,
aber vor allem deshalb, weil sie ihn als einen
unheilvollen Störenfried unter den Völkern
der Welt erkannt habe. Wer den Frieden der
Welt erhalten wolle, müsse Feind des Judentums
sein. Im Auslande baue man die Lüge von
Tyrannei und Gewaltherrschaft, denen die Juden
in Deutschland ausgesetzt seien, aufgebracht. Wir
protestieren mit aller Entschiedenheit gegen diese
Lüge. Die Judenfrage sei aber nicht
mit Fenstereinwerfen an Juden-
häusernzulösen, auchnicbtmitHand-
greiflichkeiten. Diese lehnen wir
aus grundsätzlichen Erwägungen
ab. Aber unser Kampf gegen den Juden werde
zu einem siegreichen Ende geführt. Das werde
sich auch zum Segen der anderen Völker aus¬
wirken, und der Kampf müsse durchgeführt wer¬
den, damit nicht, wie in der Vergangenheit, Volk
gegen Volk und Staat gegen Staat gehetzt
werden."
Segen Kritik
an der Rassenpolitik
In einem in München gehaltenen Vor¬
trag über Rassenpolitik und Weltanschauung
trat, wie das „Deutsche Nachrichtenbüro" mel¬
det, der Leiter des Nassenpolitischen Amtes der
NSDAP., Dr. Walther Groß, dem gegen die
nationalsozialistische Rassenpolitik erhobenen
Emwand entgegen, daß die Rassenfrage wissen¬
schaftlich nicht ausreichend geklärt sei; die
Wissenschaft sei sich einig über die
R i ch t i q k e i t d es von Deutschland
ein geschlagenen Weges. Als eine der
Gefahren, die durch die Rassenpolitik aufgehal¬
ten werden müßten, bezeichnete Dr. Groß die
Vermischung mit fremdem Blut. Tie Abwehr
der Gefahr müsse sich auch gegen jene richten,
die eine solche Vermischung förderten oder ent¬
schuldigten. Die Kritik an der Bekämpfung der
Rassenmischung werde durch die Erfahrungs¬
tatsache widerlegt, daß die Schöpfung das
Menschengeschlecht, verschiedene Wege habe
gehen lassen und somit die Bildung verschie¬
dener Nassen gewollt habe. Mit dem Satz:
„Was Gott verbunden hat, soll der Mensch
nicht scheiden", dürfe auch der andere Satz Gel¬
tung beanspruchen: „Was Gott getrennt
bat, soll der Mensch nicht ver¬
mische n."
Vis Bezeichnung „Deutsch"
in Firmennamen
Das K a m m e r g e r i ch t in Berlin bat
entschieden, daß die Bezeichnung „deutsch"
immer mehr in der Bedeutung von arisch ver¬
standen werde. Es sei daher unzulässig
für ein Unternehmen mit jüdischen In¬
habern, diese Bezeichnung zu gebrauchen, es
sei denn, daß der in die Firma anfgenommene
Familienname der Inhaber für jedermann
klar und deutlich die nichtarische Abstammung
ergibt.
Die sächsischen Synagogen-
Gemeinden tagten
Zwei Monate früher als im Vorjahr wurde
in Dresden die diesjährige Tagung des
S ä ch i i | ch n I sraeli 1 ischen G e -
m e i n d e v e r b a » d c s abgehalten. An der
vom stellvertretenden Verbandsvorsitzendcn
Mar L c s s e r geleitcien Sitzung, die unter
starker Beteiligung fast aller jüdischen Gemein¬
den Sachsens stattfand, nahm als Beauftragter
der Reichsvcrtrctuug der deutschen Inden Land¬
gerichtsrat i. R Dr. Lilien 1 hal teil. Nach
der einstimmig erfolgten Neutvalil des bis¬
herigen Pcrbaudsvorstaudcs, der für die Ge¬
schäftsjahre 199', und 1990 ivieder aus den
Herren Carl G o l d s ch in i d t, Leipzig (Vor-
sitzenoeri, Mar L e s s e r , Dresden ^stellvertre¬
tender Vorsitzender» und Mar Schocken.
Dresden lBeisitzer» besteht, erstattete der Vcr-
bandssvuditns Dr. Maiisred S a a l h e i m e r,
Dresden, den Verwaltungsbericht. Bevor er
zur Berichlerstatinng über den Haushaltsplan
für 1999 kam, wurde mitgcteilt, daß die Prü
fnug des Reckmuiigswcrlcs für 1991 zu keinerlei
Beanstandung Anlaß gegeben habe. Der Ver
bandstag beschloß daraus die Rickiligsprechung
der Rechnungsprüfung und er'eiltc dem Vor
stand Entlastung.
Der Etat für 199.', lveist gegenüber dem
Vorjahre ans der Ansgabenseile einige Er¬
höhungen ans. Wesentliche finanzielle Melir-
lcistniige» ergebe» sich für de» Verband zu¬
nächst dadurch, daß die über den Gemeindever
band nach dem Reichseinlommensteuersoll der
Gemeinden umgelegten Kopfheiträge. die von
diesen an die Rciehsvertrctnng abznführcn sind,
eine Erhöhung erfahren. Eine weitere beträcht¬
liche Ansgabensteigerung ist auf de» Mchrbc-
darf der Landestvohlfahrtsstelle, der inzivischcn
noch die Geschäfte der Landesstclle für jüoische
Wirtschaftshilfe übertragen wurden, zurück;»
führe». Der Haushaltsplan, in den cinmakige
Beträge u. a. für' Znivendunge» au die He¬
bräische Universität in Jerusalem anläßlich
ihres 10 jährige» Jubiläums und die Roth¬
schild Aktion des Jüdischen Nalioualsonds ein¬
gesetzt ivorden sind, wurde nach kurzer Aus¬
sprache einstimmig angenommen.
Anschließend behandelte oer Verbandstag das
Gebiet der I u g e n d a r b e i t, das, seiner großen
Bedeutung entsprechend, noch stärker als bisher
vom Verband gefördert werden wird. Zu diesem
Zwecke erfolgt vorerst die Einrichtung von Kursen
für Jugendführer im Heim der Fraternitasloge
in Dresden-Dbcrrochwitz. Für die Vorbereitungs¬
arbeiten wurde ein Ausschuß eingesetzt, dein es
unter Mitwirkung von Vertretern der Sächsischen
Rabbincrkonferenz, der Israelitischen Lehrer-
vercinigung Sachsen und der Schuldczernenten der*
größeren Verbandsgemeinden außerdem obliegt,
für die Weitcrführüng der von Leipzig aus be¬
reits mit Erfolg aufgenommenen Lchrerfort-
bildungskurse Sorge zu tragen. Dem gleichen
Ausschiiß fiel die Aufgabe zu. gemäß einem An¬
träge eine V e r b a n d s o r d n u n g zur Beauf¬
sichtigung des gesamten Religionsunterrichts zu
schaffen/Die in Zusammenhang damit statt¬
findende Aussprache gipfelte in dem Beschluß, an
die Gemeinden einen dringenden Appell zum Aus¬
bau des jüdischen Schulwesens zu rickite».
Einen weiteren wichtigen Punkt der Tages¬
ordnung bildete die Beratung über den Rahmen-
entwurf für ein Dienstsirairecht des Verbandes,
wobei die neue landesrechtliche Regelung bereits
Berücksichtigung fand. Trotzdem wurden gegen die
Vorlage Bedenken erhoben. Daher beschloß das
Kollegium, die Sache zur Weiterrcgelung an die
Beamtenrechtskammisi'an m verweisen. Indes
wurden folgende grundsätzliche Beschlüsse
'"faßt:'
i.
Die Beennlen der PerdandSgemeinden sind
dem ^ i c n ft ft r a f r c cfi t des Verbandes
unterstellt. ,
71 .
Tie Sl ii s f ll b r » ii a s b e st i m in » (i nt
werden vom Perbandevorstand im Bcncdmen
mit der BcamtenreebtSkommifsion erlagen.
Die Verhandlungen des Pcrbandstages fanden
ihren Abschluß mit einem Referat Dr. Lilien¬
thals über die Tätigkeit derReichs-
Vertretung.
PALÄSTINA¬
REISEN
PALE SlIN E EXPRESS CO
BERLIN . FRIEDRICHSTRASSE 100
(dlrtkt am lahnhof) • Tal.i A6 Markur 2915
Nach den Wahlen In Griechenland
Am vergangen«» Sonntag fanden in
Griechenland die Wahlen zum neuen
Pa- ament statt. DaS Ergebnis war ein über¬
wältigender Steg der Regierung Tfal-
darts-ttondylt»; von insgesamt 300
Sitzen entfielen auf die Regierungspartei 287.
Einige Aeußerungen der verant-
wörtlichen Männer der Regierung mögen die
Stellung der griechischen Regierung zur j ü d i-
fchen Bevölkerung verdeutlichen. Sie
datieren auS der Zeit vor der Wahl.
Der griechische Kriegsminister und stellver¬
tretende Ministerpräsident, General Kon-
dylis, der seit der Niederwerfung des Veni-
zelos-Aufstandes in Griechenland als Rational-
yeld gefeiert wird, hat in Saloniki, wo ihm
von einer viele Zehntausende zählenden Menge
ein triumphaler Empfang bereitet wurde, be¬
merkenswerte Erklärungen zur Stellung der Re¬
gierung und seiner perchnlichen Stellung gegew
über den Juden Griechenlands abgegeben.
Nachdem der General es entschieden in Abrede
gestellt hatte, daß die Regierung die Errichtung
einer abgesonderten jüdischen Wahlkurie
in Jannina beabsichtige, und festgestellt hatte, daß
diese falsche Nachricht von Feinden der Regierung
und der Juden ausgesprengt worden sei, erklärte
er: „Ich habe stets warme Sympathien für
die Juden empfunden. Die Juden können sich auf
mich verlassen. So lange ich Mitglied der Re¬
gierung bin, haben sienich^szubefürchten.
Die Juden sind eine hervorragende und aus¬
gezeichnete Rasse, und wir können nicht vergessen,
daß wir ihnen unseren Gott verdanken."
Die Kanzlei des Ministerpräsidenten Tsal-
daris hat ein Kommunique herausgegeben,
in dem den jüdischen Politikern Salonikis beson¬
deres Lob gezollt wird. „Die jüdischenPoli-
t i k e r Salonikis", heißt es in dem Kommunique,
„haben ein Beispiel von Disziplin und po¬
litischer Würde gegeben. Dies gereicht ihnen
zur Ehre. Im Besonderen muß au; die Haltung
von Herrn Isaak Sei t y hingewiesen werden,
der mehr Anspruch als andere gehabt hätte, bei
der bevorstehenden Wahl u kandidieren, sich aber
beeilt hat, auf seine Kandidatur innerhalb der
Regierungsliste zu verzichten, um Je.Aufgabe der
Regierung zu erleichtern. Dieses leuchtende Bei¬
spiel verdient Nachahmung." — Die jüdische Presse
weist mit Stolz darauf hin, daß zum erstenmal
in der politischen Geschichte Griechenlands ein
derartiges Kommunique betreffend die Juden
ausgegeben wurde.
Rabb. Einstein-Landau gestorben
Im Alter von 73 Jahren ist Rabbiner
Dr. Einstein in Landau (Pfalz) ge¬
storben. Mit ihm ist einer der ältesten Vor¬
kämpfer des religiös-liberalen Judentums, der
feine Anschauung in vielen Reden und Publika¬
tionen mit großer Entschiedenheit vertreten hat,
dahingegangen. — Als Sohn des Vorsängers
Einstein in Ulm geboren, bat er frühzeitig' bei
dem damaligen Württembergischen Kirchenrat
(Oberrabbiner) Kroner in Stuttgart Talmud
studiert und bezog zu Beginn der achtziger Jahre
das Breslauer Rabbinerseminar. Er studierte
gleichzeitig an der Breslauer Universität und
promovierte mit einer Arbeit über nachfranzösi¬
sche jüdische Exegeten. Dann legte er das
württembergische Rabbincrexamen ab, wurde
Stellvertreter des Heilbronner Rabbiners, bis
man ihn als Gcmeindcrabbiner nach Laupheim
(Württemberg) und später nach der pfälzischen
Gemeinde Landau berief. Dort hat er bis zu
seinem 70. Lebensjahr amtiert.
Jedem öffentlichen Hervortreten war er ab¬
hold: jo verbot ihm seine natürliche Zurück¬
haltung und Bescheidenheit auch die Annahme
von Aemtern und führender Stellungen in jüdi¬
schen Organisationen und Körperschaften. Sein
Hinscheiden hat unter den süddeutschen Juden
starke Anteilnahme ausgelöst. L. R — s.
//
„Jude Rutherford
In der deutschen Presse wird eine aus Dan¬
zig stainmcnde Meldung veröffentlicht, daß
gegen die dortigen „E r n st e n B i tz e l f o r -
scher", die ttnter religiösem Deckmantel kom¬
munistische Propaganda getrieben hätten, be¬
hördliche Maßnahmen getroffen worden seien.
In diesem Zusammenhang wird bemerkt, die
Internationale BibelforscherMereiiiigung, die
„Zeugen Jehovas" stünden unter der' Füh¬
rung des „I u d e n Rutherford ans Ame¬
rika". Rutherford ist kein Jude. Er
hat vielntehr seit Jahren eine missionarisckie
Tätigkeit unter Juden zu entfalten versucht.
Diesen Versuchen ist von südischer Seite ener¬
gisch, vielfach durch Veranstaltung von Pro¬
test Massenversammlungen, cutgegeitgetreten
worden.
Vereinigt
G. m. b. H.
Juwtlitri
Telefon:
A I Jäger 2507
EUGEN MARCUS
SY St WAGNER
J. H. WERNER
Juwelen, Geld* und Silberwaren, Perlkolliers
Ankauf Verkauf
Reparaturen, Umarbeitungen Unter den Linden 12
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