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24. Dezember 19ff
Polnisches Judentum
am Scheidewege?
Unsere Aufmerksamkeil wendet sieb dem
Schicksal der polnisch jüdlschen Massen mit de
sondcrcr Eindringlichkeit immer dann zu,
wenn eine neue Welle a il l i s e in i t i s ch e r
U n r u li c n - »nie letzthin »nieder durch
Polen gellt. Ader diese Zwischenfälle sind, so
schmerzlich sic den Alltag der Betroffenen stets
erneut bcrülircn, nur das äiißeie Zeichen der
tief wurzeliiden >v i r t s ch a s t l i ch c n Not
des polnischen Indeniums — einer Not, deren
Umfang und Schärfe uns, im niittleren und
»vestlichcn Europa, nur selten, aus dcsondcrcnl
Anlaß, zu klarem Bewußtsein gelangt. (5s de
leuchtet die unsägliche Verarmung voit Nieten
Zchntauscndcn jüdischer Nienschcn in, Cfrcu,
daß cs der W a r f ch a tl c r jüdischen (Ge¬
meinde, bekanntlich der größten jüdischcit
(Gemeinde Polens, itach ciitcr N.ittcilung ibrcs
Vorsitzenden E. Nl a zur. in diesem Iabrc
nicht möglich »var, ans Altlaß der bobeit
- Feiertage für die jüdischen Armen der Stadt,
wie früher stets, eine Unter ft ü tz u tt g s
aktion durchzusübren, u»ld daß die Arbeiten
an so wichtigen geiiteindlicheu Baulichkeiten,
wie dem neuen t^emcindchaus, der Miktva und
auch dein Gc»lciiideiililfeilm aus Geldmartgel
eingestellt »vcroen mußte»». Die Lage der jü
difchen Arbeitslosen Poletiö »vird da
durch noch besonders erschtvert, daß ibnen
ständig Erckutioncn »vegen rückständiger
Steuern droben, da nach bebördlicher Ver¬
fügung vor solchen Eretuüoncn nur d i c Ar¬
beitslosen geschützt sind, die in die Listen der
* Arbeitsämter eingetragen sind — was bei er¬
werbslosen jüdischen Arbcilttebmern gemein
bin nicht der Fall rst. Atich die Tatsache, daß
in Warschau jabrein, jahraus eine, »venit na
türlich auch kleine A u S t r i 1 t s b e »o e g u n g
aus dem Judentum zu verzcichiten ist frei¬
lich ntlr ettoa Istü Meitschcit in zebn Jahren —
darf hier crtväbnt »vcrden.
Wer sich daS vergegentnärtigt, und sich zu¬
gleich vor Augen halt, »velche Bedculung dem
Schächttvese» in einer Bevölkerung von
der Traditionsgebundenbeit der polnisch jü¬
dischen zukommt, »vird das brennende Intcr-
esse versieben, niit dem die »vechselndcn Per
bandlungen um die Frage, ob die Schechita in
Polen zu besteuert» sei oder nicht, von den
interessierten jüdischen Kreisen, und darüber
binaus von »veitestcn Schichtet» der jüdischen
Gemeinschaft in Polen seit Monaten verfolgt
werden. Plan spricht geradezu, tind nicht ntir
bei den Juden, von eilten» „K a in p f um die
Schechita". Seit ctiva einem Alonat scheiitt
es, daß dieser Kampf eilte günstige Wenduitg
genommen bat: im Einvernebmen mit den»
Finanzminislerinnt »vies das polnische Innen-
ministerillm die Woiwodschaften deS Landes
an, die Einnahmen der jüdischen Getiteiitdeit
aus den Erträgnissen der Schächigebübren von
der Einkomnteitstcucr zu befreien. Ent
gegenstebeitde Gerichtsurteile »vurden in dieseul
Nunvschrcibcn als rcchkstvidrig bezeichnet,' das
Innenministerium »nachte viclmcbr darauf auf-
merksam, daß die Schechita als A.-tsübiitig einer
religiösen Pflicht der lüdischen Geitleindei»,
nicht aber als Erwerhsuiilcruehmen auszti
fassen sei, daß die Gemeinden die Einnab»neit
aus dem Schächttvesen für kultische Zwecke ver
wenden, und daß n»an also hier nicht von
einem steilerpflichtigen Gctverbe reden kann.
Starken Widerstand findet dieser Siaiidpunkt
besonders in politischen Handwerker-
kreisen. Die Innnngen in der Provinz
reichten einer zum Studium der Frage einge¬
setzten i n t e r m i n i st c r i c l l c n Kom¬
mission Denkschriften ein, in denen z. T.
ein durchgrcifettdcs Schach tv erbot ver
langt wurde. Die Meinungen in der Kom-
niission selbst, die ganz Polen zlveckS Erstattung
eines Berichtes über die Schächtsrage bereist
bat, sind geteilt: eilt Vorschlag des Kom
missionsvorsitzeitden regt an, für die Schacht
gebübren eine obere Preisgrcnze festztlsetzen
und die Menge des geschlichteten VicbS pro
; - :»l der Zahl der jüdischen Bevölkerung an
' .eichen. Auf jüdischer Seite, vor allem in
den Mrcifcn der in der Abtvcbraktion führenheu
„A^tuliitli IliirahlxHiim“, »vird erklärt, daß die
alis eit» Verbot der Schechita abzielcitde
Pctitionsbetvegllitg der Innnitgen in Wirk
lichkeit keilte bumauen Ziele verfolge, soitderu
die Duiden Polens aus den» Flcischhandcl »lud
den» Fleischergcwerbc beratlszildrättgen beab¬
sichtige, Die „Ajrinlidh I laraMxmim“ beschloß,
bei den Ministern für Kultns, Inneres, Land
»virtschaft und Flnanzen vorstellig zu werden.
Atich in» Warschauer Stad trat kam es in
dieseul Zusammenhänge, vor mcltrercn Taget»,
zu einer erregte»» Atissprache, als der Rats-
»nailn Krause, übrigens der Vorfitzeitde des
politischen Fleischerbereins, -den Antrag mtf ein
Verbot der Schechita in Warschai» stellte. Ulrich
Erkläruitgen der jüdischen Stadträte Settator
T r o ck e n b e i m und Micczeslaiv E o b n
svltrde dieser Antrag - eigenartigcrtveise mit
der Stimnteitlbaltung des Antragstellers selbst
- a b g e l e b >t t, zugleich aber beschlossen, in
Warschai» eine S t a t i st i k über die dort
koscher geschlachteten Tiere cinzurichtcn und aus
ein Staatsgesetz hinztlivirken, nach dem es
Läden, in dene»i koscheres Fleisch verkauft »vird,
verboten »vcrden solle, zitgleich nicht-
koscher gcschsachtctes Fleisch feilzubieten. —
Besonders schwierig scheinen, in der Schächt-
frage tind ebenso in der Frage einer Bestcucrung
der Mikivotb, die Verbältitisse in Galizien zu
liegen; denn dort »vird eiitgegen den Entschei-
dllitgen des Obersten Polnischen Gerichtsbofes
und des Obersten Ver»valtu»igsgerichteS vielfach
von den jüdischen Gemeinden verlangt, sich
G e »v e r b e s ch c i n e für de»» Betrieb vo>»
Mikrvotb tind Schächtbäiiser»! atisstellei» ztt
lassen »nid Getverbcsteuern für diese religiösen
Einrichttingen zu bezahlen. In Warschatt ist
soeben eine Abordnung der galizisch jüdischen
Gemeinden unter der Führung der Vorsitzenden
der Lemberger und Krakauer Gentcindc eingc
troffen, um iu dieser Angelegenheit bei den zu¬
ständigen Ministerien vorstellig zu werden.
*
Be» all dem braucht nicht verkannt zu wer¬
den, daß sich die im Herbst, nach den letzten
Sejmivablcn gebildete neue polnische Re¬
gierung um
Verständnis für die wirtschaftspolitischcn
Lebensfragen des polnischen Judentums
bc»nülit. In »vclchem Umfang diese Tatsache
der Arbeit »md dem Einfluß der jüdischen Ab-
geordneten des neuen polnischen Parlantenls,
des Senators Prof. Dr. Moses S ch o r r und
der Herren Rabbiner I. R u b i n st e i n und
Dr. Emil Sommer st e i n, die sich im Oktober
ztt n» „I üdischcn P a r l a nt e n t s k l n b in
P o l e n" ztlsainntengcschlossen haben, zli dailken
ist, »oisscn »vir nicht; »vir glauben aber, daß
dieser Parlatnentsklitb — wie seine Vorgänger
—■ in den letzten Monaten keineswegs müßig
geivesen ist Als er sich bildete, erließ er an die
polnischen Itiden eine Proklamation, in
der cs u. a. hieß:
.Die neue Wahlordnung hat es unmög¬
lich gemacht, der dreieinhalb Millionen zählen
den jüdische»» Bevölkerung — selbst in rein jü¬
dischen Wahlkreisen - eine entsprechend starke
Vertretung in den gesetzgebenden Körperschaften
zu sichern. Daher ist die uns als euren Reprä-
selttantcti atisgebürdete Last tingebcuer und
übersteigt die Kräfte einzelner Weniger. Je
traiiriger die Lage des Judentums ist, utitso
schwerer ist unsere Verai»t»vortuitg.
Seit Iabrzebtiten an dem Werk unserer
nationalen Erneuerung aktiv beteiligt, »verdet»
»vir auch jetzt Iren und ohne Wanken zu nuferer
nationaieit Fahne sieben »liid um die uns ge
bübrenden Rechte auf volle Entwicklung eiites
selbständigen kttlttircllen tind religiösen Lebens
kämpfen.
Wir )v e r d c n die volle Verwirk-
l i ch t» n g jener st r a l> l c n d e n L o s»»>» g
a »t st r e b e n, die ihren A »l s d r »i ck in
d e in S a tz e d e r V e r f a s s u n g g e s u n d e n
bat, daß der Staat das gemeinsame
Gut aller Bürger i st. Wir »verden für
die alle bürgerliche»» Pflichten opfertvillig er
füllende jüdische Bevölkcrtiitg nicht nur ge
setzliche, sondern atich tatsächliche Gleich
berechtigting verlangen. Viel Aufmerksamkeit
»verden »vir der katastrophalen Wirt
schastlichen Lage der jüdischen Bevölkc-
ruitg »vidtnen. Wir »verden uns gegen die nn
atisgesetzte Planntäßige Verdrängung der Juden
auS ihren Positionei» tlitd Arbeitsstätten iven-
den, »vir »verden für die jüdische Bevölkerung
das Recht auf Arbeit auf allen Gebieten sor
dern, auch im Staats und Gemeindedienst
solvie in den staatlichen und kominnnalen Unter
nebiiiiikigett.
In der uumittefhar gesetzgeberischen Tätig¬
keit »verden »vir bestrebt sein, eine Aendernng
derjenigen Gesetze und Berordnitiigen herbei-
zusühren, »velche neben den allgemeinen mit der
Wirtschaftskrise verbnttdenen Verhältnissen die
Pauperisierung uitd Deklassierung der jüdischen
Bevölkerung verstärken und beschleunigen.
Wir »verden daratis hintoeisen, daß der Rltin
von dreieiithalb Millionei» jüdischer Büraer die
Grundlagen der sozialen Wirtschaft des Staates
unterhöblen muß ..."
Möglicherweise ist es auch auf die -Be¬
mühungen des Jüdische»» Parlaittcntsklubs zu
rückznfüliren, daß sich die letzte, dieser Tage
dtirchgefülirte Landeskonferenz der
polnischen Bauernpartei (PolkS-
partci» gegen den AntisentitiS»nuS tind s ü r
die bürgerliche G l e i ch b e r e ch t i g u n g
der polnischen I it d e n o.tissprach. Die
Konferenz nahm eine Resollition an, in der
daratis liingetvieseit wurde, daß die Bauern¬
partei die Lösung de'rcholnischen Indenfrage in
möglichst großzügiger A u s >v a n d c r u n g
nach Palästina und in der E n t tv i ck -
l ii n g der p o l n i s ch - j ü d i s ch e n G c-
n o s s e n s ch a f t s b e tv e g n n g erblicke. —
Jeden falls arbeiten die jüdischen Abgeordneten
lebhaft in den A it s s ch ü s s e n des Sejm. Pros.
Dr. Schorr wurde zuin Mitglied der Bildnngs-
kommifsion gewählt, und Senator Trockenlieim
in die finanziell-wirtschaftliche Kommission deS
Parlaments entsa»»dt. In der Budget-
k o »n m i s s i o n freilich findet sich kein Ver¬
treter der jüdischen Bevölkerung Polens.
Die für das polnische Judentum bisher wohl
b e d e n t s a m st e Erklärung der ne»ien
Regierung, eine Kundmachung des Finanz-
ministerS K tv i a t k o tv s k i über die Richtlinien
des von der Regierung beabsichtigten wirt-
schastspolitischen Kurses, sieht die
Abkehr von dem bisher angewandten
Shstem der staatlichen Monopolwirtschaft,
des sog. E t a t i's m u s
tind die Stärkung der Privatinitiative vor. Der
Minister erklärte zugleich, die Rcgieruitg werde
sich um die wirtschaftliche Gesuitdung der Land
bevölkernng lzti der bekanntlich erhebliche Teile
des polnischen Judentums auch heute noch
zu zählen sind» als des wichtigsten Konsu
menten der Iiidtlslrieproduktc beiitülien
und alle Teile der Bevölkerung zur Teil¬
nahme am wirtschaftlichen Wiederaufbau
Polens heranzichc»».
Sechste Jahraskonfaranz das „HIAS"-
Rats in Amarika
Im Hause der Einwandererl,ilfsgesell
schaft ..IIlAK" fand die sechste Jahreskonfe-
renz des III AS-Rats sozialer Organisationen
unter Beteiligung von l2lit> Delegierten statt.
Die Delegierten vertraten statt verschiedene jüdi¬
sche Orgauisationen, Ordcnslogcn, tklrdcitervcr-
eine, Abteilungen des Arbeiterrings, Synagogen,
WGHlfahrtsvcreinigungcn uslv. Anläßlich des
stüjährigen Jubiläums der Arbeit von 11JAS
zugunsten jüdischer Einwanderer wurde be-
jchlosicn, eine Werbeaktion zur Ver¬
breitung von „Zertifikaten des go I«
denen Jubiläums" zu eröffnen. Diese
Zertifikate sollen denjenigen, die die Hilfsarbeit
zugunsten jüdischer Auswanderer fördern, aus-
gefolgt werden. — Ansprachen hielten der Prä¬
sident des Verbandes IIIAS, Abraham Her-
in a »»it, John B e r t» st c i n, F i n e st o n e u. a.
m. Die Tagung faßte eine Reihe von Reso¬
lutionen, die sich auf die Förderung jüdi¬
scher Einwanderung nach Rordamerika und ande¬
ren Jmmigrationslnndcrn beziehen.
Prot. Dr. Jakob Bronner-Wien 50 Jahra
Der Leiter des Wiener Jüdischen Museums,
Prof. Dr. Jakob B r o u n c r, feierte seinen
s ü i» s z i g st e n G e b u r t s t a g. Er bekleidet
seit vielen Jahren das Amt eines Religions-
Professors au Wiener Mittelschulen. Als Kustos
des Jüdischen Museums in Wien bat er sich un»
die Konservierung vo»i Killlurdetikmälern des
österreichischen und zumal des Wiener Itldcn-
tums hoch verdient gemacht.
In jiidischeil Kreisen ivurdei» diese Erklärungen
ui i t B c s r i c d i g li n g ausgeilommeil, da der
EtatisiilliS Zit einer der Haiiplursachcii des
politisch jüdischen Verelendliugsprozesscs ge-
»vordcn »var.
Die Warschauer Börse reagierte auf die »ni-
nistcricllc Perlaillbartlng mit einer Hausse in
Staatspapicren.
Wie sich die Wirtschaftspolitik der neuen
polnischen Regierung, im Lichte dieses Pro
grainms, im einzelnen gestalten tvird, bleibt
freilich abzlitvarten. Die erste tvirksame Er¬
leichterung ans dem Gebiete des polnisch jüdi¬
schen Wirtschaftslebens kann ettva- darii» er¬
blickt tvcrden, daß eine am l l. d. M. in Kraft
getretene Verordnung den jüdischen sabbatt»-
haltenden Kansleutcn Warschaus die Möglich¬
keit gibt, ihre Geschäfte n a ch S a b b a t h -
A u s (i fl ii g z ii ö f f n e n, so daß der Verdicnst-
eutgang, den die Schließung dieser Geschäfte an
ztvci aufeinanderfolgenden Tagen mit sich
bringt, ciitsprecheiid verringert tvird.
*
Hand in Hand mit jener Ankündigung des
Iiiia»^»llinisters giilgen letzthin g r u n d s ä tz-
l i ch e politische E r k l ä r li n g e n der
p o l n i s ch e n R e g i e r li n g zur I u d e n
frage. Der Vize Innenminister und ebenso
der Vize Bilduilgsnlinister lmd sein Sektjons-
chef gaben im Zusanlineilhang mit den jüngsten
Unruhen beruhigende Erklärungen
ab. Viel beachtet tvlirde auch ein Schrei beit, das
der politische Atißenminister, Oberst Beck, dem
Direktor des Keren Hajcssod, Leib I a s s e, mit
(^lückwüttschett zum sünszchnjährigen Ittbiläum
des Keren Hajcssod und mit Erklärnngen der
Stiinpatliic für das Palästiltatvcrk und die Idee
jüdischer nationaler Erneuerung übermittelte.
Der Hintveis auf die „auf dc»n (Grundsatz der
traditionelleli polnischeit Toleranz aufge-
baute Verfassnilg" des Staates, den der Brief
an Direktor L. Iaffe gleichfalls citthält, gibt —
im Einklatig mit den »virtschaftspolitischen
Richtlinien de —
Grund zur,.Hc-- ^,..„en-
tum, nach so vielen Ialircn einzigartiger
Sorgen, an einer entscheidenden glücklichen
Wende seines Schicksalstvegcs steht.
ipIi.^bios-,irupipsc«Au2M
Königsberg. In die Repräfentanten-Ver-
faminlung der Gemeinde find die Herren
Kowne'r und Kurt Rawraway als neue
Mitglieder eingetreten. — Die bisherige Rel* *-
gionslehrcrin Irl. Rosa Wolfs wird a's
4. Lehrkraft an die Jüdische Schule b-crufen und
behält einige Stunden der Religionsschule »ei.
* Dem Beispiel anderer Gemeinden folgend, er¬
hebt Königsberg eine Gemeindcabgabe von allen
erwerbstätigen Nkitgliedcrn über 18 Jahre. Zu¬
gunsten der Nkinderbeinittelten gibt die Ge¬
meinde Ileischvcrbilligungsscheine aus. ^Kantor
B a i n st e i n hat in England eine neue An¬
stellung gefunden. Der Bar Kochba feierte sein
2 st j ä h r i g c s B c st c h e n durch eine sportliche
Veranstaltung und eine Kundgebung, auf der
Dr. R a b a u (Berlin) sprach. * Der Makkabi
Hazair veranstaltete einen wohlgelungenen
Eltern- und Ircundesabend mit Vorträgen von
Artur D v b o w s k y , Kurt R u b i n st e i n und
einem Referat von Herbert M a r k o w s k t». ★
Im Auftrag des Palästina-Amtes leitet Dr.
Berlowiß die Rechtsberatung in Angelegen¬
heiten der Palästina-Auswanderung. * Dr.
Hanna M arcuse hat die Stellenvermittlung
des Jüdischen Irauenbundcs für »veibliches
Geschäfts- und Hauspcrsonal übernommen. .+
Frau Else Ladcndorfs (Berlin) hielt im
Frauenbund ein Referat Uber „Zeitgemäße er¬
leichterte Haushaltsführung". ★ In einer reli¬
giösen Feierstunde sprach Rabb. Dr. Lew in
über das Thema: „Deutsches Judentum im Wan¬
del der Jalirhundcrtc". Organist I a c o b u s ,
Kai'tor Dr. Piek und Dr. K a d > s ch vermittel¬
ten durch musikalisch-wertvolle Darbietungen An¬
dacht und Wcihestimmung. ★ Aus Einladung des
Frauenbundes, der Wizo und der Frauengruppc
des E.-V. sprach Schulleiter Kaelter über
„Elternhaus und Bund". * Anläßlich des Ist-
jährigen Jubiläums des Keren Hajcssod sprach
Dr. Michael Traub über „Selbsthilfe und die
Ansiedlunq non Juden aus Deutschland in Palä¬
stina". j)en musikalischen Rahmen schafften
Hedwig H u l i s ch . Dr. K a d i s ch und Bruno
Gl ad e. ★ In der „Snnagogalen Feierstunde"
hörte man gute hebräische Gesangsvortrngc von
Elly H e l p'e r i n , dem Ehor des Habonim, so¬
wie ein Orgelspiel „Atidot" von Kratschcwskl»,
künstlerisch gespielt vom Org. Heinz Jacobus.
Im Riittelpunkt stand die Rede von Gem.-Rabb
Dr. L c w i n über „Die Wertung des Heiligen
Landes in der heiligen Schrift".
Breslau. In einer Sitzung der Re¬
tz r ä s c n t a n t c il v c r s a m nt l u »i g tan der
noch die Mitglieder des vergangenen t>leschäfts-
jahrcs teilnahmeit» hatte der Gemcindevorftand
einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, dem
jüdischen Turn und Sportverein Bar
K o ch b a E. V. Breslau, ein Darlehen für den
Bau einer »tcucn Turnhalle zu bctvilligcn. Der
".'lntrag tviirde angenommen. Im »veiteren Ver¬
lauf der Sitzting hielt der langjährige Vor-
sivendc d r tliepräscnlantcnversamnlliing, In-
stizrat P c i s c r, eine Abschicdsrcde. Die zahl¬
reichen Verdienste I. R. Peiscrs als Vorsitzen
der der Repräsentanz, sotvie um das Wohl der
Breslauer ((Zcmcindc überhaupt, wurde von
einer Reibe von Vertretern der einzelnen Par
teicn hcrvorgchobcn. — Die Dezernate des
Winterliilfstverks haben ehrenamtlich die
Herren Saniiätsrat Dr. Bach, Rcchtsantvalt
Dr. L n r und Philipp L a r überiloiilmen. Die
geschäftliche Leitung tvurde Herrn M a s ch l e r.
die Leitung der Lebensniittelverteiliilig Herrn
L i p p in a n n und die Leitung der Klcider-
kammer Herrn Koblincr übertragen. * In
der Reuen Synagoge fand der z »v e i t e G e-
m e i n d c a b c n d statt. Dr. Mark Wisch
n i tz e r, der Leiter des Hilfsvercins der Jude»
in Deutschland, sprach über das Thema: „Aus-
»vanderung nach Uebersee". * Der Jüdische
Handwerkervcrein hielt seine Monatsversamm-
lung ab. Dr. Hirsch seid machte die Mit
glieder mit den neuen Bestimmungen des
Arbcits- und Wirtschaftsrechts bekannt. Dr.
II ii i ( o tv e r sprach über Eindrücke und Er¬
lebnisse auf seiner Palästinarcise.
Leipzig. In der letzten Gentcinde-
s i tz u n g wurde auf Antrag der zionistischen
Fraktion beschlossen, die W a h l für die Ge
meindevcrlrctung nach dem Grundsätze des all
gemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts
vorzunelimcn. Ein Ausschuß, der stch aus ÜLUih
gliedern der liberalen, ortliodoren und ,tonifti
scheu Fraktion zusainmensetzt, sou Aus-
sührungsbestiinmtlugen alisarbcitcn. — Ferner
wird beschlossen, die Jüdische Bibliothek und
Lesehalle mit der Gemcindcbücherei zu ver
einigen und in neuen Räumen ..nterzubringen,
in denen dann Lesezimmer und Bnchansgaben
eingerichtet werden sollen. — Für den hcbräi
scheu Sprachkursus des Vereins israelitischer
Lehrer Mitteldentschlands wurde ein Ztischnß
bewilligt.
Dresden. In der ersten diestvintcrlichcn
e in c i n d e r ci t s s i tz u n g gedachte Vor
sitzender Mar L e s s c r des verstorbenen Bank
Herrn Konsul Dr. Heinrich A r n h o l d. Her¬
mann Schocken »vidmcle dem Verstorbencu
gleichfalls Worte des Gedenkens. Als Nach¬
folger Dr. Aruholds tvird gemäß dem Vorschlag
des Vorstandes ciustiminig »licchtsantvalt Dr.
Friedrich 3 alzburg in den ttzeineinderat ge-
»välilt. In seiner Eigenschaft als Woblfalirts-
dezernent berichtete der Vorsitzende über die
umsasscnde Sozialarbeit der ((lcmciiide. An¬
schließend referierte Gemeindcsnndikus Dr.
S a a l h e i m e r über ' den tKcdankcn einer
sozialpolitischen Pla»»ng--1t)G' für die Gesamt
heit der Juden in Deutschland an Hand des
NIatcrials der Reichsvertrctung. Herr Tchockei»
sprach über die Frage der Bcrusöansbildnng
der jiidischen Jugend. Zum Schluß nahm der
Gemeinderat davon Kenntnis, daß die P e r-
l ä n g e r u n g d. e r Amtszeit des Ge
»neinderatcs, dessem-Berufungssrist geniäß dem
Schiedsspruch der Reichsvertretung vom 3.April
l!>.P1 am 21. Dezember I92st abläuft, in einer
Ende der dritten Dezcmbertvochc siattfindcnden
Gemcinderatssitzung Gegenstand der Tages¬
ordnung sein soll.
München. Im Rahmen der Lclirknrsc der
Gemeinde hielt Professor Dr. Arthur Cohen
einen Vortrag über „Jüdisches Wirtschaftsleben
in» arabischen Kultu-rkreise". * Die Gemeinde und
die Zionistische Ortsgruppe veranstalten eine
Reihe von Lehr- und Schulungskursen. ★ In der
WJZO-Gruppe sprach Dr.' Rccha Freier
(Berlin) über die Arbeit der Jugcnd-Alijah.
Kasiel. In der neugegründeten „Frauen«
arbeitsgemeinfchaft für Palästina" sprach R.-Ä.
Dr. K u g e l ui a n n über „Die Aufgaben einer
Wizo-Gruppc". ^ Der Preußische Landesverband
veranstaltete einen K u l t u r a b e n d. Dr. Lud¬
wig Landau (Berlin) sprach über das Thema
„Dom Sinn jüdischer Geschichte". Max M a n s»
feld (Berlin) umrahmte durch seine Gesangs«
vorträge den instruktiven Vortrag des Redners.
★ Im Jüdischen Turn- und Sportverein Bar
Kochba referierte Lehrer Bacher über
„Jüdische und europäische Bildung". ★ Die
Jüdische Winterhilfe hat hier eine rege und
erfolgreiche Tätigkeit entfaltet.
Bingen a. Rh. Für die Winterhilfe warb
eine Veranstaltung der Gemeinde, bei der Rein-
hold Herz (Berlin) eine Ansprache hielt. Ein¬
heimische und Frankfurter Künstler und der
Synagogcnchor wirkten mit. * Die Zionistische
Ortsgruppe arbeitet wieder sehr rege, soioohl
durch Heimabende, wie durch Vorträge und
Feiern. So hielt Rabbiner Dr. Lazarus
(Wiesbaden) eine Herzl-Bialik-Gedenkfeicr. —
Assessor G u t h in a n n (Düsseldorf) sprach über
die Aufnahmefähigkeit Palästinas und Rabbiizer
Dr. Rothschild (Saarbrücken) über die Wir¬
kung Erez Israels auf die Galuth. * Im
Frauenbund hielt Dr. Dora E d i n g e r (Frank¬
furt a. M.) Arbeitsgemeinschaften über
Eiziehungsplobleme der Familie ab.