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1 . Januar 19% Hj. Januar 1936
Nr.l
ft er Nr. -1H vom
rtikel Dr. Akax
Wirkungen der
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erer Nr. 51 vom
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h nur behalten
und ohne sie zu
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gute hebräische
Ihnen, sich an
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tcnburg, Kant-
onsteiltet unter
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Sie uns Ihre
nen antworten
scnbcrg. Bitte
Rojenberg Sie
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erer Leser teilt
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rnuß wohl vor
n unserem Beth
'ildcr von ihm.
eich gelebt zu
n französischer
ine Schrift und
auch lesen. Die
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r schreibt: „Ich
s fünfte Buch
und Stab dar-
aift von Hillcl
er sonst irgcnd-
ie Küche
oManflauf. —
rfinilt, Gurken.
Bohnen, Hering,
— Abends:
Nt.
M.orlpffclflöfic:
Obstsalat in
nit Früchten. —
offein.
Nfclpfaiinkliclicn,
ntaschnittcn mit
— Abends:
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ein Stückchen
Weilchen durch
'Portes Abend
astec cianct, ist
ischt zu alcichcn
aar ackochtcn
und Haselnüsse.
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und richtet den
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Ttanae Meer
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> Vorsitzenden
Ansprache von
um fefnofr sich
sibuna wurde
t>ber jüdische
atiakeits- und
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Wie der Weise seine Frau gewann
Moses Mendelssohn und seine Braut
„Wie der Wcltweisc Moses Mendelssohn
feine Iran gewann" so ilauntc einst Bcrtbold
Auerbach eine liebenswürdige, früher viel ge
lescue und inuner lvicder als historische Nach
richt betrachtete Skizze: da erzählt er vom
Buckel des Philosophen, der ursprünglich im
himmlischen Nat für seine Braut bestinnnt lvar,
aber von de>n lebenstlngen Manne auf sich
selbst gcnonnnen wurde, „denn ein Nlädchen
miisz schön sein ..." Und wie der Bucklige selbst
danll durch die Erzählung dieser Legende die
zuerst noch zögernde Braut gewann...
Wir Ivissen heute, dasz alles an dieser Er¬
zählung Bertliotd Auerbach - und-nichts der
Historie gehört. ''Aber heute, da es gilt, am
I'ilj. Todestag des viel verkannteil und viel ver¬
dienten Mannes zu gedenken, können ivir eins
tun, ivas Auerbach und fei neu Zeitgenossen -
„iimöglich war: Wir können die beschichte von
MoseS Nlendclssobns Brantwerbnilg so dar¬
stelle», wie sie sich nnS seitdem durch ilene
"D.ncllen erschlossen hat Tenn die Hanptgnelle
zur Erforschung dieses zeitgeschichtlich und
lebcnsgeschichtlich sehr bedeutsamen Abschnittes
in Moses ".vlendelssobns Biogravhie —- AloscS
Mendelssohns Briese an seine Braut Frontet
(Jugenheim, die bis vor kurzer Zeit nur in
einem lückenhaften Privatdrnck Wenigen zu
gänglich ivaren, sind jetzt in der Inbllänms-
Ansgabe der Werke und Briefe Mendelssohns
zum ersten Male sowohl in ihrer jüdisch deutschen
Urform ivie zugleich in deutscher Uebertragnng
veröfsentlicht ivorden. Dann aber tvird sich
vielleicht ergeben, das; die (beschichte von Men¬
delssohns Brautwerbung, ivie sie sich uns nach
den Berichten der Zeitgenossen darstellt, ein zu¬
gleich anschauliches und . aufschlnszreicheS Bild
vom Wesen dieses einzigen Mannes und vom
Leben der Juden in feiner Beit vermittelt, so
das; ivir neben dieser historischen Wahrheit
keiner noch so ansprechenden Dichtung bedürfen.
Wie es zur Verlobung kam
Als der junge Moses ben Menachem im
Iabre 171-> nach Berlin gekommen war, da hatte
sich trotz aller Sorgen um das tägliche Brot um
den jungen Menschen ans Dessau bald ein Kreis
von strebsamer und wissensdnrstiger Jugend
gebildet, der seine Erivartnngen weit übertraf.
Der kränkliche und vcrivachsene Jüngling scheint
die Gabe dcS Zauberrings besessen zu haben,
die sein bester freund, Gottaold Ephraim
Lesung, später in einem Mendelssohn eigentlich
geividmeten Werke verherrlichen sollte: daß der
"Besitzer vor Gott und den Menschen angenelun
erschien... Junge jüdische Forscher aller Art
bcstrcvten sich ihm zu helfen, daß er sein Ziel
erreiche: der "Arzt Dr. Kisch ans Prag lehrte
ilm Latein: der Talmndist und hebräische
Dichter Israel Samos; trieb mit ihm Mathe¬
matik; und vor" allem lernte er Aron Salomon
Gnmperz kennen, dessen Lebensziele fast ganz
die gleichen ivaren, wie die Mendelssohns selbst.
"Aber bald verflog dieser beivegte .Kreis in alle
Winde: Lessing ging nach Breslau als Sekretär
des Generals Tanenhicn; der hilfreiche uild
gesellige Buchhändler tllicolai hatte sich um diese
Zeit verlobt und ivar als Bräutigam den
Frenndeit ferner gerückt, llnd Aron Gnmperz,
der Doktor der "Arzneigelehrsamkeit, hatte Berti»
verlassen, um den "Wirren des Krieges zu ent
gehen und ivar nach der Heimat seiner Frau,
nach Hamburg gezogen. Nun, so scheint es,
konnte srel) auch der jnitge Mendelssohn, der
Anhü der P cruu n f t, der Erkenntnis
nicht »'ehr entziehen, daß, ivie A'r damals
schreibt, „am Ende doch nur das häusliche Leben
es ist, im welchem der Mensch Glück und Be
rnhignng findet..."
Der inngc Philosoph hatte damals freilich
das sonst bei seinen jüdischen Zeitgenosse»
übliche Hciratsalter berAtS weit überschritten:
er ivar ja schon am G September 17(>(* dreißig
Fahre alt geworden. So mag er nicht lange
gezögert haben, als er in Hamburg im Frühling
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lTfi!) durch seinen Freund ttzumper; die Faiitilie
des Uanfmanns Abraham Giigenben» und be¬
sonders die.Tochter Fromet Gngenhciin -
„eine blauäugige Hainbnrgerin", ivie er sie
später nennt kennenleritte. (Gnmperz ivar ein
Berivandter der Familie Gngenheim nitd
ivohnte dort im Hanse. In seinem Zimmer vei
haitdelte matt über die Vorbereitung der Per
lobnng... aber nicht Brallt und Bräutigam
standen hier eiitander gegenüber, sondern der
lünftige Bräutigam hatte zunächst mit seiner
sehr resoluten Schiviegermntter, Fratt Vogel
Engeithcim, zu verhandeln.
Bis jetzt bietet Nlendelssolms Pcrlobnngs
geschichtc demnach nichts als die tbpischeit Züge
einer jüdischen Verlobung im IS. Jahrhundert.
"Nun aber tritt zu dieseit typischen ^jügen ein
iteneS Element der Individnaliüit. Es ist
nämlich keine von den Heiraten, ivie sic damals
üblich ivareit: keine iv i r 1 s ch a f t l i ch c Ab
nt a ch n n g zivischen zivei Familien, ivie sie
nicht rinr bei Inden, sondern auch bei altcin
gesessenen Banerngeschlechtcrn gang und gäbe
ivareit. Hier gibt die e i g n it g der
beiden jung e n L eit t e zu einander
den A n S s ch l a g. —^.Anch ivenn Moses
Aleitdclssohn dies >,icht später einem jungen
Freunde bekannt hätte, der mit ähitlichen Ab
sichten nmgiiig, könnten wir diese für die Z.eit
genossen äußerst ungewöhnliche Tatsache mit
Notwendigkeit erschließen. Denn die angesehene
Familie ("tugenheim befand sich gerade zur Zeit
von AlcndelssohnS Werbung in schlimmen
Ein Misrach von Mendelssohns Hand
Die nebenstehend abfiebildete Permanent-
hundsclirift wurde einem Herrn .Moses Kiifielnuinn
gewidmet. Auf der Rückseite des Misrnrh steht die
unten wiedergegebene It idmung: ,,Zum Ge¬
schenke an Herrn Moses Kugelmann aus Breiden-
buch. Von Moses '-Mendelssohn Sojer slam.“
(Slum — S i f r e Tora A (M s u s o l h). — Die
Menorahfigur auf der Vorderseite des Pergaments,
das zwölf Zentimeter hoch und neun Zentimeter
breit ist, wird durch hebräische Schriflzeichen ge¬
bildet, die das aus acht Zeilen bestehende
07. Kapitel der Psalmen wiedergeben. Die große
T eberschriftzeile. die mit .JSchiwiti “ beginnt, ist
auf jedem Misrach zu finden. Die kabbalistischen
ir orte der . dritten Zeile t on unten: „Kuzu
bmuchsz kuzu“ ersetzen die entsprechenden
Buchstaben des Tetragrams usw. durch einen fol¬
genden Buchstaben. In der L nterschriftszeile ist
zu lesen: „Mosche ben tnorenu haraw Mennchem
Mendel“.
wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Vater Ekugen-
beim befand sich auf tlieisen, um diese mißlichen
("keschästc zu erledigen. Nlendelssohn selbst bat
seinen Schwiegervater erst lange nach der Ver-
lobting kcnitcngelernt; und daun siel es ihm,
ivie es scheint, nicht ganz leicht, in diesem
Menschen „einen Mann zu finden, der würdig
ivar, Vogels ".biann und Fromcis Vater zu
heißen". Denn das ferne Familienhanpt. dem
wohl die Persönlichkeit des Philosophett nicht
gerade zahlnngskräft' z erschien, rückt dann mir
finanzielien Bodingnngen heraus: Der Bränti-
gani soll sich tt. a. verpflichten, die Frau nach
seinem Tode testamentarisch sicherzustcllcn: die
Hohe der von ihm zu leistenden Brautgeschenke
soll festgesetzt werden,.und dergleiäzen i.nehr.
Da braust der Freier, ans; und es zeigt sich,
daß der Sohn des Tboraschrcibers von Dessau
und Lessin^s "Major von Tellbcim im Ebarakter
und Temperament eine nicht gar zu entfernte
Familienähnlichkeit besitzen, ^enn diese For¬
derungen, so sagt der noch kaum Verlobte, gehen
gegen seine Ehre. Der Schwiegervater... „ist
ein Mann, der auf Ehre hält; und ivenn er
seine Tochter für mich bestimmt, so mag er auch
meine Ebre nicht allzu sehr hintan zu setzen be¬
lieben. — Alan lasse mir die Freiheit, so werde
ich nach meinen ("irnndsätzen bandeln — und
diese werden mich schon lehren, wie ich für
meine andere Hälfte sorgen muß." ----- Man
siebt, der inngc (belehrte iveiß eine mänitlich
entschiedene Sprache zu führen...
Eine Jüdin aus Hamburg
Wie aber beträgt sich nun die Hauptperson,
„die Braut Alamsell Frontet", wie sie aus den
Adressen der Briese Nlendelssohns heißt, in
solcher schwierigen Lage'e -- Um daS zu ver¬
stehen. müssen wir erst das Bild dieser an-
inutigen und klugen Hamburger Jüdin wieder
vor uns auflebcn lassen. — Von ihren damals
vielgerühmten Brantbriefen ist kein einzigeD^r-
halten. Aber wir besitzen Besseres: Im Iabre
17(>7 wurde eine Miniatur von ihr gemalt,
deren liebliche Umrisse uns beute noch cnt-
ziicken. Da ist sie, wie ivir sie uns nach den
Briese» ihres Verlobten denken; denn ÄtzoseS
Niendelssohn. der vollendete Bricfschreiber, be¬
saß ja die (tzabe, die vielleicht das Geheimnis
ledeS echten Briefes ist: in den Briefen jedes¬
mal nicht nur das Wesen des Schreibers, son¬
dern auch das Wesen des Empfängers wieder-
znspiegcln. Anmutig mid ein wenig schalkhaft
erscheint uns ans dem Bildchen das zarte
Franenantlitz, dessen Haar schon von dem
Spitzenhänbcheit der jüdischen Fratt verborgen
ivird. Ulng und beherrscht, eine Hambnrgcrin
ans guter, alter Familie; dabei aber spricht das
offene Auge von großer Herzensgüte und von
dem besten ("tute der Ntenschenkindcr — von un¬
begrenztem guten Willen.
So gibt ihr Bild sic wieder — so geben schon
sieben Jahre vor diesem Bilde die Briefe des
Verlobten die Jungfer Braut wieder. Alan
spürt in ihnen, wie das Töchterchen auS gut-
jüdischem Hanse, dessen lebensfrohe "ilcigungen
bis jetzt nicht gerade der "Weltweisbeit gegolten
haben, die Brautzeit benutzen will, um den
Mutter Berta
»OMAN AUS DEM ALT BERLINER BÜRGERLEßEN
‘ 22 |
vovufjeoiy Utsschfeld
I n h o l t d c s bisher e r s ch i c n e n e n T e i l s :
An einem Okiol'crioa des Iohrcs 18SO verlätzt "JJiaimffe Vctontö das
Gcschaslslokal der Berliner 7\tvma S. Henoch & <5o. Sein siinsnnd-
.wannaiiiiiriaes InPilanin lial ttclvald schon bei der Finna seines
Schlvaaers aefcicrt, nachdem widrige Umstände itm aenvnngen lmtien,
chori uitierznkommen. Am Alondijouptatz wird Alnnasse Lewald an-
gernscn. seine Tochter Fränze koinint ihm entgegen.
c',n Hause irisst Frän;e ihre ältere verheiratete Schlvestcr Mariannc,
die in sich nisammengesnnken in der Pläiistnbe siht und weint. <z\c, die
aliin Hans .Uarsunkels, Mutier zlvcier Jungen, Fritz und Walter, ist
von ihrem Manne sortgegangen: sie will sich scheiden lassen.
Inzwischen lvarlcn im Hszzimmer die Pensionäre von Frau Lelvald,
der „Mutier Berta", wie sie von allen genannt wird. Da ist Michael
Stern, der sich um lliielcheu Lewald bemüht, Heinrich Lessmann, ein Per
ebrer FränzeS. Heule ist auch Hmma Lelvald zn Gast, die Hausdame beim
spanischen Generallonsnl ist.
Manasse Lelvald ermahnt seine Tochter-Marianne, sich über die Per
antwortung, vor allem gegenüber ibren Bindern, klar zu sein, ivenn sie
ans einer Scheidung ihrer Hhe bestellt. M'tlleriveilc Hai sich Frau Ailschke,
die Answärlerin- des Narsnukelschen Hauses, der beiden Jungen
Mariannes angenommen. Bei seiner lliückkebr aus dem ("iesctiäft erfährt
Hans uarfunkel, das; seine Frau ihn verlassen hat. Doch in seiner leicht¬
lebigen Art macht er sich kaum Gedanken darüber.
Mit seinen beiden Jungen Fritz und Walter besuclit Hans .Uarsuntel
am Abend den Firkus Aenz. Aus dem piücklveg vom eiirkns linstet Fritz,
er mus; sicli zu Bett legen und der Arzt stellt eine Lungenentziindnug sesl.
Das Fieber schüttelt den .Unaben, er schreit auf: „"Mama soll loieder
kommen! Ich lvill nicht mehr. Ich kann nicht mehr! Mama soll äuge»
dlicklich wiederkommeit!" Aallos blickt Walter, allein mit dem kr, ken
sieberndeu Bruder, umlier. Hr rust die Auslvärterin, Fra» "Pi. ,ke.
Fn diesem ".'ln gen bl ick kommt Uarsnukel in die Wohnung. Fritz um
klammert den Pater und bittet ebensalls: „Manur soll wiederkommeu!"
ikarsunkei schickt sogleich Frau Ailschke mit Walter in die Lewaldsche
Wohnung Sie solle» Marianne .ziirüttholen.
Während Frau Milswke und Walter nach der Oranienburger Strasze
fahren, haben sich die viäste z» einem "Itall versammelt, den ".vlichael Stern
und Miekctieu veranstalten. Plarianue lvill lvälirend dieses Balles in der
Plältslube sitzen, da klopft es an ibrer Tür. GS ist Pater Manasse, der
lommt, um ihr mit seinem lliat zur Seite zu stehen:
„Wir leben in einer scliweren Feit, Glaube mir, cs kommt letzt nicht
nur aus das persönliche tüliitt an Besonders wir Inden haben eine gros;e
Perantwortung. Der Weg des Inden aus dem ("iliello lvar mein Weg",
!o spricht der alte Alann, „ich glaube mich trotz aller ltüiderstände be
bauplei zu haben. Aber cs liegt so oft in der jüdischen ;>!atur: entweder
lvcllsremder Idealismus oder Lebensliunacr. Dein wiann ist geschästlich
nmit unsolide, wobl aber als Meüsch. Und seine Kinderlk Gö sind auch
deine Kittoer, Marianne. Das ist das Hntscheidendc!"
Wenig später treffen Frau Ailschke und Waller in der O>-anienbnrgcr
Sir atze ein. Manasse gebt aus Frau Aiischkc zu und fragt: „Hat tonen
Karfunkel das Kind mitgcgeben v ." Die Frau bestätigt cs. „Gr lveitz Be¬
scheid". meint Muilcr' Berta.
„Freust du dich, das; wir uns wiederhaben'c" Marianne beugt sich zu
Walter nieder. Der nickt nur. — „Und was wird Fritz sagen r" Mühsam
stötzt Walter bervor: „Der wartete ja —-" Mgrianne sieht Uirc Hlicrn
an und sagt: „Run lveis; ich, was ich zn lün habe."
*
Im Gegensatz zu den gedrängten Perhültnissen im Hanse Lelvald
scheint es dem Schlvager Albert Henoch und seiner Frau Adele recht gut
zu gehen. Sie haben eine Reise nach Paris nnternommen. Hcnnoch weis;
die Firma lvälirend seiner Ablvescnycit in guten Händen: denn Rlanasse
Lelvald leitet inzwischen- das Büro. Albert ist ein geschickter Kausmann,
jetzt nocli dazu alleiniger Inhaber der Firma. Keiner seiner Brüder lebt
mebr. Willh, der einzige Sobn des Hauses Henoch, ist geschästlich tut-
brauchbar. So ruht alles auf den Schultern Albert Heuochs.
Während feine Gltcrn in Paris lveilen, hat sich Willh Henoch in der
elterlichen Wohnung einguartiert. Plötzlich kündigt ibm ein Telegramm
die "Rückkehr der Gliern an. Gilends mutz er das HauS .üumen.
Riekchen bat sich vollends an Michael Stern verloren, bis dieser
schlietzlich, ungeachtet seines Hciraisvcrsprcchens, auf und davon gebt. In
Ostende, wo sie sich mit Stern treffen lvill. erreicht Riekchen die fliachrichl.
Sie gebt ins Wasser, lvird aber gerettet. Die Enttäuschung bat Riekchen
Lelvald seölisch gebrochen. Sie sucht in einem Sanatorium Genesung. --
Fränze bestellt ihr pädagogisches Gramen, das sie zur Rnivärterin au;
eine Lehrstelle macht, doch da sie Jüdin ist. gelingt es ihr nicht, eine An¬
stellung zu erhalten. — t
Gin Fest im Hause Lelvald fülirl die einzelnen Dlitglieder der Familie
znsammen: Manasse bat 7». Geburtstag. Die tiefste Freude für den alten,
müden, kränklichen 'Mann bildet ein ltzediNit, das sein Gnkel Walter zu
diesem Tag versaszt bat. Walters Gltern, HauS und "Marianne, sehen sich
an diesent Tage auch zum ersten Male lvicder. In diese Feit fällt die
plötzliche zliachricht über Hermann Lelvald, den verschollenen Sobn von
'.lRnlter Berta, der einst als Tunichtgut nach "Amerika ging. Gine drüben
lebende Perwaitdle von der Henoch -ceilc, Selma Salomon. schreibt über
ibn und schickt sein Bild, das Marianne und Fränze ihrer "JJimtcr schonend
zeigen, aber Rlanasse kann nichts mehr von dieser Nachricht gesagt ivcrden,
weil es mit ihm plötzlich zti Gnde gebt, und schlietzlich drüeil Mutter
tK'rla die entseelten ".'lugen Rlanasse Lelvalds zu. Im Stcrbcliaus bat sich
auch Haus Karfunkel mit Fritz eingesunden, ivas Rlarianne trösilich
empsindet.
Albert Henoch, der der Beerdigung seines Schwagers nicht beilvolint,
batte in "IR an atz'e den gute» (Keift seines ("(eschäfts verloren: jetzt erst
zeigt es sich, ivie schlvcr Heuochs Finanzen erschüttert sind. Allerlei sinan
zielle Rlanipulativneit kommen hinzu. Albert Henoch lveis; nicht mehr ein
und aus, er ivälilt den »Freitod.
Rach allen Perändernngen soll Riekchen Lelvald aus dem Sanatorium
lvicder nach Hause kommen.
Fränze war in solcher Betvegting, -aß Heinrich beschwichtiezend
nach ilsrcr Hand griff. Sinn sagte sie: „Das ist ein schweres Opfer,
Mama."
„Wer weiß? Der Prqsessor meint, Riekchen wird sich sogar
int Hanslialt betätigen. "Wenn inan sie als gesund nilnint. Ich
werde natürlich nicht viel von ibr verlangen. Ich warte ab, was
sic selbst tut."
„Aber wie ist denn jeßt ißr Zustand? Ich fand sic ja auch viel
klarer"
Mut-ter Berta salz aus Atanasses Bild: „Nach meiner Ansicht
ist sie ganz normal bis auf die fixe Idee van Stern. Aber auch
das ist anders. Man darf ibr jedenfalls nicht widersprechen,
man muß still sein, wenn sic in ibren Erinnerungen lebt. Den
Gefallen kann man ibr ja tun "
„Ich glaube, du siebst eine neue Aufgabe in Riekchen, Mama.
Du kannst ja nicht ahne Aufgabe sein", sagte Fränze.
„Da hast du Recht. "
Atutter Berta erßob sich. Aber in die Küche ging sie noch nicht.
Wollte sic Akinna wirklich schon den Braten anvertrauen?
Heinrich warf Fränze etnen Blick zu. Er war zuweilen hell¬
sichtig. in solchen Augenblick richtete sie sich nach ihm.
„Gab es nicht noch einen zweiten Punkt, Riutter Berta, der
zu besprechen wäre?"
„Doch, ich denke. -Wenn man den Jungen nicht auf sich be-
ruben lassen will?"
Fränze trat erglühend zu ihrer Mutter.
„Habt ihr was aus Pitlsburg gehört?"
„§kur die Kondolation von Selma."
„Bon ihm'kein Wort?"
„Leider nein. Wir erklären es uns damit, daß er wieder unter¬
wegs ist. Ob nach^ Deutschland, wer kann das sagen?"
„Ihr glaubt wohl, daß er von Papas Tode noch nichts weiß?"
„Das ist möglich, Mama."
„Darf ich etwas sagen, Atutter Berta?" fragte Heinrich.
„Selbstverständlich! Alles!"
„Das Beste wäre, Sie ließen uns wiss-'n, was Sie wünschen.
"Zur möchten Ihnen die Sache erleichtern. Soll ich unverzüglich
sür aufklärende ".ll'achricht aus Amerika sorgen?'
Aiutter Berta sah erst Heinrich, dann Fränze an. Sie ging
langsam zur Tür. — .ZZinder - ich frage mich natürlich, ob es
lohnt. Papa hat man nichts mehr sagen können. Ich-mein
Gott, wer weiß, wie das Wiedersehen sein würde? Aber darum
braucht ihr es auch nicht zu fürchten. Illusionen mache ich mir
nicht."
„Es kommt nach meiner Ansicht darauf an. ihm freie Hand zu
lassen", sagte Heinrich. „Er müßte wissen, daß er willkommen ist.
Geld schicken können wir ihm nicht, weil wir selber keins haben."
„Deut?" brauste Atutter Berta plötzlich auf. „Keinen
Pfennig! Aber wenn ihm seine Mutter noch was wert ist, soll er
sagen, ob er kommt oder nicht!"
Neunzehntes Kapitel
Hans Karfunkel kam aus dem Deutschen Theater und traf
neinrich Lefsmann. der eben sein Gcschäftslokal in der Karlstraße
verließ. Fränzes Bräutigam hatte immex anders zu Mariannes
Mnnn gestanden, als die Allaemcinbei/ der Familie. Er ivar
ntildcr gegen Karfunkel, »veil er Humor für ihn hatte und sich